Auch in vielen anderen Produkten kommen die kostbaren Rohstoffe vor. Vor allem bei Lithium zeichnet sich jedoch eine wachsende Knappheit ab – mit möglichen Folgen für die Versorgung von Herstellern und Kunden auch in Deutschland. Zumal der Wirtschaftsgigant China versucht, weltweit Zugriff auf immer größere Vorkommen zu erhalten, um die eigene Industrie besser gegen Preiskapriolen abzusichern.

  1. Was macht Lithium jetzt so wertvoll? Batterien von E-Autos, aber auch viele weitere Elektronikprodukte sind auf Lithium angewiesen. Zwar sind andere Technologien in der Planung, der klassische Lithium-Ionen-Akku dürfte aber noch längere Zeit tonangebend sein. Das „weiße Gold“ kommt in der Zellproduktion zum Einsatz, auch deutsche Autokonzerne buhlen um neue Partner und gute Kontrakte zum Einkauf der zentralen Verbindung Lithiumkarbonat. Als entscheidender Faktor für die oft noch unzureichende Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Kosten von E-Autos steuert die Batterie den Wandel der Branche maßgeblich mit. VW etwa plant eine eigene Akkuforschung. „Wir könnten heute schon deutlich mehr E-Golf oder E-Up verkaufen, als wir derzeit in der Lage sind“, sagte VW-Markenchef Herbert Diess kürzlich mit Blick auf Versorgungsengpässe. Konkurrent Daimler unterhält schon eine Batteriefertigung.
    Ob Nickel, Kobalt oder Lithium: In den Akkus von E-Autos sind immer teure Rohstoffe verbaut.
    Ob Nickel, Kobalt oder Lithium: In den Akkus von E-Autos sind immer teure Rohstoffe verbaut. | Bild: dpa
  2. Aus welchen Staaten kommt das „weiße Gold“? Das Dreiländereck Chile-Argentinien-Bolivien wird bereits als das „Saudi-Arabien Südamerikas“ bezeichnet. Am Salzsee von Uyuni im bolivianischen Hochland gibt es die wohl größten Lithium-Reserven der Welt.
    „Wir werden eine große Lithium-Industrie aufbauen, über 800 Millionen Dollar stehen dafür bereit“, sagte Boliviens Präsident Evo Morales vor einigen Monaten. Nach Tests mit einem Pilotsystem soll bald eine große Förderanlage errichtet werden, die das deutsche Unternehmen K-UTEC geplant hat. Der Abbaukomplex umfasst rund 40 Quadratkilometer.
    Unscheinbarer Klumpen mit großem Wert: Lithium steckt derzeit in den meisten Akkus.
    Unscheinbarer Klumpen mit großem Wert: Lithium steckt derzeit in den meisten Akkus. | Bild: stock.adobe.com
  3. Welche Länder mischen im neuen Rohstoffmarkt mit? Um den Bau der Lithium-Fabrik haben sich 26 Firmen beworben – von China über Russland, Finnland, Deutschland und Spanien bis Mexiko. In der Nähe soll eine große Batteriefabrik entstehen, die Bolivien als Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischen Unternehmen betreiben will. Besonders chinesische Firmen hoffen auf den Zuschlag. Bolivien hat mit geschätzt neun Millionen Tonnen die größten Lithium-Reserven. Chile wird gemeinsam mit Australien bis auf Weiteres aber Weltmarktführer bleiben – bis 2030 soll der Export von Lithiumkarbonat auf 180 000 Tonnen pro Jahr mehr als verdoppelt werden. Lithium-Fonds legen steile Gewinnkurven hin.
    Damit Windräder Strom erzeugen, braucht es die Seltenen Erden Neodym und Dysprosium.
    Damit Windräder Strom erzeugen, braucht es die Seltenen Erden Neodym und Dysprosium. | Bild: dpa
  4. Warum beherrscht China den Weltmarkt? China ist einer der aktivsten Spieler bei Lithium. Die Nachfrage nach dem Rohstoff als strategische Ressource kommt nicht von ungefähr: Mit mehr als 500 000 verkauften Elektro- und Hybridwagen hat sich die Volksrepublik 2017 zum größten Absatzmarkt für E-Autos entwickelt. Peking will aber nicht nur Weltmarktführer in der E-Mobilität sein, sondern auch die Produktion von Batterien dominieren. Schon heute verbraucht China über 40 Prozent des weltweiten Lithiums.
    Es streckt daher seine Fühler nach Südamerika aus – und auch nach Australien, wo Lithium ebenfalls in großem Stil gewonnen wird. Der chinesische Autohersteller Great Wall Motors kaufte sich kürzlich beim australischen Konzern Pilbara Minerals ein, der über große Lithium-Minen verfügt. Die Pekinger Investmentfirma GSR Capital will sich laut Berichten am Lithium-Produzenten SQM aus Chile beteiligen.
  5. Wie knapp sind die Rohstoffe wirklich? Das kommt auf den Zeithorizont an. Nach Schätzungen der Deutschen Rohstoffagentur (Dera) wird sich der globale Bedarf an Lithium von derzeit etwa 33 000 Tonnen bis zum Jahr 2025 mindestens verdoppeln. Einige Experten wie Jaime Alée, Direktor des Lithium-Programms an der Universidad de Chile, warnten zuletzt jedoch auch vor einer Blase: „Die Reserven liegen weltweit geschätzt bei 40 Millionen Tonnen.“ Ein akuter Mangel sei daher unwahrscheinlich. Auch aus der Dera hieß es, zumindest bis 2025 müsse man nicht um eine ausreichende Versorgung bangen – jedenfalls bei Annahme optimistischer Szenarien: „Es wird langfristig genug Lithium für den Ausbau der E-Mobilität geben.“
  6. Warum drohen dennoch Engpässe? Unabhängig von der prinzipiell verfügbaren Lithium-Menge: Ob eine kontinuierliche Belieferung selbst bei hohen Preisen immer gesichert ist, ist fraglich. Die Dera räumt ein, dass Situationen möglich seien, in denen zu wenig Lithium auf den Markt kommt – etwa, wenn die E-Mobilität „besonders dynamisch“ anlaufen und Förderkapazitäten weniger als erwartet ausgebaut werden sollten. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schaut sich die Entwicklung mit Sorgen an. „Die Gefahr von Engpässen bei der Rohstoffversorgung steigt“, sagte ein BDI-Experte zuletzt.
    In fast jedem Handychip steckt Tantal.
    In fast jedem Handychip steckt Tantal. | Bild: dpa
  7. Warum ist die Herkunft weiterer Spezialrohstoffe ein Problem? Die Metalle Kobalt, Nickel und Platin sowie Grafit und Seltene Erden spielen ebenso eine zentrale Rolle für die Hightech-Wirtschaft. Die Kobalt-Nachfrage wuchs von 2010 bis 2015 von 65 000 auf über 90 000 Tonnen pro Jahr. Derzeit wird die Hälfte in Batterien verbaut, wo das Metall es möglich macht, die Energiedichte kleiner Akkus zu erhöhen. Das Öko-Institut in Freiburg erklärte kürzlich, es könne bei dem Metall jedenfalls vorübergehend zu einer Verknappung kommen. Daher sei mehr Rohstoff-Recycling nötig. Mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Kobalts kommt aus der Demokratischen Republik Kongo – dem unruhigen zentralafrikanischen Riesenreich, das den Begriff Konfliktmineralien geprägt hat. Amnesty International beklagt dort Kinderarbeit, Unfälle und Gesundheitsrisiken in den teils kaum überwachten Minen.

 

Teuer, zukunftsträchtig und mit teils fragwürdiger Herkunft: Versteckte Superstoffe

Neue Technologien schaffen neue Abhängigkeiten. So können die Fortschritte in Elektromobilität zwar den Erdölbedarf senken. Gleichzeitig werden für den Bau von Elektromotoren, Akkus und Computerchips aber andere Rohstoffe benötigt. Diese sind teilweise sehr wertvoll, teilweise selten, teilweise stammen sie aus politisch instabilen oder sogar militärischen umkämpften Gebieten. Investoren erschließen derzeit in vielen Gebieten neue Minen. Neue Rohstoffmächte könnten zukünftig vor allem in Afrika und Südamerika entstehen. Auf diesen Kontinenten schlummern unter der Erde große Teile der weltweiten Reserven an den zukunftsträchtigen Mineralien und Metallen. Eine kleine Auswahl aus den in den Bauteilen versteckten Superstoffen der Gegenwart und Zukunft:

  • Kobalt: In vielen der derzeit gebauten Lithium-Ionen-Akkus wird Kobalt verwendet. Wegen der hohen Nachfrage und einer eher knappen Verfügbarkeit hat sich der Preis 2017 mehr als verdoppelt, auf rund 65 Euro pro Kilo. Im vergangenen Jahr wurden weltweit rund 110 000 Tonnen gefördert. 80 Prozent davon verbraucht die chinesische Akku-Industrie.
  • Coltan: In jedem Handy steckt Coltan: Aus ihm wird Tantal gewonnen, das für kleine elektronische Bauteile unverzichtbar ist. Der Coltan-Abbau findet besonders in der Demokratischen Republik Kongo unter teils menschenunwürdigen Bedingungen statt. Kongo und Ruanda fördern 60 Prozent der Weltabbaumenge von 1300 Tonnen. Ein Kilo Tantal kostet 220 Euro.
    Coltan-Nuggets
    Coltan-Nuggets | Bild: AFP
  • Nickel: In den Akkus der meisten Elektroautos steckt viel Nickel. Zudem wird an Batterien geforscht, in denen Nickel das derzeit dominante Lithium ersetzen soll. 2,1 Millionen Tonnen wurden 2017 gefördert, größter Exporteur ist Indonesien. 11 Euro kostet ein Kilo des Metalls. Der Großteil davon wird aber noch immer für die Produktion von Edelstahl verwendet.
  • Platin: Solange es noch Verbrennungsmotoren gibt, ist Platin sehr wichtig. In Fahrzeug-Katalysatoren sorgt es dafür, dass die Abgase zu ungiftigen Stoffen reagieren. Platin ist eines der teuersten Edelmetalle. Ein Kilogramm kostet rund 25 000 Euro. Hauptproduzent ist Südafrika, das fast drei Viertel der weltweiten Fördermenge von 200 000 Tonnen abbaut. (dod)

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