Griechische Sagen sind zeitgemäß, weil sie Urmenschliches beschreiben, wie das vergebliche Sich-Mühen. Wie Sisyphos müht sich derzeit die Pressestelle der CDU. Sie überschüttet Journalisten mit unüberbietbaren „Erfolgen“ der CDU in den Koalitionsgesprächen. Aber irgendwie hilft es nichts. Man lacht beim Lesen, etwa wenn der Sprecher für Kultur und Medien, Marco Wanderwitzda, „gute Nachrichten für alle Kulturschaffenden“ verkündet, weil ein „Zukunftsprogramm Kino“ als Förderprogramm für Kinos aufgelegt wird; man wundert sich nur, wie tief die Agitprop-Formel der DDR von den „Kulturschaffenden“ in den CDU-Sprachgebrauch eingedrungen ist. Der verkehrspolitische Sprecher Ulrich Lange wiederum verkündet, auch im Stil der DDR-Versprechungen, „bis 2020 mindestens 100 000 zusätzliche Ladepunkte“ für E-Autos; ist das nicht eigentlich Aufgabe der Tankstellen und Stromversorger, Steckdosen zu verlegen? Egal, der Staat liefert, und wie.

Was den vielen Sprechern nicht auffällt: Wie sehr sie einem DDR-Jargon verfallen sind, in dem der Staat Erfolge, Geschenke und ständige Fortschritte verspricht, wie früher nur die Planbürokraten. Der Staat ist der große Spender, der Ermöglicher, der Macher – kein Wort über den großen Abkassierer. Parlamentarische Beamte versprechen großmäulig Zukunft, die im geförderten Kino kommt, selbstverständlich auch auf dem flachen Land und überall. Wie Sisyphos bemüht sich der Staat um seine immer gierigen Bürger, will sie erfreuen – statt sie Kinos besuchen zu lassen, wann, wo, wie oft sie wollen, ganz ohne Politik. Die Bürger sind undankbar. Sisyphos’ Fels rollt zu Tal.

Sprache ist verräterisch. In Dutzenden von solchen DDR-Floskeln wird das Blaue vom Himmel versprochen. Dabei: Es sind die Bürger, die all dies selbst möglich machen; die die steigenden Kosten für „unsere Offensive für mehr Pflegepersonal“ tragen, die Kinos subventionieren, in denen sie sich niemals einen Film anschauen werden. Die Steuer- und Beitragszahler sind Sisyphos. Denn immer sind sie es, die den Fels den Berg hochrollen. Nur: Der Wirtschaftsbürger kommt nicht vor, ihn gibt es nicht mehr. Alles Gute kommt vom Staat. Militärischer Sprachgebrauch bei der Erfüllung des großen Plans greift Platz, und Albernheiten werden nicht mehr als solche erkannt: „Der wachsenden Bedeutung der E-Sport-Landschaft in Deutschland“ werde man Rechnung tragen und „uns für eine Anerkennung als eigene Sportart“ mit Vereins- und Verbandsrecht einsetzen. „E-Sport schult – wie das Schachspiel auch – nachweislich wichtige Fähigkeiten, die in Schule und im späteren Berufsleben von Bedeutung sind.“ In Zukunft also staatlich geförderte Computerspiele. Kinder, Kinder, Kinder, habt ihr sie noch im Schrank, die eine oder andere Tasse? Die Universität in Berkeley (Kalifornien) forscht erfolgreich an Kleinst-antrieben, die im Nanometerbereich arbeiten. Eine Amerikanerin und eine Französin erfinden die Gentechnik-Schere CRISPR, die völlig neue medizinische Horizonte eröffnet. Die Russen haben den Schnellen Brüter praxistauglich gemacht. Die Deutschen verlegen Glasfaserkabel bis 2025, um E-Sport auf Vereinsebene olympiareif zu betreiben. Sisyphos ist ein Berliner.