Friedrich Merz sieht in mehr Aktien einen Ausweg aus der Rentenfalle. Der Vorschlag hört sich gut an, immerhin versprechen Unternehmensanteile im langjährigen Mittel durchaus stattliche Renditen. Leider löst der Vorstoß aber die Probleme unseres Rentensystemes nicht.

Das fängt bei der Frage an, wer überhaupt mit Aktien vorsorgen sollte. Klar ist, dass es für die große Gruppe der über 50-Jährigen riskant ist, die private Vorsorge auf Aktien aufzubauen. Hohe Renditen erzielen Aktien nämlich nur, wenn man die Zeit hat, sie über Jahre und Jahrzehnte zu halten. Hat man diese Zeit nicht, steigt das Risiko Kurseinbrüche voll mitnehmen zu müssen, stark an.

Acht Millionen Arbeitnehmern reicht das Geld nicht, etwas zur Seite zu legen

Das Hauptproblem ist aber, dass eine stärkere Aktienvorsorge für die Hoch-Risikogruppe der von Altersarmut Bedrohten keine Option darstellt. Das sind die atypisch Beschäftigten, also die Mini-Jobber, Leiharbeitnehmer, befristet oder in geringer Teilzeit Beschäftigten. Sie stellen mit knapp acht Millionen Menschen mittlerweile über ein Fünftel der gesamten Arbeitnehmerschaft im Land. Diese Menschen kommen mit ihrem Lohn gerade so über die Runden. Sparen oder Geld für Aktien zurücklegen, können sie sich nicht erlauben.

Von einer Steuerbefreiung, wie Merz sie jetzt vorschlägt, würden sie auch schon deswegen kaum profitieren, weil sie sehr wenig Steuern zahlen. Der Merz-Vorschlag käme daher vor allem besserverdienenden Arbeitnehmern zu Gute. Die aber brauchen keine weitere Staatsknete.