Für Millionen Mieter sind nur wenige Ablesefirmen zuständig – das sehen Wettbewerbshüter bereits seit Längerem kritisch. Doch bisher hat die große Koalition trotz einer Aufforderung des Bundeskartellamts noch keine Maßnahmen gegen die Marktmacht dieser Anbieter ergriffen.

Dass das Ablesen von Heizungs- und Wasserzählern ein profitables Geschäft darstellt, ist wenigen Mietern bekannt. Dominiert wird der Markt laut Bundeskartellamt von zwei Platzhirschen: Ista mit Sitz in Essen und Techem aus dem hessischen Eschborn teilen sich demnach allein 50 bis 60 Prozent des Geschäfts.

Beide Firmen sind der breiteren Öffentlichkeit nahezu unbekannt. „Aber die sind mehr wert als Opel“, sagt die bayerische SPD-Landtagsabgeordnete Inge Aures.

Wie der Wettbewerb belebt werden kann

Denn Ista wurde 2017 für 4,5 Milliarden Euro an den Hongkonger Multimilliardär Li Ka-Shing verkauft, Techem ging im Frühjahr für 4,6 Milliarden Euro an Schweizer Investoren. Zum Vergleich: Für Opel bot der französische Autokonzern PSA Peugeot Citroën 1,3 Milliarden Euro. Neben Ista und Techem sind noch drei weitere große Anbieter aktiv, alle fünf zusammen teilen sich etwa 70 bis 80 Prozent des Markts.

Schon 2017 hatten die Kartellwächter das „wettbewerbslose Oligopol“ der großen Unternehmen bei der Ablese von Wärme- und Wasserzählern angeprangert und drei Vorschläge zur Belebung des Wettbewerbs gemacht.

Wie jetzt aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht, wird bislang untersucht, ob eine dieser Forderungen umgesetzt werden könnte. „Es wird derzeit geprüft, die Förderung der Interoperabilität von Zählern in der anstehenden Novelle des Energieeinsparrechts für Gebäude zu verankern“, teilte das Haus von Ressortchef Peter Altmaier mit.

Mieter tragen Großteil der Kosten

„Interoperabilität“ bedeutet, dass nicht jede Ablesefirma ihr eigenes Zählerystem basteln soll. Denn die eigenen Systeme erschweren einen Wechsel des Anbieters, weil eine neue Ablesefirma für viel Geld neue Zähler in einem neuen Gebäude installieren müsste.

Bezahlt wird die Ablese in aller Regel von den Mietern, da die Vermieter Nebenkosten umlegen dürfen. Dieses Dreiecksverhältnis von Ablesefirma, Vermieter und Mieter ist ein weiterer Punkt, den das Bundeskartellamt kritisiert: Angeheuert wird eine Ablesefirma vom Hausbesitzer.

Doch da die Mieter den Großteil der Kosten tragen, gibt es wenig Anreiz für die Vermieter, sich um ein günstiges Angebot zu bemühen.

Mehr Transparenz gefordert

Für das Jahr 2014 schätzte das Kartellamt die Umsätze der Branche auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Pro Wohnung schlug das im Schnitt mit 74 Euro im Jahr zu Buche, aktuellere Daten gibt es nicht. Abgesehen von der Interoperabilität der Zählersysteme fordern die Kartellwächter daher größere Transparenz für die Mieter in Form besserer Information und eine Vereinheitlichung von Eichfristen und Nutzungsdauer der Geräte – das soll für die Hausbesitzer den Wechsel des Anbieters erleichtern.

„Ein Hauptproblem ist, dass Vermieter und Ablesefirma einen Vertrag schließen und die Kosten der Mieter zahlen muss“, sagt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds. „Dies führt – so auch die Ablesefirmen selbst – zu einer mangelhaften Preissensibilität ihrer Kunden“ – wobei Kunden in diesem Falle die Vermieter sind.

Noch ist unklar, was die Verkäufe von Ista und Techem für die Mieter bedeuten. Die Vermutung liegt nahe, dass die Investoren ihre hohen Kosten so schnell wie möglich wieder hereinholen wollen. Eine Änderung der Preispolitik könne sich frühestens bei den Heizkostenabrechnungen für 2018 oder 2019 bemerkbar machen, sagt Ropertz. „Das sind Abrechnungen, die der Vermieter bis Ende 2019 beziehungsweise Ende 2020 vorlegen muss.“