Der Stuttgarter Autobauer Daimler wird seinen Aktionären voraussichtlich eine historisch niedrige Dividende auszahlen. Sie sollen je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr nur noch 90 Cent erhalten – nach 3,25 Euro das Jahr zuvor. „Das ist sowohl für die Aktionäre, als auch für uns enttäuschend“, räumte Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm in Stuttgart ein. Für das laufende Geschäftsjahr gehe man allerdings von einer „signifikanten Erhöhung“ der Dividende aus, sagte er. „Unser Ziel ist eine höhere Ertragskraft im Konzern und damit auch eine höhere Dividende.“

Weniger Dividende gab es zuletzt vor zehn Jahren

Der Dividendenvorschlag, den die Daimler-Hauptversammlung im Mai noch absegnen muss, stellt eine Zäsur dar. Seit der Finanzkrise gab es nie niedrigere Zahlungen an die Aktionäre. Im Jahr 2008 gab es 60 Cent je Anteil, im Jahr darauf wurde die Dividende ganz gestrichen, bewegte sich danach aber immer über 1,85 Euro. Wie bei dem meisten Unternehmen spiegelt die Dividende auch bei Daimler die Gewinnsituation wieder – und die ist im Moment beim Konzern mit dem Stern besonders mies.

Im abgelaufenen Jahr betrug das Konzernergebnis 2,7 Milliarden Euro. Das sind 64 Prozent weniger als 2018, als sich der Gewinn auf 7,6 Milliarden Euro summiert hatte. „Das sind nicht Ergebnisse, die wir für die Zukunft sehen wollen“, sagte Daimler-Vorstandschef Ola Källenius, „das reicht nicht“.

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Der Schwede steht seit vergangenem Mai an der Daimler-Spitze und muss nun beweisen, dass sein im November angekündigtes Spar- und Effizienzprogramm, das unter anderem Tausende Arbeitsplätze kosten wird, funktioniert. 2020 sollen erste Effekte sichtbar und die Bilanz wieder besser werden, kündigte Källenius an.

Sorgenkind E-Mobilität

Dafür muss auch die Elektromobilität Fahrt aufnehmen. Kritiker werfen Daimler und vor allem auch Källenius‚ Vorgänger und möglichem nächsten Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Zetsche vor, den Einstieg verschlafen zu haben. Mercedes hatte 2019 das erste Modell seiner vollelektrischen EQ-Familie, den EQC, auf den Markt gebracht. Gelingt der Hochlauf bei Elektroantrieben nicht, drohen hohe Strafzahlungen, wenn der CO2-Grenzwert für die Neuwagenflotte nicht eingehalten wird.

Ola Källenius, derzeitiger Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, spricht während der Bilanz-Pressekonferenz der Daimler AG.
Ola Källenius, derzeitiger Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, spricht während der Bilanz-Pressekonferenz der Daimler AG. | Bild: dpa

„Ich bin zuversichtlich“, sagte Källenius, aber garantieren könne er nicht, dass man die gut 100 Gramm CO2 pro Kilometer schaffe. Zuletzt lag die Daimler-Flotte bei etwa 137 Gramm. Entscheidend hierfür ist, dass es Daimler in kurzer Zeit gelingt, möglichst viele E-Fahrzeuge von den Bändern rollen zu lassen, was offenbar eine erhebliche Herausforderung darstellt. In den vergangenen Monaten machten immer wieder Gerüchte von Problemen beim Anlauf von Daimlers E-Auto EQC die Runde. Gestern sagte Källenius: „Die industrielle Herausforderung ist das hochfahren von Batterielinien – sowohl hier, als auch im Ausland.“

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Mitarbeiterprämie sinkt drastisch

Die aktuelle Lage hat auch Folgen für die Mitarbeiter: Für die rund 130 000 Tarifbeschäftigten gibt es 2020 nur noch 597 Euro Ergebnisbeteiligung und eine einmalige Anerkennungsprämie von bis zu 500 Euro. Im Vorjahr hatte die Prämie noch bei 4965 Euro gelegen. Nach unbestätigten Berichten sollen bis zu 15 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen, darunter zehn Prozent Manager.

Dieter Zetsche, Ex-Chef von Daimler, präsentiert 2018 den vollelektrischen EQC. Mittlerweile hat der Konzern Probleme beim Serienanlauf des Fahrzeugs.
Dieter Zetsche, Ex-Chef von Daimler, präsentiert 2018 den vollelektrischen EQC. Mittlerweile hat der Konzern Probleme beim Serienanlauf des Fahrzeugs. | Bild: AFP

Allerdings läuft das Kerngeschäft im Prinzip gar nicht so schlecht. Bei Mercedes-Benz Cars, Daimlers größter und wichtigster Sparte, bedeuteten rund 2,4 Millionen verkaufte Fahrzeuge einen weiteren Absatzrekord. Die Truck-Sparte brachte zwar weniger Lastwagen an die Kunden als im Vorjahr, konnte aber trotzdem noch den Umsatz steigern. Auch die Busse, die Vans und die Finanzsparte legten zu.

Milliardenkosten durch Dieselaffäre

Das Problem ist, dass am Ende zu wenig vom Geld aus dem operativen Geschäft übrig bleibt. Die Pkw-Sparte halbierte ihr Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Vans lief gar ein Minus von rund drei Milliarden Euro auf – „schrecklich“ nannte Källenius die Zahl vor Analysten. Auf mehr als vier Milliarden Euro summieren sich allein die Ausgaben für Rückrufe und Verfahren im Zusammenhang mit der Dieselaffäre.