Mehr Umsatz, mehr Absatz und mehr Mitarbeiter: Die Schweizer Bell Food Group ist vor allem dank der Hügli-Übernahme 2018 kräftig gewachsen. Beim Gewinn musste der Fleischkonzern aus Basel allerdings einen Dämpfer hinnehmen. Das Ergebnis ging um über 16 Prozent auf 89,3 Millionen Schweizer Franken (78 Millionen Euro) zurück. Wie die Hügli Mutter mitteilt, lag der Gewinneinbruch hauptsächlich an Abschreibung im Zuge der Hügli-Integration und negativen Wechselkurseffekten. Die Bell Food Group mit Sitz in Basel hatte Hügli im vergangenen Jahr aufgekauft. Hügli, das seine Wurzeln im Schweizer Kanton St. Gallen hat, beschäftigt in Radolfzell 600 Mitarbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber der Stadt.

"Das Ergebnis ärgert mich. Wir hätten uns ein besseres Resultat gewünscht", sagte Bell-Chef Lorenz Wyss. Doch in der Zukunft gebe es viele Chancen, so Wyss. Die Bell Food Group, die in diesem Jahr 150 Jahre alt wird, befindet sich gerade im Wandel von einem klassischen Fleischproduzenten zu einem breiter aufgestellten Lebensmittelkonzern, der neben Fleischprodukten auch Soßen, Salate, Suppen, Sandwiches und Müsli anbietet. Im Zuge dieses Strategiewechsels hat Bell neben Hügli zuletzt auch die Unternehmen Hilcona, Eisberg und den Früchtespezialisten Sylvain & Co übernommen.

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Wyss sprach von einem Spagat zwischen klassischen Fleischprodukten und neuen vegetarischen Gerichten. "Unser Anspruch ist es, in der Mitte des Tellers zu bleiben. Wenn sich die Ernährungsgewohnheiten der Gesellschaft ändern, müssen wir uns als Konzern anpassen", so Wyss. Der Konzernlenker bestätigte, dass die Bell Food Group über weitere Übernahmen nachdenke, allerdings nicht in der Größenordnung von Hügli.

Im letzten Jahr erwirtschaftete Bell mit 12 400 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,1 Milliarden Schweizer Franken – ein Plus von über 15 Prozent. Der Absatz erhöhte sich sogar um fast 20 Prozent auf 543 Millionen Kilogramm. Vor allem Geflügel, aber auch die sogenannte Convenience-Produkte sorgten für das Umsatzwachstum. Unter letzteren fallen Lebensmittel, die sich einfach ohne große Zubereitung konsumieren lassen, aber auch fertig zubereitete Lebensmittel wie Salate oder Sandwiches. Derzeit trägt die Convenience-Sparte, zu der neben Hügli auch Hilcona und Eisberg gehören, gut ein Viertel zum Bell-Umsatz bei. Drei Viertel des Erlöses erwirtschaft Bell mit Fleischprodukten, Wurst und Meeresfrüchten.

Hügli setzt auf gesunde Produkte

Laut Endrik Dallmann, Deutschland-Chef von Hügli, erwarte man 2019 bei Hügli große Synergieeffekte aus der Zusammenarbeit mit dem Bell-Konzern. "Kulturell wurden wir in der Bell Food Group mit offenen Armen aufgenommen", so Dallmann. Im laufenden Jahr setzt Hügli vor allem auf die Entwicklung von Produkten mit gesundheitsfördernden Eigenschaften. Auch im Verpackungsbereich will sich Hügli moderner aufstellen. "Hier werden wir künftig intensiv daran arbeiten, noch nachhaltigere Verpackungskonzepte zu verwirklichen und damit den wachsenden ökologischen Anforderungen zu genügen", so Dallmann.