Steht in Chinas Hauptstadt Peking ein Staatsbesuch an, lässt die Führung die Laternen entlang der Prachtallee Chang’An mit der Fahne des jeweiligen Herkunftslandes beflaggen. In diesen Tagen versinkt das Regierungsviertel geradezu in einem bunten Fahnenmeer. Der Grund: In Peking hat Chinas großes Afrika-Forum begonnen. Dafür sind die Staats- und Regierungschefs von insgesamt 53 afrikanischen Ländern nach China gereist.

In seiner Auftaktrede kündigte der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping gleich Investitionen in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung in Afrika an. Im Paket seien 15 Milliarden Dollar als „Hilfen und zinslose Kredite“ vorgesehen. Zudem sollen einige Länder von Schulden befreit werden. „Wir heißen Afrika im Expresszug der chinesischen Entwicklung willkommen“, begrüßte Xi die anwesenden Gäste in der Großen Halle des Volkes.

Wichtiger Absatzmarkt

Schon jetzt ist China größter Investor in Afrika. War der Kontinent für die Chinesen in den Nuller-Jahren vor allem eine Quelle für Rohstoffe, hat sich die Handelsbilanz inzwischen umgekehrt. Das heißt: In die meisten dieser Länder exportiert China mehr als es importiert. Damit ist Afrika für China zu einem wichtigen Absatzmarkt geworden. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 170 Milliarden Dollar hat China sowohl die USA als auch die EU überholt. In nur 17 Jahren hat sich Chinas Handelsvolumen mit Afrika damit mehr als verzwanzigfacht.

In Afrika sind Schriftzüge in Mandarin bereits auf zahlreichen Baustellen zu finden, so wie hier in Ruanda.
In Afrika sind Schriftzüge in Mandarin bereits auf zahlreichen Baustellen zu finden, so wie hier in Ruanda. | Bild: Kristin Palitza, dpa

Zugleich haben auch Chinas Direkt­investitionen massiv zugenommen. Fast täglich macht das Reich der Mitte mit einer neuen Großinvestition von sich reden: Chinesische Unternehmen bauen quer durch den Kontinent Straßen, Schienen und Stromleitungen. Flughäfen, Kraftwerke, Fußballstadien, Regierungsgebäude, ja ganze Städte werden mit chinesischen Geldern errichtet. Mit Nova Cidade de Kilamba soll in Angola eine fast neun Quadratkilometer große Stadt entstehen, in der Nähe der südafrikanischen Metropole Johannesburg ein „Manhattan von Afrika“. Mehr als 10 000 chinesischen Unternehmen sollen es laut der Unternehmensberatung McKinsey sein, die in Afrika investiert haben.

Den neuen Flughafen von Algier, der Hauptstadt Algeriens, hat die China State Construction Engineering Corporation gebaut.
Den neuen Flughafen von Algier, der Hauptstadt Algeriens, hat die China State Construction Engineering Corporation gebaut. | Bild: dpa

Zwar gibt es immer wieder Kritik am Gebaren chinesischer Unternehmer, dass sie fundamentale Arbeitsrechte nicht einhalten würden. Zudem mehren sich die Stimmen, die davor warnen, Chinas Freigiebigkeit könnte Länder in eine Schuldenfalle treiben und sie so von Peking abhängig machen. In Dschibuti etwa am strategisch wichtigen Horn von Afrika machen chinesische Kredite fast 80 Prozent der Schuldenlast aus. Sambia, Angola und Kongo sind ähnlich hoch bei China verschuldet. Dennoch scheint eine Mehrheit der Afrikaner Chinas Engagement zu begrüßen. Nach einer Umfrage von Afrobarometer beurteilen zwei Drittel der Menschen in 36 afrikanischen Ländern das Verhalten der Chinesen als gut.

Auch Europa meldet Interesse an

Angesichts der vielen Kriege, der Armut und der korrupten Regime hatten Europa und die USA den Kontinent noch in den Neunziger-Jahren als hoffnungslosen Fall abgetan. Die Bezeichnung von „the lost continent“ machte im Westen die Runde. Chinas Investitionen scheinen nun aber auch das Interesse der europäischen Regierungschefs an dem südlichen Nachbarskontinent geweckt zu haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Großbritanniens Regierungschefin Theresa May bereisten vergangene Woche fast zeitgleich jeweils drei afrikanische Länder. Deutschlands Engagement nach Afrika hat auch schon erheblich zugenommen: Die deutschen Investitionen stiegen 2016 um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und betrugen 10,5 Milliarden Euro. Sie machen dennoch nicht einmal ein Prozent der deutschen Auslandsinvestitionen aus.

Dabei verzeichnen die meisten großen afrikanischen Volkswirtschaften schon seit Jahren hohe Wachstumsraten. In Ländern wie Nigeria, Kenia und Äthiopien liegen sie zwischen 6 und 8 Prozent im Jahr. Hinzu kommt ein rasanter Anstieg der Bevölkerung. Bis 2050 könnte sich die Zahl der Einwohner auf 2,5 Milliarden Menschen mehr als verdoppelt haben. Ein Viertel der Weltbevölkerung wird dann auf dem afrikanischen Kontinent leben.