Mit drastischen Worten hat der Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Peter Schneider, vor den Auswirkungen eines möglichen Handelskriegs mit den USA gewarnt. Aber auch die Italienkrise hält der ehemalige Biberacher Landrat für brandgefährlich. Die Folgen der Finanzkrise und der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Sparkassen indes weggesteckt. Ein Überblick:

  • Handelskrieg: Deutschlands Wohlstand fußt auf einem seit Jahren steigenden Exportüberschuss. Insbesondere Baden-Württemberg mit seiner starken Automobilindustrie, dem Maschinenbau und einer international gut aufgestellten Chemie- und Pharma-branche – oft liegen die Exportanteile der Firmen deutlich über 70 Prozent des Umsatzes – ist von freien Märkten und möglichst niederen Zollsätzen abhängig. US-Präsident Donald Trump hat nun Zölle auf Stahl- und Aluimporte aus Europa in die USA verhängt und sogar Zölle für Autos ins Spiel gebracht. Mit den angedrohten Zöllen auf die Automobilindustrie ziele Trump „auf die Herzkammer der baden-württembergischen Wirtschaft“, sagte Schneider in Offenburg vor Sparkassenvertretern. Insbesondere nach dem gescheiterten G7-Gipfel am vergangenen Wochenende seien die Warnglocken für Europa deutlich lauter geworden. Experten rechnen damit, dass Zölle die deutschen Autobauer nicht zum Straucheln bringen würden, wohl aber Auswirkungen auf die Ertragslage der Firmen hätten. Die Gewinne werden derzeit aber gebraucht: Zur Abarbeitung der Diesel-Krise und für Investitionen in E-Mobilität und autonomes Fahren.
  • Italien und der Euro: „Die Italienkrise ist mit Sicherheit der größte Unsicherheitsfaktor derzeit für die Finanzmärkte“, sagte Schneider im Gespräch mit unserer Zeitung. Größer noch als der unberechenbare Protektionismus des Präsidenten der USA. Eine Gefahr sieht Schneider insbesondere, wenn das Schuldenmachen in der EU weiter Schule macht. „Sollten viele Länder der Eurozone weiterhin immer mehr Schulden anhäufen, dann müsste ein Währungssystem, wie es derzeit in Euroland existiert, irgendwann kollabieren“, sagte er. Italien hat mittlerweile einen Schuldenberg von fast 2,3 Billionen Euro angehäuft, was gut 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert deutlich unter 70 Prozent.
  • EU-Haftung für Spareinlagen: Die deutsche Finanzbranche kämpft seit Jahren gegen Brüsseler Pläne, eine europäische Einlagensicherung einzuführen. Diese, so das Argument, würde letztlich dazu führen, dass deutsche Sparer für Pleitebanken in anderen EU-Staaten haften. Auch Schneider ist gegen die EU-Haftung. „Solange die Risiken so unterschiedlich in den Bankensystem ausfallen, sind wir im Interesse unserer Sparer nicht bereit, über irgendeine Haftungsübernahme überhaupt nur zu reden“, sagt er. Hintergrund ist, dass die Sicherungstöpfe für Spargelder je nach EU-Staat sehr unterschiedlich gefüllt sind. Vergleichsweise vollen Fonds in Deutschland stehen eher leere Kassen in anderen Staaten gegenüber. Außerdem verfügen Sparkassen und Volksbanken in Deutschland über eigene Institutssicherungssysteme. Diese sehen die Häuser bei einer EU-weiten Haftung in Gefahr.
  • China-Investoren: Für eine weithin unterschätzte Gefahr hält Schneider, dessen Sparkassen insbesondere den Mittelstand mit Krediten ausstatten, das Engagement chinesischer Investoren in der deutschen Wirtschaft. „Die aktuelle chinesische Einkaufstour in deutsche Unternehmen ist für unsere Wirtschaft gefährlich“, sagte er. Dahinter stecke ein strategischer Plan, dessen Wirkung auf Deutschland man oft „deutlich unterschätzt“. „Wir laufen Gefahr, technologische Kernkompetenzen aus der Hand zu geben“, sagte er.
  • Sparkassen: „Den Sparkassen in Baden-Württemberg geht es unter dem Strich sehr ordentlich“, sagte Schneider. Im Geschäft mit Kundeneinlagen liefe es bei den 51 Instituten sogar „richtig gut“. Anders ausgedrückt tragen immer mehr Menschen ihr Geld zu den Häusern. Fast jeder zweite Sparer-Euro im Südwesten liegt bei den Sparkassen – Ende April waren das 134 Milliarden Euro. Allein 100 Milliarden stammen von Privatkunden – ein Plus von vier Prozent gegenüber Vorjahr. „Die Unternehmen und die Privatkunden fragen bei uns viele Kredite nach“, sagte Schneider. Ende April hatten die Sparkassen 126 Milliarden Euro verliehen, was einem Plus von sieben Prozent entspricht. Bremsspuren hinterlassen einzig die Niedrigzinsen der EZB. „Über alle Sparkassen hinweg verlieren wir hier aktuell rund 100 Millionen Euro pro Jahr im Vergleich zum langjährigen Normalniveau“, sagte Schneider.