Die Deutsche Bank und die Commerzbank sollen fusionieren. Das jedenfalls wollen die Berliner Wirtschaftspolitiker wie Peter Altmaier und Finanzminister Olaf Scholz. Altmaier redet von „Nationale Industriestrategie 2030“, es sollen nationale Champions entstehen.

Die Banken sind jetzt die ersten Opfer der neuen deutschen Planwirtschaft.

Nullzins-Politik ist das Problem

Deutsche Bank und die Commerzbank sind nicht erfolgreich. Das ist die Folge diverser Managementfehler – aber vor allem die Folge der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Bekanntlich arbeiten die Banken nach dem 3-6-3 Prinzip: Sie erhalten Geld von den Sparern, das sie mit 3 Prozent verzinsen. Sie verleihen das Geld für 6 Prozent an Wirtschaft, Handwerk und Industrie – ein tolles Geschäft. Und deshalb stehen die Banker ab drei Uhr fröhlich auf dem Golfplatz. Zugegebenermaßen ist das etwas vereinfacht dargestellt. Man nennt das komplizierter Zins-Arbitrage: Kleine Spareinlagen müssen gebündelt werden für große Kredite. Und das Ganze muss so gestaffelt sein, dass Oma ihre Spargroschen zurückkriegt, wenn die Enkelkinder Geburtstag haben – auch wenn der Großkredit noch läuft.

Es ist also sehr viel komplizierter – und um den Witz zu Tode zu reiten: Deswegen kommt man manchmal erst um vier auf den Golfplatz. Noch schlimmer: Wenn Oma Null Zinsen kriegt und die Kreditnehmer Null Zinsen zahlen, dann ist es jedenfalls auch Null mit Golf. Und genau das ist derzeit der Fall.

Das eigentliche Gift für die Banken

Die Null-Zins-Politik der EZB zerstört das klassische Geschäftsmodell der Banken. Es trifft die Deutsche Bank mit ihren Töchtern Noris- und Postbank wie die Commerzbank; es belastet jede Sparkasse und treibt die kleinste wie die größte Volksbank in die Verzweiflung. Die Null-Zins-Politik ist das eigentliche Gift für die Banken. Was bringt es, wenn man alle Banken zusammenlegt? Es ändert sich nichts. Größe rettet die Deutsche Bank nicht – und noch größere Größe ändert auch nichts an den Folgen der Zinspolitik.

Größe hilft nicht

Auswege gibt es kaum. Das Investment-Geschäft der Deutschen Bank war nicht leistungsfähig genug. Mit Handel, komplizierten Finanzprodukten und Unternehmenskäufen hat sie mit den angelsächsischen Banken nicht mithalten können. Ihr Geschäft läuft nicht. Die Deutsche Bank hat 2018 die Kosten um 5 Prozent auf 22,8 Milliarden Euro gesenkt. Gleichzeitig sanken die Erträge um 4 Prozent. Sie magert sich zu Tode. Die Postbank kam 2018 dazu; deren notorisches Problem ist, dass sie viele Zinseinlagen der kleinen Leute hat, aber keinerlei Verwendung für diese Mittel. Die Fusion mit der Deutschen hat ihr nichts gebracht. Größe hilft nicht, wenn das Geschäftsmodell nicht funktioniert.

Opfer der Fusionitis

Das Sündenregister der Commerzbank ist kürzer – aber auch sie ist ein Opfer der Fusionitis. Die Bank ist ja auch kleiner. 15 Prozent ihrer Aktien liegen beim Bund, seither ist sie eine halbstaatliche Bank. Das macht sie allerdings nicht besser. Sie wurde mit der Dresdner Bank fusioniert, die zuvor an die Allianz verkauft worden war. Die Dresdner Bank war einmal eine schöne Prinzessin. Bis sie verheiratet wurde. Dann war es: Aus.

Größe allein bringt nichts. Nationale Champions sind gut für die Politik, aber nicht für den Steuerzahler oder den Konsumenten. Der leidet unter abnehmenden Wettbewerb.

Roland Tichy ist Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung.

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