Mehr Umsatz, weniger Gewinn, aber viele neue Produkte – so lässt sich die Lage bei Deutschlands drittgrößtem Autozulieferer ZF zusammenfassen. Am Donnerstag zog der Konzern Bilanz. Ein Überblick:

Innenleben eines Automatikgetriebes von ZF Friedrichshafen. Bild: AFP
Innenleben eines Automatikgetriebes von ZF Friedrichshafen. Bild: AFP | Bild: Thomas Kienzle
Das könnte Sie auch interessieren
  1. Wie steht ZF Friedrichshafen aktuell da? Beim Automobilzulieferer vom Bodensee läuft es rund. Allein der Münchener Autokonzern BMW wird in den kommenden Jahren Getriebe im Wert "eines zweistelligen Milliardenbetrags" von ZF bestellen, wie ZF mitteilte. Dabei handele es sich um den größten Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte“, sagte ZF-Vorstandschef Wolf-Henning Scheider. Das Acht-Gang-Getriebe ist mit einem E-Motor kombinierbar und passt in viele PKW-Modelle, weswegen es nicht der letzte Großauftrag sein dürfte, den ZF mit dem Produkt einheimsen wird. Außerdem hat ZF vor wenigen Tagen die Übernahme des Bremsenbauers Wabco für rund 6,2 Milliarden Euro bekannt gegeben. Sollte das Geschäft nicht noch auf der Zielgerade scheitern, stellen sich die Friedrichshafener dadurch technologisch insbesondere im wichtigen Nutzfahrzeuggeschäft deutlich breiter auf und machen sich unabhängiger von den aktuell schwächelnden Automärkten weltweit.
  2. Ist die aktuelle Stärke von ZF von Dauer? Das klassische Geschäftsmodell von ZF steht schon in den kommenden Jahren unter Druck. Über Jahrzehnte machte das Unternehmen sein Geld mit Achsen, Lenkungen und Dämpfern, vor allem aber mit Getrieben. Letztere werden in den aufkommenden Elektroautos nicht mehr benötigt. Daher gilt es, umzusteuern. Der Konzern tut das auch. Letzten Herbst kündigte ZF an, in den nächsten Jahren 12 Milliarden Euro in E-Mobilität und autonomes Fahren zu investieren. Gleichzeitig fährt es die Forschungsausgaben stark hoch – von zwei Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 2,5 Milliarden heute. 17 000 Menschen Forschen derzeit im ZF-Konzern. Das hinterlässt Spuren in der Konzernbilanz. Unter dem Strich verdiente ZF 2018 mit 965 Millionen Euro fast 12 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Effekt gehe "hauptsächlich auf höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung zurück", sagte ZF-Chef Scheider. Darunter leidet auch die Rendite. Gemessen am operativen Ergebnis liegt sie bei 5,6 Prozent und damit deutlich niedriger als etwa bei Konkurrenten wie Continental mit 9,2 Prozent.
  3. Wie entwickeln sich die Standorte? Langfristig wird die klassische Getriebeproduktion an Bedeutung verlieren. Der Stiftungskonzern steht daher vor der Aufgabe, die einzelnen Werke mit Zukunftstechnologien auszustatten, um die Arbeitsplätze zu halten. Mit dieser Aufgabe sei man, "bei weitem noch nicht durch", so der ZF-Chef. Aktuell liefen Gespräche mit den Mitarbeitervertretern. Man habe aber einige Jahre Zeit, Lösungen zu finden. Der Stammsitz in Friedrichshafen wächst. Das sei "ein richtig starker Standort mit viel Kompetenz, der aus allen Nähten platzt", sagte Scheider. Weitere Große Werke mit Tausenden Mitarbeitern sind Saarbrücken, Schweinfurt und Passau, wo die Kompetenzen für Hybrid-Antriebe und E-Mobilität gebündelt sind.
  4. Kommt das ZF-Robo-Auto? Nein, denn ZF betont, nicht zum Autobauer zu werden. Allerdings bietet man heute schon alle nötigen Komponenten zur Elektrifizierung von Autos an – insbesondere E-Motoren, Hybridgetriebe und elektronische Sicherheitskomponenten und will den sogenannten Volks-Hybrid maßgeblich mitbauen – ein teilelektrifiziertes Auto, das für alle Einsätze tauglich und gleichzeitig nicht zu teuer ist. Anders sieht der ZF-Weg beim autonomen Fahren aus. "Wir machen das nur für Nutzfahrzeuge, nicht für Pkw", sagte Scheider. Technologisch seien eigenständig fahrende Traktoren, Trucks oder Busse – etwa auf Flughäfen, Werksgeländen oder im Agrarbereich schneller und einfacher zu verwirklichen als Autos. Zudem lohne sich das Geschäft für die Betreiber schneller.
  5. Wie wird 2019? Zum Jahresende 2018 kühlte sich die Automobilkonjunktur ab – insbesondere in China. Das ist eine Entwicklung, die sich nach Worten Scheiders auch im ersten Quartal 2019 fortgesetzt hat. "2019 wird kein einfaches Jahr", sagte er. Der Marktrücklauf von 2018 werde sich noch beschleunigen. Beim Umsatz peilt man 37 bis 38 Milliarden Euro an.