Kaum eröffnet, schon zu klein: Noch während Serbiens Staatspräsident Aleksander Vucic das neue Werk des Autozulieferers ZF Friedrichshafen AG in Pancevo bei Belgrad eröffnet, sind gleich neben dem Neubau Kräne und Rohbauelemente zu sehen: Die Fabrik wird, kaum dass sie so recht den Betrieb aufgenommen hat, bereits erweitert. Denn dort geht es um eine Zukunftstechnologie: ZF fertigt in Pancevo elektrische Antriebe für Hybrid- und Elektrofahrzeuge aller Art.

Werk für 1000 Mitarbeiter

Blitzsaubere Hallen, kompliziert anmutende Maschinen: Als der serbische Präsident Aleksander Vucic durch den neuen ZF-Standort in Serbien läuft, lässt er sich von Michael Hankel, Mitglied des Konzernvorstandes, ausführlich erklären, was denn da so alles montiert wird: zum einen elektronische Getriebeschalter, zum anderen aber Elektromotoren für alle nur denkbaren Fahrzeuge: Busse, Hybrid-PKW, Lastwagen, die per Elektromotor auf dem Speditionshof selbstständig einparken. Rund 160 Millionen Euro wird ZF für den neuen Standort investiert haben, wenn erst einmal auch der Erweiterungsbau fertig ist. Derzeit arbeiten 300 serbische Mitarbeiter in dem neuen Werk, schon bald werden es etwa 1000 sein.

Fachkräfte als Ausschlag

Dass ZF sich für diese Investition ein Land außerhalb der EU ausgesucht hat (Serbien ist nur Betrittskandidat), überrascht zunächst – zumal der Autozulieferer vom Bodensee bereits im Nachbarland Rumänien (EU-Mitglied seit 2007) unter anderem Lenkräder und Airbags herstellt. Dass die Entscheidung dennoch für Serbien gefallen ist, hat einen simplen Grund: „Die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften“, so ZF-Vorstand Hankel. „Es gibt andere Länder, wo bereits ein Run auf die Arbeitskräfte stattgefunden hat und wo wir nicht so viele frei verfügbare potenzielle Arbeitskräfte finden würden.“ Tatsächlich leidet die Region um Belgrad unter einer Arbeitslosigkeit von 18 Prozent. Zudem gilt gerade der 80 000-Einwohner-Vorort Pancevo als alte Industriehochburg. Aus dieser Tradition heraus verfügten viele der Menschen in der Region auch über eine gute berufliche Tradition. Im benachbarten Westen Rumäniens, seit Jahrzehnten Ziel für deutsche Investoren, herrscht dagegen Vollbeschäftigung und ein großer Mangel an Fachkräften.

Das könnte Sie auch interessieren

An dem neuen Standort will sich ZF den Herausforderungen der E-Mobilität stellen. So werden in Pancevo Elektromotoren für Hybridfahrzeuge „größerer Premiummarken in Europa“ (Hankel) gebaut. Daneben werde man auch rein elektrische Antriebe produzieren.

Skepsis bei Betriebsratschef

Einer sieht das neue Werk zumindest skeptisch: Achim Dietrich, Betriebsratschef im ZF-Konzern. Zwar betont er, dass er die Investition in Pancevo, „die für die Menschen dort eine nachhaltige Perspektive bedeuten“, ausdrücklich unterstütze. Allerdings: „Wenn es nur darum geht, mit Niedriglöhnen innerhalb des Konzerns eine Standortkonkurrenz aufzubauen, wird das von uns scharf kritisiert.“