Borgward – der Name ist in Deutschland Legende. Vor allem die Isabella-Modelle des 1961 in Konkurs gegangenen Bremer Traditions-Auto- und Motorenbauers mit dem Rhombus als Markenzeichen sind Kult und waren in den Gründerjahren der Republik der Traum vieler Bundesbürger. Die unter dem Dach des chinesischen Autobauers Foton seit 2015 mit den zwei Geländewagenmodellen BX 5 und BX 7 zunächst auf dem chinesischen Automarkt wiederbelebte Marke soll nun ungeachtet von Berichten über Absatzschwierigkeiten in China und Investorensuche für Borgward auch auf dem deutschen Markt wieder Fuß fassen.

Der Geländewagen Borgward BX 7 ist eines der zwei aktuellen Modelle.
Der Geländewagen Borgward BX 7 ist eines der zwei aktuellen Modelle.

Der Marktstart stehe unmittelbar bevor, bestätigt der Pressesprecher der in Stuttgart angesiedelten Borgward AG. Einladungen für Testfahrten mit dem Modell BX 7 TS, mit dem Borgward in Deutschland an den Start gehen will, sind auf den 25. Juni datiert. „Danach werden alle Fragen beantwortet sein“, heißt es nebulös. Der Vertrieb soll dabei über die Neuwagen-Plattform von Sixt erfolgen, der Service von der ATU-Kette wahrgenommen werden. „Dazu sind wir in den finalen Gesprächen“, so Kommunikationschef Marco Dalan, ohne sich konkret zu Details zu äußern. Ungeachtet der Fragezeichen – so gibt es etwa die bereits für 2017 als „Brand Experience Center“ ankündigte Stuttgarter Repräsentanz nach wie vor nicht, auch die Verhandlungen über einen geplanten Produktionsstandort in Bremen stocken – liege Borgward mit den Planungen für den deutschen Marktstart „voll im Plan“, so der Sprecher. „Alles hat sich sehr gut entwickelt.“

Kult-Auto: ein Borgward Isabella Coupé von 1959 in einer Werkstatt.
Kult-Auto: ein Borgward Isabella Coupé von 1959 in einer Werkstatt.

Eingebrochene Absatzzahlen säen Zweifel

Zuletzt war allerdings in Branchenkreisen über Zweifel an der Zukunftsfähigkeit und nachhaltigem Interesse des Eigners Foton am Erhalt der Marke spekuliert worden, genährt durch eingebrochene Absatzzahlen auf dem chinesischen Markt im vergangenen Jahr und Meldungen, wonach Foton nach neuen Investoren für die Marke Borgward suche. Hatte Borgward nach Zahlen des Online-Portals carsalesbase zum Marktstart in China im Juli 2016 noch über 4000 Fahrzeuge der beiden Modelle verkauft, waren es im Juli 2017 noch 3200 – und im April 2018 nur noch 1900. 

Insgesamt soll Borgward von den Modellen, die in der Nähe von Peking gefertigt werden, bislang rund 100 000 Fahrzeuge verkauft haben. „Das sind realistische Zahlen“, bestätigt der Borgward-Sprecher. Der Einbruch sei auch der ursprünglichen Positionierung auf dem chinesischen Markt zuzuschreiben gewesen. Mittlerweile sei Borgward in China allerdings nach erfolgtem Austausch des Managements, einer neuen „Guide Line“ für die Marke und einem „Brand Day“ Anfang Mai neu aufgestellt. „Wir sind frohen Mutes, dass die Zahlen in China ab Juli wieder nach oben gehen“, heißt es in der Stuttgart Zentrale.

Personell für die Zukunft aufgestellt

Dort verweist man für Auskünfte auf die Frage nach dem Ergebnis der Investorensuche für Borgward auf den chinesischen Eigner Foton. Kommunikationschef Dalan bestätigt allenfalls, dass bereits 2015 nach zusätzlichen Investoren für Borgward gesucht worden sei – „allerdings nach Investoren, die der Marke strategisch weiterhelfen und keine Exit-Strategie verfolgen“. Zumindest für den deutschen – und später auch europäischen Markt – hat man sich personell bei Borgward für die Zukunft aufgestellt.

Seit Juni ist mit Philip Koehn als neuem Technik-Vorstand der bisherige Rolls-Royce-Entwicklungschef an Bord, der bis 2013 bei BMW unter anderem die Elektrifizierung und Weiterentwicklung der Fahrzeugflotte verantwortete und ein ausgewiesener Fachmann für den europäischen Automarkt ist. Koehn soll vor allem auch das Elektromodell BX 7 i voranbringen, mit dem Borgward noch in diesem Jahr auf den chinesischen Markt gehen will und das von 2019 an auch in Deutschland vertrieben werden soll.