Ums Fleisch ist Streit entbrannt. Die Politik diskutiert einen Steueraufschlag auf Würste und Schnitzel. Die zusätzlichen Steuereinnahmen sollen in bessere Haltungsbedingungen für Tiere fließen. Nebenbei soll die Fleischproduktion gedrosselt werden. Diese gilt als CO2-intensiv und daher als klimaschädlich.

25 Prozent des CO2-Ausstoßes wegen Essen, trinken und Tierproduktion

Entsprechende Ideen werden in der Forschung seit Jahren diskutiert. Der wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministerium (Bmel) forderte eine entsprechende Steuerreform bereits 2016. Im Hintergrund steht der große Einfluss, den Essen auf die nationale CO2-Bilanz hat. In Deutschland gehen nach Schätzungen rund ein Viertel aller Treibhausgasemissionen auf die Ernährung zurück. Der Löwenanteil davon entsteht wegen unseres Hungers auf tierische Produkte, also etwa auf Fleisch, Milch, Käse, Butter und Eier. Butter weist dabei eine noch höhere CO2-Bilanz auf als Fleisch, sogar als das extrem Treibhausgas-intensiv geltende Rindfleisch.

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„Nur Fleisch zu verteuern, greift zu kurz“, sagt daher Achim Spiller, Agrarökonom an der Uni Göttingen. Um das Klima zu schonen, müssten „alle tierischen Produkte teurer werden“. Dahinter steckt die Annahme, dass ein höherer Preis die Lebensmittel für den Verbraucher unattraktiver macht und somit der Konsum sinkt. Spiller, der als einer der führenden Agrarökonomen der Republik gilt, hat den Effekt berechnet. Demnach würde die jetzt diskutierte Mehrwertsteuererhöhung für Fleisch von sieben auf 19 Prozent, dazu führen, dass die Fleischnachfrage der Inländer um knapp fünf Prozent sinkt.

Ein markiertes Schwein in einem Schweinestall. Die Haltungsbedingungen stehen seit langem in der Kritik.
Ein markiertes Schwein in einem Schweinestall. Die Haltungsbedingungen stehen seit langem in der Kritik. | Bild: dpa

Eine entscheidende Frage bei der Debatte ist, ob der Steueraufschlag überhaupt beim Endkunden an der Supermarkttheke ankommen würde. Immerhin ist der Lebensmitteleinzelhandel extrem wettbewerbsintensiv. Preiserhöhungen sind schwer durchsetzbar. Spiller glaubt allerdings, dass am Ende der Kunde die Zeche zahlen müsste. Wahrscheinlich sei, dass die Steuererhöhung „mittelfristig auf die Endverbraucher übergewälzt“ würde sagt er.

Müssen die Hartz-IV-Sätze hoch?

Daraus ergibt sich die Frage nach der sozialen Gerchtigkeit des Fleisch-Vorschlags, denn die Erhöhung von Konsumsteuern trifft grundsätzlich ärmere Schichten viel stärker als reiche – schlicht weil sie einen größeren Teil ihres frei verfügbaren Einkommens für Lebensmittel aufbringen müssen. Spiller empfiehlt daher eine Klimasteuer auf Fleisch „sozial zu flankieren“. Der wissenschaftliche Beirat des Bmel bringt insofern eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze oder die Einführung kostenloser Kita- und Schulverpflegung ins Spiel. Positiver Nebeneffekt: Kinder und Jugendliche könnten sich so leichter an nachhaltige Kost gewöhnen und als Erwachsene freiwillig seltener das Steak auf den Grill werfen.