Von „Hitzefrei“ wie in der Schule träumt bei den hochsommerlichen Temperaturen derzeit so mancher im Büro – doch ein Recht darauf gibt es für den Arbeitnehmer nicht. Wohl aber eine Reihe von Empfehlungen, die der Chef oder die Chefin anwenden sollten, um das Arbeiten bei großer Hitze einigermaßen erträglich zu machen. Fragen und Antworten:

  1. Wie wird die Temperatur gemessen? Die Lufttemperatur soll wenn nötig einmal pro Stunde gemessen werden – für sitzende Tätigkeiten in einer Höhe von 0,60 Meter, für stehende Tätigkeiten in Höhe von 1,10 Meter über dem Fußboden.
  2. Welche Temperaturen dürfen in einem Büro und bei Draußen-Jobs maximal herrschen? Ab 26 Grad Celsius und mehr sollte der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen. Ab 30 Grad muss er das laut der Technischen Regeln für Arbeitsstätten sogar. Ab 35 Grad tritt eine weitere Verschärfung ein. Dann ist ein Raum nicht mehr als Arbeitsraum geeignet, wenn weder eine besondere Schutzausrüstung noch sonstige technische Hilfen wie Luftduschen oder Wasserschleier vorhanden sind. Bis die Temperatur gesenkt werden kann, sollte die Arbeit unterbrochen werden. Bei Draußen-Jobs – etwa auf dem Bau – gilt, dass der Bauherr zunächst eine Gefährdungsbeurteilung durchführen muss, um einzuschätzen, wie er seine Mitarbeiter am besten vor hohen Temperaturen schützen kann. Eine Folge können dann etwa längere Pausen oder Gratis-Getränke sein.
  3. Gibt es ein Recht auf Hitzefrei wie in der Schule? „Nein“, sagt Friedhelm Keller, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Waldshut-Tiengen. Selbst bei einer Lufttemperatur im Büro über 35 Grad Celsius dürfen Arbeitnehmer nicht nach Hause gehen. Der Chef müsse zunächst die Möglichkeit bekommen, zu reagieren, etwa indem er einen kühleren Raum zur Verfügung stellt.
  4. Gibt es Maßnahmen, die der Arbeitgeber ergreifen muss? In den Technischen Regeln für Arbeitsstätten gibt es lediglich eine Liste mit Maßnahmen, die Arbeitgeber ergreifen können, aber nicht müssen. „Präzise Vorschriften für alle Unternehmen gibt es nicht“, erklärt Keller. Möglich sind beispielsweise der Einsatz von Jalousien, das Verteilen von Wasser an die Mitarbeiter, eine Lockerung der Kleiderordnung oder flexible Arbeitszeiten. Allerdings können diese Maßnahmen nicht in allen Branchen umgesetzt werden. „In einer Bank werden wohl die Kleidervorschriften nicht so stark gelockert werden wie vielleicht in anderen Unternehmen“, erklärt Keller. Ferner sollten „geeignete Getränke“ wie Trinkwasser bereitgestellt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Getränke nicht zu kalt sind, sonst muss der Körper die Flüssigkeit auf seine eigene Temperatur erwärmen, was Kraft kostet. Um Erkältungen oder einen steifen Nacken zu vermeiden, rät der TÜV-Verband dazu, Klimaanlagen nicht kälter als sechs Grad unter der Außentemperatur einzustellen.
  5. Dürfen sich die Mitarbeiter selbst helfen? Wer trotz großer Hitze arbeitet und sich selbst um eine angenehmere Lufttemperatur im Büro kümmert, kann eigentlich nichts verkehrt machen, könnte man meinen. Das stimmt nicht. Bei Geräten wie Ventilatoren muss man vorher die Erlaubnis des Arbeitgebers einholen. Schließlich zahlt die Firma den Strom. Nutzt der Arbeitnehmer trotz Verbots einen Ventilator im Büro, kann das durchaus arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.
  6. Was tun bei gesundheitlichen Problemen? Hat der Arbeitnehmer eine physische Grenze erreicht, ab der er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterarbeiten kann, muss er ebenfalls seinen Vorgesetzten informieren. Wird keine Lösung gefunden, gilt: zum Arzt gehen und sich mit einem Attest beim Chef arbeitsunfähig melden.
  7. Was gilt für Risikogruppen wie Schwangere oder chronisch Kranke? Diese Personengruppen genießen einen besonderen Schutz. Ab Temperaturen von mehr als 26 Grad Celsius besteht für sie eine Gesundheitsgefahr, heißt es in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten. Sie haben deshalb das Recht, vom Arbeitgeber die Einhaltung gewisser Raumtemperaturen einzufordern. Gelingt das nicht, dürfen sie den Chef um Freistellung bitten.
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