Im Streit um Arbeitszeiten bei Südbadens größtem Autozulieferer Marquardt aus Rietheim-Weilheim suchen Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall nach Lösungen. "Es gab erste Gespräche zwischen den Parteien", sagte ein Firmensprecher dem SÜDKURIER. Diese hätten am Donnerstagabend stattgefunden. Von Seiten des Betriebsrats hieß es, die Zusammenkunft sei "vernünftig und konstruktiv" verlaufen. Zudem sei ein Nachfolgetermin vereinbart worden. Das Thema sei "nicht vom Tisch".

Es geht um acht Tage zusätzliche Freizeit

Bei dem Streit geht es um den tariflichen Anspruch – insbesondere von Schichtarbeitern und Werkern mit Kleinkindern – auf acht freie Zusatztage. Seit Januar haben Beschäftigte in Metall- und Elektrofirmen, die unter die Regelungen des Tarifvertrags fallen, die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit um bis zu acht Tage pro Jahr zu verkürzen, wenn sie im Gegenzug auf ein tarifliches Zusatzentgelt von 27,5 Prozent eines Brutto-Monatsgehalts verzichten. Dieses wird generell zusätzlich zur 2018 ausgehandelten Tariferhöhung ausbezahlt.

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Marquardt hatte es seinen Mitarbeitern verweigert, die Freitage in Anspruch zu nehmen und dabei auf eine Art Öffnungsklausel im Tarifvertrag verwiesen. Als Begründung führte das Unternehmen eine sehr hohe Auslastung an.

Der Konzernbetriebsrat moniert nun, nie ernsthaft in Verhandlungen zu dem Thema eingebunden gewesen zu sein. Das ist aber laut Tarifvertrag vorgeschrieben. Vergangene Woche eskalierte der Konflikt. In einem SÜDKURIER-Artikel, sagte der Marquardt-Konzernbetriebsrats-Chef Antonino Piovano, falls das Thema nicht neu aufgeschnürt werde "raucht es im Karton".

Arbeiter haben Mitbestimmung

Der Betriebsrat hat in Arbeitszeitfragen grundsätzlich ein Mitspracherecht. Wenn Sonderschichten oder Wochenendarbeit nötig ist, muss das Gremium grünes Licht geben.

Der Elektronik-Spezialist Marquardt beschäftigt am Stammsitz in Rietheim-Weilheim und zwei kleineren Standorten in der Umgebung 2600 Mitarbeiter. Weltweit sind es 10 000. Diese sind von der aktuellen Tarifregel aber nicht betroffen.