Klaus Bergmann.
Klaus Bergmann. | Bild: Esyoil

Herr Bergmann, wie haben ihre Kunden auf die Angriffe auf die Öl-Raffinerie in Saudi-Arabien reagiert?

Am Sonntag war auf unserer Plattform die Hölle los, die Kunden haben extrem viel bestellt. Insbesondere in Bayern und im Südwesten Baden-Württembergs kommt es dadurch bereits zu ersten Lieferengpässen.

Warum gerade in diesen Regionen?

Hier heizen deutschlandweit die meisten Haushalte mit Heizöl und die Tanks sind überdurchschnittlich groß. Wenn es dann kurzfristig zu so einem enormen Nachfrage-Anstieg wie am Sonntag kommt, geraten die Lager schnell an ihre Grenzen. Dadurch steigen die Preise in diesen Regionen noch stärker an, als das durch die Anschläge ohnehin schon der Fall ist. Hinzu kommt, dass wir im ersten Halbjahr bereits eine hohe Nachfrage nach Öl hatten. Viele Händler haben ihre Bestände deshalb bereits heruntergefahren – und jetzt ziehen die Bestellungen doch nochmals wider Erwarten an.

Was heißt das für die Verbraucher, die noch Heizöl für den Winter brauchen?

Wer nicht direkt am Sonntag bestellt hat, sollte jetzt erst einmal ein paar Tage abwarten. Ich gehe davon aus, dass sich die Lage rasch wieder normalisieren wird. Sollten die Preise doch weiter ansteigen, wird das langsam passieren. Dann kann man immer noch kaufen.

Sind die Hamsterkäufe der Verbraucher und die massiven Preisanstiege gerechtfertigt? Drohen denn Engpässe bei der Fördermenge?

Aus Saudi-Arabien kommt kaum Öl nach Deutschland. Allerdings ist der Ölmarkt stark globalisiert. Sobald irgendwo auf der Welt irgendetwas passiert, geht das gleich alle an. Und wenn irgendwo eine Liefermenge weg fällt, wie jetzt durch die Angriffe in Saudi-Arabien, dann schlägt sich das sofort auf die Preise nieder. Da diese an der Börse ausgehandelt werden, geht es nicht zwangsläufig um eine tatsächliche Verknappung, sondern eher darum, wie auf solche Unruhen grundsätzlich reagiert wird. Die Stimmung macht die Preise, nicht das tatsächliche Angebot.

Das heißt, ein Ölmangel ist nicht zu befürchten?

Nein, im Gegenteil. Der Markt ist derzeit so gut versorgt, dass Saudi-Arabien oder auch Russland schon längere Zeit Öl zurückhalten, um einen Preisverfall zu verhindern. Lange ist man davon ausgegangen, dass Öl knapp werden könnte. Aber inzwischen fördern Länder wie die USA, Kanada oder Norwegen wieder deutlich mehr. Das Öl wird uns also nicht ausgehen.

Sie sagen, die Preise werden vor allem von der Stimmung gemacht und nicht vom tatsächlichen Angebot. Ist dann nicht zu befürchten, dass sie noch eine Weile künstlich hochgehalten werden, obwohl sich die Situation wieder entspannt?

Das ist inzwischen eine echte Gratwanderung. Natürlich möchte jeder Kaufmann so viel Geld wie möglich verdienen. Gleichzeitig steht Öl in der Kritik. Man darf den Bogen deshalb nicht überspannen. Andernfalls wird man sich noch schneller vom Rohstoff Öl verabschieden als das ohnehin der Fall sein wird. Saudi-Arabien hat ja nicht umsonst direkt Entwarnung gegeben. Die Volkswirtschaft dort ist extrem abhängig vom Öl.

Fragen: Sandra Markert