Im Streit um Abgasmanipulationen bei knapp 100 000 Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns in den USA kommen mehrere deutsche Zulieferunternehmen zunächst offenbar glimpflich davon. Aus einem Ende vergangener Woche zwischen Volkswagen, der Umweltbehörde EPA und US-Klägern erzielten Vergleich entstünden ZF Friedrichshafen „keine finanziellen Belastungen“, sagte ein ZF-Sprecher unserer Zeitung.

Auch Bosch und Conti beteiligt

Sobald der Vergleich gerichtlich genehmigt sei, sei ZF zudem „von Ansprüchen aus der Klage freigestellt“. Auch vom Stuttgarter Bosch-Konzern hieß es, man leiste „keine Zahlungen im Zusammenhang mit dem Vergleich“. Continental war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch VW wollte sich gegenüber dem SÜDKURIER zu Details nicht äußern.

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Kürzlich war bekannt geworden, dass sich Volkswagen nach zwei Jahre dauernden gerichtlichen Auseinandersetzungen mit klagenden US-Autobesitzern auf die Zahlung von rund 96,5 Millionen US-Dollar (88 Millionen Euro) Entschädigung geeinigt hatte.

Wurde mit ZF-Getrieben getrickst?

Nach Recherchen des „SÜDKURIER“ war im Juni diesen Jahres bekannt geworden, dass große deutsche Zulieferunternehmen mit in den Fall verwickelt sind. Zusammen mit Volkswagen sollen sie nach Darstellung der Kläger eine Art „Betrugskartell“ gebildet haben. Bei dem Fall ging es um bewußt zu niedrig angesetzte Verbrauchsangaben bei Benzinmotoren, die nach Darstellung der Kläger etwa über Getriebesteuerungen von ZF erreicht worden seien.

Muss ZF trotzdem zahlen?

Nicht unwahrscheinlich ist, dass die Zulieferfirmen doch noch zur Kasse gebeten werden. Der jüngst abgeschlossene Vergleich bedeute jedenfalls nicht, „dass kein schuldhaftes Verhalten der Zulieferer in dem Fall vorliegt“, sagt Alexander Bruns, Uni-Professor in Freiburg und Fachmann für internationales Zivil- und Wirtschaftsrecht. Demnach ist es durchaus möglich, dass VW den Millionen-Vergleich schultert und die alleinige Haftung übernimmt, sich Teile der Kosten durch die Hintertür von seinen Zulieferern aber wiederholt. Aktienrechtlich wäre Volkswagen unter bestimmten Voraussetzungen sogar verpflichtet, Schadensersatzansprüche geltend zu machen, sagt Bruns. Ein möglicher Deal zwischen den Firmen würde beispielsweise vor Schiedsgerichten oder durch direkte Gespräche verhandelt – ohne Beteiligung der Öffentlichkeit.