Der Weg zu den neuen Lkw-Grenzwerten steckte voller Überraschungen. Kurz bevor die EU-Kommission im Mai 2018 ihren Vorschlag präsentierte, waren über 30 führende europäische Logistik-Unternehmen in Brüssel vorstellig geworden. Sie forderten endlich klare Vorgaben, die auch ehrgeizig sein sollten. Man wolle planen, außerdem würden die Hersteller mit emissionsarmen Antrieben der Nachfrage hinterherhinken. Schon damals verwiesen viele Betriebe auf ein gut funktionierendes Beispiel in der Nachbarschaft der EU: In der Schweiz fahren selbst schwere Brummer elektrisch. Und werden dafür belohnt: keine Kfz-Steuer und kein Nachtfahrverbot.

Andere sind also längst weiter als Europa und übrigens auch als Deutschland, das sich in den Verhandlungen einmal mehr als Blockierer für ambitionierte Abgas-Grenzwerte entpuppt hat. Das ist unverständlich. Schließlich gehörte es doch einst zum Repertoire der Kanzlerin, den Klimaschutz als Motor für die Wirtschaft zu preisen, der nicht nur die Umsätze ankurbelt, sondern auch für Innovationen sorgt. Von denen, so scheint es, profitieren bisher aber vorrangig nur andere.