1. Biobauern dürfen nicht spritzen: Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die Ökolandwirtschaft ohne Spritzmittel auskommen muss. Tatsächlich benutzen Ökobauern eine ganze Reihe von Wirkstoffen, um ihre Pflanzen oder Tiere gesund zu halten. Dazu gehört auch das als Schwermetall geltende Kupfer. Der Stoff ist eines der ältesten und nach wie vor wirksamsten Mittel gegen Pilzkrankheiten. Insbesondere für Winzer sind Kup-ferpräparate immer dann unumgänglich, wenn Pilze wie Peronospera – im Volksmund auch falscher Mehltau – in feuchten Jahren die Reben befallen. Ganze Weinberge können dann bedroht sein, und Kupfer, das meist mit Kalk als Trägersubstanz auf die Reben aufgebracht wird, hilft. Der Kalk bleibt auf dem Blatt zurück und zeigt sich gut sichtbar als weißliche Ablagerung auf der Pflanze. Aber Kupfer ist nicht das einzige Präparat im Werkzeugkasten der Bio-Landwirte. Auch das seit 2013 verbotene Salz Kaliumphosphonat gehörte lange Zeit zur Standardausstattung der Erzeuger. Der Pflanzenschutzbericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) weist für das Jahr 2017 eine Menge von knapp 21 000 Tonnen Pflanzenschutzmittel aus, die im ökologischen Landbau in Deutschland verkauft wurden. Zum Vergleich: Alle deutschen Bauern verspritzten rund 115 000 Tonnen Pflanzenschutzmittel.
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  3. Biobauern dürfen nicht düngen: Öko-Landwirte müssen auf eine ganze Reihe hochwirksamer Dünger verzichten, tabu sind die Boden-Aufpepper deswegen für die Erzeuger nicht. Laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (Bölw) sind „bestimmte mineralische Dünger“ erlaubt. Dazu gehören Phosphorsubstanzen, die den Bauern helfen, wichtigen Stickstoff im Boden zu binden. Weitere im Ökolandbau zugelassene mineralische Düngemittel sind laut Bölw Gesteinsmehle, Kalke, Kaliumsulfat, verschiedene natürlich vorkommende Mineralien, Schwefel und Spurenelementdünger. Was Häufigkeit und Menge des Düngereinsatzes angeht, gibt es im Bio-Landbau aber feste Regeln.
  4. Eine Limousin-Kuh blickt auf einem Bio-Hof ins Objektiv der Kamera.
    Eine Limousin-Kuh blickt auf einem Bio-Hof ins Objektiv der Kamera. | Bild: dpa
  5. Bio-Landwirtschaft ist immer gut fürs Klima: Würde die gesamte deutsche Landwirtschaft komplett auf Bio-Anbau umschalten, wäre das tatsächlich gut für Deutschlands Klimabilanz – aber es wäre schlecht für die Klimabilanz der Welt. Warum das? Bio-Landbau erzielt deutlich geringere Erträge als konventionelle Landwirtschaft. Bei einem Komplettumstieg auf Bio würde die heimische Nahrungsmittelproduktion also stark sinken. Als Folge müssten mehr Lebensmittel importiert werden. Der Transport der Waren würde die Klimabilanz weltweit ins Minus drücken. Dazu kommt: Um die in Deutschland fehlenden Ernten zu ersetzen, müsste anderswo Land urbar gemacht werden – etwa Regenwald in Brasilien. Diese sogenannten Landnutzungsänderungen würden große Mengen CO2 freisetzen. Allgemein geht die Wissenschaft davon aus, dass ein globaler Bioanteil an der Nahrungsproduktion von bis zu 60 Prozent erstrebenswert wäre, mehr aber nicht – auch, um die Ernährung der Weltbevölkerung nicht zu gefährden. Bis dahin ist noch viel Luft. Aktuell liegt der Bio-Produktionsanteil in Baden-Württemberg bei rund 14 Prozent, in Bayern bei etwa 10 Prozent.
  6. Junk-Food Currywurst. Wie schmeckt Ökoessen?
    Junk-Food Currywurst. Wie schmeckt Ökoessen? | Bild: dpa
  7. Die Verbraucher kaufen zu wenig Bio-Fleisch: Oft würden die Menschen gerne mehr Bioprodukte essen, sie werden aber gar nicht angeboten. Beispiel Bio-Schweine. Das Angebot hier hinkt hinter der Nachfrage zurück, insbesondere, weil Bio-Viehwirte rar sind. Für die Discounter wiederum gilt Schweinefleisch als Billigprodukt, entsprechend hochpreisige Sorten nehmen die Supermärkte daher oft gar nicht ins Sortiment.
  8. Spritzmitteleinsatz auf einem konventionell bewirtschafteten Feld.
    Spritzmitteleinsatz auf einem konventionell bewirtschafteten Feld. | Bild: dpa
  9. Bio schmeckt besser: Vielen Verbrauchern schmecken Bio-Waren nicht besser als gewöhnlich hergestellte Produkte. Bei verarbeiteten Lebensmitteln hat das damit zu tun, dass unser Geschmack auf Normalkost konditioniert ist. Bio-Essen kommt mit deutlich weniger Geschmacks- oder Zusatzstoffen aus und schmeckt daher weniger vertraut. Auch die Farbe spielt da hinein. Denn wer würde auf den ersten Blick eine selbst gemachte gräuliche Bio-Salami einer satt-roten Normalwurst vorziehen?