Es ist so absurd, wie es klingt: Onlineportale wie Check24 und Smava unterbieten sich derzeit gegenseitig mit 1000-Euro-Krediten, deren Zinssatz negativ ist. Das heißt: Der Kreditnehmer muss weniger Geld zurückzahlen, als er sich leiht. Stehen wir vor einer Zeitenwende im Kreditgeschäft? Wohl kaum. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt vor der scheinbar so verlockenden Offerte.

"Das ist ein Lockvogel-Angebot"

„Das ist ein reiner Marketing-Gag, ein Lockvogel-Angebot“, sagt Nauhauser. Mit dem Angebot wolle man mögliche Kunden anziehen – wobei der Kredit ohnehin nur an Interessenten mit sehr guter Bonität vergeben wird. Den Kredit gibt es immer auch nur bei exakt einer Konstellation. Bei Smava ist das ein 1000-Euro-Kredit auf drei Jahre, für den nur 923 Euro fällig werden. Bei Check24 läuft der Kredit über dieselbe Summe ein Jahr, 972 Euro zahlt man zurück. Dabei greift die Online-Seite auf einen normalen Bankenkredit mit Pluszinsen zurück, beteiligt sich aber mit einer Sondertilgung am Kredit und sorgt beim Kunden so für den scheinbaren Gewinneffekt.

Finanzcheck.de trieb den Wahnsinn am Mittwoch bewusst auf die Spitze: Das Portal bot den 100 schnellsten Kunden ab 13 Uhr einen 1000-Euro-Kredit mit einem Negativzinssatz von 100 Prozent an. Im Klartext: Man muss gar nichts zurückzahlen, das Unternehmen verschenkte schlichtweg Geld. „Wir wollten dem gegenseitigen Unterbieten einen Riegel vorschieben. Wir hätten abwarten können, wie die Konkurrenz sich Schritt für Schritt auf minus 100 Prozent zubewegt. Wir können das aber auch abkürzen und heute schon anbieten“, erklärte Finanzcheck-Gründer Moritz Thiele gegenüber dem Handelsblatt seine 100 000 Euro teure Werbeaktion. Auf der Finanzcheck-Seite war im Laufe des Mittwochs noch ein Minus-5-Prozent-Kredit zu finden, mittlerweile wirbt das Unternehmen nur noch mit einem Nullzins-Angebot.

Bei den weiterhin verfügbaren Minuszins-Krediten gibt es ein großes Problem. „Der Kunde muss in Vorleistung gehen und seine Daten angeben, damit er überhaupt sieht, ob er die Minuszinsen erhält“, sagt Nauhauser. Und diese oft sehr umfangreichen Daten erhalte dann eben nicht nur der Anbieter, sondern auch viele andere Unternehmen, die zu einem gemeinsamen Adressspeicher zusammengeschlossen seien. „Da kann es dann gut sein, dass man bald Werbung von einer Versicherung bekommt, weil diese Zugriff auf die Daten hat“, erklärt der Experte. Schon bei einer Minuszins-Aktion von Smava im vergangenen Sommer seien viele Beschwerden eingegangen, bei denen Interessenten die Minuszinsen nach der Eingabe ihrer Daten überhaupt nicht erhielten.

Nauhauser warnt zudem vor einem weiteren Aspekt. „Jede Kreditanfrage führt zu einem Schufa-Eintrag“, sagt er. Wer seine Eignung für den Online-Kredit prüfen lasse, könne damit unter Umständen seine Bonitätsbewertung negativ beeinflussen. „Wenn man dann einige Tage später bei der Hausbank einen Immobilienkredit aufnehmen möchte, könnte sich der Zinssatz durch die Online-Anfrage verschlechtert haben.“
 

Banken beliefern Portale

Die Internetseiten Smava, Check24 und Finanzcheck vergleichen zwar Kredite und bewerben diese auch aktiv. Das entsprechende Geld kommt aber nach wie vor von Banken. Bei Finanzcheck und Smava steht hinter den günstigen Krediten jeweils die Fidor Bank, eine kleine, 2009 gegründete Direktbank mit Sitz in München und einer Bilanzsumme von 540 Millionen Euro. Hinter dem Check24-Minuszins-Angebot steht die SWK Bank, die ebenfalls eine Direktbank ist. Ihre Bilanzsumme beträgt 910 Millionen Euro. Zum Vergleich: Allein die Sparkasse Hegau-Bodensee ist mit 3 Milliarden Euro Bilanzsumme deutlich größer. (dod)

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