Über 70 Prozent aller Bürger in Deutschland haben noch kein Testament gemacht. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Unsere Fragen und Antworten helfen Ihnen dabei herauszufinden, wann es sinnvoll ist ein Testament zu verfassen und wie Sie vorgehen können. 

Haben Sie Vermögen?

Falls nein, können Sie sich den Aufwand sparen. „Wer nichts zu vererben hat, braucht auch kein Testament machen“, sagt die Konstanzer Fachanwältin für Erb- und Steuerrecht Monika Pilz-Hönig.


Haben Sie eine Immobilie?

Falls ja, dann ist ein Testament sinnvoll. Denn gerade beim Vererben einer Immobilie komme es oft zum Streit zwischen Familienmitgliedern, berichtet Pilz-Hönig. Ein klares Testament helfe da, streitige Auseinandersetzungen zu vermeiden. „Die Vererbung einer Immobilie sollte man testamentarisch regeln und genau zuordnen, um die unkontrollierte Entstehung einer Erbengemeinschaft möglichst zu vermeiden“, empfiehlt sie.


Sind Sie verheiratet und haben Kinder?

Wenn Sie in einer klassischen Familie leben, kann ein Testament sinnvoll sein. Unter Umständen ist der Handlungsdruck aber nicht so hoch. Denn liegt kein Testament vor, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Der überlebende Ehegatte erbt im Güterstand der Zugewinngemeinschaft die Hälfte der Erbschaft. Die andere Hälfte wird zu gleichen Teilen auf die Kinder aufgeteilt. Diese Regelung entspricht in einer klassischen Familie oft den Wünschen der Familienmitglieder.

 

SÜDKURIER-Serie "Erben und Vererben": Wann ist ein Testament sinnvoll? Was ist ein Erbvertrag? Wie verhindert man Streit unter Hinterbliebenen? Hier finden Sie die Antworten auf einen Blick. 

 

Wollen Sie von der gesetzlichen Erbfolge abweichen?

Wenn Sie statt Ihrer Blutsverwandtschaft Ihr Vermögen Ihrem Ehepartner, einem Stiefsohn, einem Nachbarn oder einer Stiftung vererben wollen, sollten Sie ein Testament verfassen.


Sind Sie geschieden?

Geschiedene Ehepartner können in der gesetzlichen Erbfolge einander nicht beerben. Das gilt auch dann, wenn die Scheidung noch gar nicht ausgesprochen, der Erblasser aber schon den Scheidungsantrag gestellt oder dem Scheidungsantrag des überlebenden Partners zugestimmt hatte.


Leben Sie unverheiratet mit Ihrem Partner zusammen oder haben Sie eine Patchwork-Familie?

Bei unverheirateten Paaren oder so genannten Patchwork-Familien, in denen ein Partner Kinder aus einer früheren Beziehung mit in die Ehe bringt, entspricht die gesetzliche Erbfolge oft nicht den Wünschen der Beteiligten. „Die gesetzliche Erbfolge widerspricht dann häufig der heutigen Lebensrealität“, sagt Pilz-Hönig. Bei modernen Lebensformen wie Patchwork-Familien und Paaren, die ohne Trauschein zusammen leben, bestehe ein hoher Gestaltungsbedarf. „Die gesetzliche Erbfolge ist geprägt vom Grundsatz des Verwandten- und des Ehegattenerbrechts“, erklärt sie. 


Was passiert in einem solchen Fall genau?

Nach dem Tod eines Partners, mit dem man nicht verheiratet war, gibt es ohne Testament kein Erbe. Nicht einmal Anspruch auf ein Erinnerungsstück haben die Partner. Im schlimmsten Fall muss der Überlebende eines Paares ohne Trauschein innerhalb von 30 Tagen aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen, wenn sie dem Erblasser gehört hat. Bringt in einer Patchwork-Familie einer der Partner leibliche Kinder mit in die Ehe, werden diese zu Stiefkindern. Im Erbfall bekommen sie nichts von dem Erbe. Die leiblichen Kinder können demgegenüber den Pflichtteil des Nachlasses beanspruchen.


Wollen Sie Ihrem Ehepartner Ihr gesamtes Vermögen vererben?

Falls ja, bietet sich das so genannte Berliner Testament an. Beim Berliner Testament erbt der länger lebende Ehegatte oder Partner zunächst alles. Erst nach dessen Tod erben die Kinder. Der Vorteil des Berliner Testaments ist, dass das Vermögen ohne Erbauseinandersetzung auf den überlebenden Ehegatten übergeht. Der Lebensstandard des Ehegatten ist damit gesichert. Sofern sich beide Ehegatten einig sind, dass ihr gemeinschaftliches Testament keinen Bestand mehr haben soll, können sie dieses einfach vernichten und ein neues Testament errichten. Das Berliner Testament hat allerdings steuerlich einen Haken. „Da die Kinder beim Tod des Erstversterbenden nichts erhalten, verpuffen deren steuerlichen Freibeträge diesem Elternteil gegenüber. Beim Versterben des letztversterbenden Elternteils erhalten sie den Freibetrag nur einmal diesem gegenüber“, so Pilz-Hönig.


Wollen Sie statt eines Testaments lieber einen unabänderlichen Vertrag schließen?

Falls ja, bietet sich ein Erbvertrag an. Ein Erbvertrag ist neben dem Testament die zweite Möglichkeit, Regelungen über den Verbleib des Vermögens nach dem Tod zu treffen und von der gesetzlichen Erbfolge abzuweichen. Der wesentliche Unterschied zum Testament besteht darin, dass der Erblasser sich beim Erbvertrag gegenüber seinem Vertragspartner bindet. Während der in einem Testament Bedachte keine rechtliche Handhabe hat, einen Widerruf des Testaments zu verhindern, erlangt er beim Erbvertrag eine rechtlich gesicherte Position.


Wollen Sie Erbschaftsteuer sparen?

Dann können Sie bereits zu Lebzeiten Vermögen zum Beispiel an Ihre Kinder verschenken. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, durch Freibeträge, die alle zehn Jahre neu beansprucht werden können, legal Erbschaftssteuer zu sparen.

 

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