Seit das Münchner Magazin „Focus“ im November 2013 über den spektakulären Fund berichtete, hat das Thema eine unfassbare Präsenz in den Medien, auf dem Buchmarkt und sogar in der Filmbranche. An diesem Furor wird sich in den nächsten Jahren wenig ändern. Denn seit der Beschlagnahme der Sammlung Gurlitt durch die Augsburger Staatsanwaltschaft zwei Jahre davor, haben sich viele neue Fragen gestellt, die auf Antwort warten.

Das Münchner Magazin hatte über einen milliardenschweren „Nazi-Schatz“ berichtet, den der allein lebende Privatier Gurlitt von seinem Vater, dem Kunsthändler Hildebrand Gurlitt (1895-1956) geerbt haben sollte. Gurlitt Senior war im Dritten Reich einer von vier privilegierten Händlern, die für das Nazi-Regime arbeiteten. Der Freund moderne Kunst, der anfangs selbst Repressionen ausgesetzt war – er wurde aus zwei Leitungspositionen entlassen – diente sich dem System Mitte der 30er-Jahre an. Gurlitt senior war, so gesehen, Bedrohter und Profiteur.

Des Namensschildes hätte es gar nicht bedurft: Cornelius Gurlitt war der Einzige, der über Jahrzehnte hinweg auf diesen Schrank zugreifen konnte. Hier bewahrte er viele seiner Gemälde auf.
Des Namensschildes hätte es gar nicht bedurft: Cornelius Gurlitt war der Einzige, der über Jahrzehnte hinweg auf diesen Schrank zugreifen konnte. Hier bewahrte er viele seiner Gemälde auf. | Bild: dpa

Der Kunsthändler, ein „Vierteljude“, verkaufte Werke der Avantgarde gegen Devisen, die das braune Regime als „entartete“ Kunst diffamiert und Museen entzogen hatte. Er reiste dafür nach Frankreich, Belgien und in die Niederlande. Dass er nebenbei eine eigene Sammlung aufbaute – auch mit Werken aus jüdischem Besitz – und sie nach dem Krieg in die Bundesrepublik hinüberretten konnte, war in Kunstkreisen bekannt. Zumal Gurlitt, der aus dem Entnazifizierungsverfahren als „Unbelasteter“ hervorging und in den 50er-Jahren den Kunstverein Düsseldorf leitete, problemlos Werke für Ausstellungen auslieh, selbst nach Amerika. Sein Sohn und Erbe verkaufte Arbeiten aus der Sammlung, um seinen Lebensunterhalt zu sichern.

Cornelius Gurlitt, von den Medien lange Zeit dämonisiert, war Zollbeamten im September 2010 während einer Zugfahrt von Zürich nach München aufgefallen. Er hatte falsche Angaben über seinen Wohnsitz gemacht und über die Herkunft des Geldes, das er – ganz legal – bei sich hatte: 9000 Euro. Das war den Behörden Grund genug, um ihn observieren zu lassen und schließlich in seine Wohnung einzudringen. Die Beamten fanden nicht nur einen verängstigten älteren Herrn vor, sondern einen Berg von mehr als 1200 Kunstobjekten, Bilder von Monet, Renoir, Marc, Dix, Nolde und Beckmann. Ein großer Teil davon waren Papierarbeiten, die in einem Schubladen-Schrank gestapelt waren, er wird jetzt in Bern ausgestellt. Der Bilderberg, zu dem auch Stücke aus Familienbesitz gehören, vergrößerte sich mit einem zweiten Fund im Salzburger Haus von Gurlitt auf insgesamt 1566 Positionen.

Das Kunstmuseum Bern zeigt 200 Werke aus der Gurlitt-Sammlung.
Das Kunstmuseum Bern zeigt 200 Werke aus der Gurlitt-Sammlung. | Bild: dpa

Rätselhaftes Geschenk

Nicht nur die Augsburger Staatsanwaltschaft war mit dem „Fall Gurlitt“ beschäftigt, sondern auch die Bundesregierung. Kulturstaatsminister Bernd Naumann übergab 2013 den Stab und die leidige Angelegenheit an Monika Grütters. Die Öffentlichkeit – weltweit – reagierte auf den Fund zunächst überrascht, stellte aber bald unangenehme Fragen an Behörden und Regierung. Grütters sah sich in der Verantwortung gegenüber jüdischen Sammlern und ihren Nachfahren, da die Vermutung im Raum stand, dass sich in der Sammlung „Raubkunst“ befindet – also von Gurlitt senior zu Unrecht erworbene Werke.

Dass der „Nazi-Schatz“ keinen Milliarden-Wert darstellte, wie berichtet, war eine der ersten Informationen, die durchsickerten. Als teuerstes Werk gilt das Gemälde „La Montaigne Sainte-Victoire“ (1897) von Paul Cézanne, das auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt wird. Es soll noch in Bern ausgestellt werden. Die Herkunft (Provenienz) des Bildes ist bislang unklar, wie Marcel Brüllhart, Vizepräsident der Dachstiftung Kunstmuseum Bern, mitteilte. Derzeit werden weiterführende Gespräche mit der Familie Cézanne geführt. In Bern sind nur Werke zu sehen, deren Herkunft gesichert ist.

Auch Skulpturen wie Auguste Rodins "Karytide mit Urne" umfasst die Sammlung.
Auch Skulpturen wie Auguste Rodins "Karytide mit Urne" umfasst die Sammlung. | Bild: AFP

Bald geriet auch die Staatsanwaltschaft mit ihrer überzogenen Aktion in die Kritik, die einer Enteignung gleichkam – so lautete damals auch der Vorwurf des renommierten Kunsthändlers Graf Douglas in dieser Zeitung. Vom Vorwurf der Steuerhinterziehung sprach bald niemand. Der Privatbesitz von Raubkunst ist nicht strafbar. Im Fall Gurlitt wäre selbst ein bösartiger Handel verjährt gewesen. Für diesen Rechtsbruch durch die ermittelnde Justizbehörde gibt es bisher keine Erklärung. Auch nicht auf die Frage, warum das von Grütters vorangetriebene Kulturgutschutzgesetz keine – auch nachträgliche – Anwendung auf Gurlitts Erbe fand, der sich freiwillig zu Restitutionen verpflichtete und seine Sammlung Bern überschrieb. Dort rätselt man bis heute, warum er dem Museum dieses Danaergeschenk machte.

Cornelius Gurlitts Koffer vor der "Spiegel"-Titelseite vom 18. November 2013: Eine Reporterin hatte den Kunsthändler aufgespürt.
Cornelius Gurlitts Koffer vor der "Spiegel"-Titelseite vom 18. November 2013: Eine Reporterin hatte den Kunsthändler aufgespürt. | Bild: dpa

Ganz tatenlos blieb die Kulturstaatsministerin nicht. Sie reagierte mit der Berufung einer „Taskforce“, die die Herkunft der Bilder Gurlitts erforschen sollte. Der Bericht, den die Expertengruppe bald ablieferte, war nicht den Namen wert. Anfangs standen etwa 500 Positionen unter Raubkunstverdacht. Davon konnten die Experten die Herkunft von fünf Positionen bis zur Restitution klären. Auch die der „Taskforce“ folgende Arbeitsgruppe „Gurlitt“ in Magdeburg ist nicht wirklich fündig geworden. Wie der Intendant der Bundeskunsthalle Bonn, Rein Wolfs, bestätigte, gibt es insgesamt sechs nachgewiesene Fälle. Vier Werke von Henri Matisse, Camille Pissarro, Adolf von Menzel und Max Liebermann wurden an die rechtmäßigen Erben restituiert.

Auch wenn das bisherige Ergebnis die Behörden eher beschämt, hat der Fall Gurlitt doch dazu geführt, eine neue Sensibilität im Umgang mit Raubkunst entstehen zu lassen – in vielen deutschen Museen wurde diese Recherche bisher bewusst vernachlässigt. Und nicht nur hierzulande, sondern auch bei unseren Nachbarn. Die Schweiz war damals, so die Berner Museums-chefin Nina Zimmer, Umschlagplatz für Raubkunst und Fluchtgut aus NS-Deutschland. Im Depot ihres Museums schlummern 300 „entartete“ Werke, deren Provenienz unklar ist. Aber Bern tut was. Eine Sektion der Ausstellung widmet sich dem Thema.

"Bildnis Maschka Müller" lautet der Titel dieses Werks von Otto Müller, ein bedeutender Vertreter des Expressionismus.
"Bildnis Maschka Müller" lautet der Titel dieses Werks von Otto Müller, ein bedeutender Vertreter des Expressionismus. | Bild: dpa

Die Doppelausstellung in Bonn und Bern hat den gemeinsamen Titel „Bestandsaufnahme Gurlitt“. Der Berner Teil mit insgesamt 160 Exponaten trägt den Untertitel „‚Entartete Kunst – Beschlagnahmt und verkauft“. Er stellt somit ein Element der Verfemung und Verfolgung der Moderne durch die NS-Kulturpolitik in den Vordergrund, das sich gegen die Werke in deutschem Museumsbesitz richtete. Die Ausstellung ist in Themenblöcke gegliedert, an denen sich die Schwerpunkte des Gurlittschen Sammlungsinteressen ablesen lassen. Das ist zum einen die Berliner Sezession um Max Liebermann und Lovis Corinth. Den größten Raum nehmen jedoch die modernen Bewegungen ein, die in Gurlitt seniors Heimatstadt Dresden ihren Ursprung hatten: Die Maler der „Brücke“ und die Dresdner Künstler der Neuen Sachlichkeit, vor allem Otto Dix, der nach 1933 am Bodensee Zuflucht nahm.

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt 250 Werke aus dem Nachlass des Kunsthändlers, die entweder NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden oder deren Herkunft noch nicht geklärt werden konnte. Die Ausstellung ist in fünf große Kapitel gegliedert, die die Geschichte des Kunstfundes umreißen, vor allem anhand des beruflichen Werdegangs von Hildebrand Gurlitt. Am Schluss des materialreichen Parcours richtet sich der Blick auf die Nachkriegszeit und den heutigen Umgang mit dem Thema Restitutionen und dem Stellenwert institutionalisierter Provenienzforschung. Beide Ausstellungen wollen, und das ist ihnen zu wünschen, auf diesen Gebieten Bewusstseinsarbeit leisten.

Noch ein Expressionist: Otto Dix schuf das Bild „Leonie“.
Noch ein Expressionist: Otto Dix schuf das Bild „Leonie“. | Bild: dpa

 

Die Ausstellungen

Das Kunstmuseum Bern (Hodlerstraße 8-12) zeigt rund 200 Werke aus der Gurlitt-Sammlung, die meisten von ihnen Arbeiten auf Papier. Der Untertitel „Entartete Kunst – Beschlagnahmt und verkauft“ verweist darauf, dass ein großer Teil der Bilder wahrscheinlich 1937 von den Nazis in deutschen Museen beschlagnahmt wurde. Bis 4. März. Öffnungszeiten: Di 10-21 Uhr, Mi bis So 10-17 Uhr. Geschlossen am 25. Dezember. Offen von 10-17 Uhr an allen weitere Feiertagen.

Weitere Infos: www.kunstmuseumbern.ch

Die Bundeskunsthalle Bonn (Friedrich Ebert Allee 4) stellt 250 Werke aus, neben zahlreichen Papierarbeiten auch Gemälde und Skulpturen. Auf vielen von ihnen lastet ein Raubkunstverdacht, das betont auch der Untertitel „Der NS-Kunstraub und die Folgen“. Als begleitendes Thema wird die Verfolgung und Entrechtung jüdischer Kunstbesitzer dargestellt. Bis 11. März. Öffnungszeiten: Di/Mi 10-21 Uhr, Do bis So und an Fe (auch an Montagen) 10-19 Uhr.

Weitere Infos: www.bundeskunsthalle.de 

Malerei von Leo Putz, zu sehen in der Bonner Bundeskunsthalle.
Malerei von Leo Putz, zu sehen in der Bonner Bundeskunsthalle. | Bild: AFP

Interview mit Nicola Doll

Nicola Doll ist Leiterin der Provenienzforschung Kunstmuseum Bern. Sie gehört dem Kuratorenteam der Ausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt“ an

Frau Doll, die Sammlung Gurlitt umfasst 1566 Positionen. Sie zeigen in Ihrer Ausstellung 160 Arbeiten. Sind diese Werke repräsentativ für die Sammlung?

Wir haben uns in Bern auf den Aspekt der „entarteten Kunst“ konzentriert, also auf Künstler, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden, und auf Werke aus deutschem Museumsbesitz, die das Regime in den Jahren 1937/38 beschlagnahmte. Wir schätzen, dass diese Arbeiten in der Sammlung knapp die Hälfte ausmachen, also plus minus 700 Werke. Sie sind repräsentativ für die Werke mit dem Täterbegriff „entartete Kunst“.

Wie kam es zur Arbeitsteilung mit der Kunsthalle Bonn?

Dazu kann ich nicht viel sagen. Ich bin relativ spät in das Kuratorenteam gekommen. Da war die Entscheidung schon getroffen, dass Bonn sich auf die „NS-Raubkunst“ konzentriert und Bern auf die „entartete Kunst“. Ein Grund wird wohl gewesen sein, dass die Bundesrepublik die Erforschung der Werke übernommen hat und den Fokus auf die „NS-Raubkunst“ stellt.

Als der Gurlitt‘sche Kunstschatz – eher durch Zufall – gehoben wurde, war die Rede vom „Nazi-Schatz“. Inzwischen zeigt sich, dass lediglich 6 Arbeiten restituiert worden sind, die als „Raubkunst“ gelten. Hat sich der Blick auf die Sammlung inzwischen verändert?

Ja, mit den fortschreitenden Ergebnissen der Forschung wissen wir mehr über den Kunstfund, über seinen Wert und über das Handeln von Hildebrand Gurlitt. „Nazi-Schatz“ und „Milliardenerbe“ – das war dem Medienhype geschuldet, der sich nicht bestätigen lässt. Es ist ein ganz einzigartiger Bestand, einzigartig nicht nur im Hinblick auf den Geld- und künstlerischen Wert, sondern auch als Nachweis für die Aktivitäten eines Kunsthändlers, der im Auftrag des „Dritten Reichs“ gehandelt hat. Dass dieser Nachweis in dieser Geschlossenheit überliefert werden konnte, ist das Besondere an der Sammlung.

Alle Welt rätselt, warum Cornelius Gurlitt dem Kunstmuseum Bern den Bestand überlassen hat. Es werden Namen ins Spiel gebracht, die vermittelt haben könnten, wie etwa der des Berner Galeristen Kornfeld…

Auch wir wissen bisher sehr wenig darüber, warum Cornelius Gurlitt dem Kunstmuseum seine Sammlung vermacht hat. Es gibt viele Vermutungen darüber, aber keine eindeutige Antwort.

SK: Das Kunstmuseum hat bisher nur einen kleinen Teil der Sammlung in seiner Obhut. Rechnen Sie damit, weitere Werke zu erhalten?

Die Bundesrepublik, der Freistaat Bayern und das Kunstmuseum Bern haben einen Vertrag geschlossen, dessen Inhalt es ist, dass die Erforschung der Werke in Deutschland geleistet wird. Das heißt, nach Abschluss der Klärung der Provenienzen, der Herkunft der Bilder, wird das Haus entscheiden, ob die Werke angenommen werden oder nicht. Bislang ist die Erforschung noch in vollem Gang und je nach dem werden die Ergebnisse sein.

Das Kunstmuseum ist anfangs in die Kritik geraten, dass es das Erbe überhaupt angenommen hat. Hat sich diese Front beruhigt?

Ja, es kommt zwar immer wieder hoch, aber das Kunstmuseum hat deutlich gemacht, dass es sich den Anforderungen, die das Erbe mit sich bringt und der Verantwortung stellen wird, die damit einhergeht. Daher hat das Museum ja auch in diesem Jahr die Abteilung Provenienzforschung eingerichtet und wir arbeiten an der eigenen Sammlung, erforschen die Werke und begleiten die Forschung zum Kunstfund Gurlitt. Ich denke, wir sind jetzt erst am Anfang damit und beobachten, dass auch andere Museen in der Schweiz mitziehen. Das Bundesamt für Kultur hat mit gezielten Provenienz-Förderprogrammen auf das Bedürfnis reagiert.

Die „entartete Kunst“ wurde während des Kriegs auch in der Schweiz gehandelt. Sie haben dem Thema vor einem Jahr in Ihrem Haus eine Ausstellung gewidmet, mit welchem Ergebnis?

Im Zuge einer Ausstellung, die im letzten Jahr unter dem Titel „Moderne Meister“ zu sehen war, wurde der Bestand auf Werke hin überprüft, die aus dem Konvolut der „entarteten Kunst“ stammen und auf verschiedenem Wege ins Haus gekommen sind. Da wurden die Provenienzen nicht lückenlos rekonstruiert, bei diesen Werken besteht jedoch nicht unbedingt ein „Raubkunst“-Verdacht. Aber wir überprüfen jetzt natürlich gezielt, ob sich unter den 500 Werken auch solche befinden, die von privaten Voreignern stammen und gegebenenfalls als Fluchtgut gelten können.

Die Bundeskunsthalle Bonn blickt auf den Werdegang von Hildebrand Gurlitt, dem Vater von Cornelius Gurlitt. Sein Handeln wird unterschiedlich bewertet. War er, wie Meike Hoffmann in ihrem Buch schreibt, „Hitlers Kunsthändler“?

Wir versuchen in der Ausstellung Fragen und Antworten, also mögliche Lesarten anzubieten. In Bern zeichnen wir keine Biografie nach, sondern versuchen drei Ebenen miteinander zu verschränken. Erstens sind da die unmittelbaren Werke, die Raum bekommen in der Ausstellung, also selbst wirken können. Zweitens gibt es die Ebene der Rezeption, also wie wurde über die Künstler und ihre Arbeiten gesprochen – Künstler der „Berliner Sezession“, Künstler der „Brücke“. Und drittens zeigen wir Dokumente aus dem Nachlass von Hildebrand Gurlitt und Archivalien aus deutschen Archiven, um die Person in seiner Tätigkeit fassbar werden zu lassen. Das Ganze wird kommentiert.

Aber natürlich stehen die drei Ebenen nebeneinander und lassen sich nicht in einem eindeutigen Narrativ beschreiben. Daraus lässt sich zeigen, dass Gurlitt ein Exponent des Kunstgeschehens der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist. Dass er „Hitlers Kunsthändler“ gewesen sein soll, finde ich persönlich zu weitgehend. Es gibt noch zu viele offene Fragen zu seiner Person und seinem Wirken.

Zurück zur Ausstellung: Welches Werk ist das teuerste Bild und welches ist Ihrer Meinung nach das das Interessanteste?

Wenn es auf dem Mark käme, was nicht der Fall ist, wäre das teuerste Bild der Cézanne „La Montagne Sainte-Victoire“. Das schönste Bild in unserer Ausstellung? Einige Blätter von Kirchner finde ich wunderbar und das Porträt von Maschka Müller, gemalt von Otto Müller in den 20er-Jahren. Als das Porträt ins Haus kam, war es von einer dicken Firnisschicht überzogen, es war grau und stumpf. Es wurde von der Restauratorin im Haus wieder frei gelegt und in seine ursprüngliche Farbigkeit zurückgeführt und das ist ein sehr starkes Bild.

Das Kunstmuseum hat viel Geld in die Hand genommen, um die Arbeiten zu restaurieren und zu beforschen. Wird das wieder hereingespielt durch einen erhofften hohen Publikumsbesuch?

Wir sind eine öffentliche Institution und wir streben an, die Kosten im Etat zu haben. Und natürlich investiert man Geld, Zeit, Arbeitskraft. Das gehört zur Vorbereitung einer Ausstellung. Und es befinden sich ja auch unter den Werken der Ausstellung Arbeiten, die im Kunstmuseum verbleiben werden und das sind ganz normale restauratorische Maßnahmen bei Kunstwerken, die hier ausgestellt werden oder im Bestand verbleiben.

Was würden Sie Besuchern der Ausstellung raten, wie sie Ihre Ausstellung angehen sollten?

Neugierig, mit der Bereitschaft, sich auf die Werke und die Dokumente einzulassen.

Fragen: Siegmund Kopitzki