Herr Mentrup, beim „Morgenstadt City-Index“ des Fraunhofer Instituts, der die Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft deutscher Städte bemisst, ist Karlsruhe 2016 auf Platz eins gelandet. Was macht die Stadt, um das zu befördern?

Uns hat es jedenfalls sehr überrascht und gefreut, dass wir so gut abschneiden. Das passt natürlich sehr gut zu unserer dynamischen Entwicklung. Wir haben seit Jahrzehnten die klare Strategie der Wirtschaftsförderung, für alle Phasen von der Start-up-Gründung bis hin zur Etablierung am Markt mit mehreren Hundert Arbeitsplätzen Räumlichkeiten und Fachberatung anzubieten. Schon lange bringen wir den IT- und den Kreativbereich zusammen. So gibt es bei uns das „K3-Büro“, in dem Wirtschaftsförderung und Kulturamt gemeinsam Start-Up-Beratung betreiben. Und wir bemühen uns schon lange intensiv um die IT- und gamingbegeisterte Studi-Szene, hier in der Stadt zu bleiben und sich eben hier selbstständig zu machen. Und das Ganze ist zusammengebunden durch das Cyber-Forum, das größte regionale IT-Netzwerk Europas, in dem mittlerweile etwa 1200 Firmen miteinander verknüpft sind und nicht nur eine gemeinsame Geschäftsstelle unterhalten, sondern auch eigene Projekte auflegen.

Sie nennen das den „Karlsruher Weg“. Was ist damit gemeint?

Aktivitäten in der Clusterbildung und Netzwerkförderung sind deshalb in Karlsruhe so wichtig, weil wir etwa im IT-Bereich nicht den einen großen Player haben, um den herum sich alles strukturiert, sondern ganz viele kleine und mittlere Unternehmen. Jeder, der im IT-Bereich etwas bewegen will, soll aber zügig die Firma finden, die er dazu braucht. Das wird durch das Netzwerk sichergestellt.

Auffallend viele IT-Forschungsprojekte gehen nach Karlsruhe. Bekommen Sie auch manchmal Ihre Grenzen aufgezeigt aus Stuttgart?

Die Entscheidungen für Karlsruhe sind aus unserer Sicht nach nachvollziehbaren Kriterien getroffen worden. Andere vielleicht nicht immer. Die Häufung der IT-Projekte hier gehorcht der Logik, dass es keinen Sinn macht, an allen Standorten im Land alle Fachgebiete etablieren zu wollen. Wer das sauber durchdekliniert, für den ist Karlsruhe der IT-Standort im Land. Wir werden auch nie ein Schwergewicht in Biotechnologie oder Medizintechnik sein.

Was hat Karlsruhe noch vor?

Wir wollen als Region noch stärker mit den drei großen Forschungs- und Wirtschaftsclustern IT, Mobilität und Energie nach außen treten und überregional alle Fachleute und Verantwortliche einladen, sich mit entsprechenden Fragen an uns zu wenden. Wir können dann als Region das Angebot eines Reallabors machen, das die Grenzen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung nicht mehr spürbar werden lässt. So haben wir uns jetzt auch als Technologieregion neu aufgestellt. Und wir werden das Thema Mobilität nochmal ganz anders anpacken.

Wir sind ja schon Carsharing-Hauptstadt der Bundesrepublik, bei der fahrradfreundlichsten Stadt auf Platz zwei, haben seit 25 Jahren mit dem „Karlsruher Modell“ den Stadtbahnanschluss zum Umland und wollen jetzt das alles bis 2020 zum einfachen, multimodalen Angebot verknüpfen. Dafür haben wir auch Fördermittel vom Land und der EU bekommen.

Sie sind als Landespolitiker aus Stuttgart in die Karlsruher Kommunalpolitik gegangen. Wie hat das Ihre Wahrnehmung verändert?

Seitdem nehme ich noch viel stärker wahr, was für ein in sich geschlossener Bereich die Landespolitik doch ist. Das meiste, was dort in Stuttgart passiert, wird hier vor Ort überhaupt nicht wahrgenommen. Und umgekehrt wird vieles, was bei uns hier vor Ort passiert, in Stuttgart gar nicht realisiert. Für die Landespolitik hieße das, sich einmal mehr die Zeit für Arbeitsgespräche vor Ort zu nehmen. So wie vor Kurzem unser Innen- und Digitalisierungsminister Thomas Strobl. Anfangs sagte er, er wolle sehen, wie er auch Karlsruhe mit der IT-Strategie des Landes ein bisschen unterstützen könne. Dann war er einen halben Tag hier und hat gesehen, was wir hier national und international alles schon machen. Zum Abschied sagte ich ihm, wir würden uns freuen, unsererseits das Land ein bisschen auf seinem Weg in die Digitalisierung unterstützen zu können. Dem hat er nicht widersprochen. (uba)

 

Zur Person

Der gebürtige Mannheimer und promovierte Arzt Frank Mentrup (Jahrgang 1964) ist seit 2013 Oberbürgermeister in Karlsruhe. Der SPD-Politiker startete seine politische Karriere in der Mannheimer Kommunalpolitik. Dort war er SPD-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, bevor er 2006 mit dem landesweit einzigen SPD-Direktmandat für Mannheim in den Landtag gewählt wurde. 2011 wurde Mentrup als SPD-Bildungsexperte politischer Staatssekretär im Kultusministerium. Von dort wechselte er 2013 auf den OB-Sessel in Karlsruhe. Mentrup ist verheiratet und hat vier Kinder. (uba)