Die Stahlträger der Deckenkonstruktion sind umhüllt mit Lichterketten, die Abflughalle des Stuttgarter Flughafens erstrahlt in vorweihnachtlichem, kühlweißen Glanz. Still ist es, nur wenige Passagiere sind unterwegs. Zu Mittag herrscht fast gähnende Leere. Um diese Tageszeit ist auch am zentralen Landes-Airport wenig los. Keine Schlangen vor Schaltern, keine Unmutsäußerungen – der Arbeitskampf der Lufthansa-Piloten ist hier kaum spürbar. Beim Burger King hat man den Streik jedenfalls nicht bemerkt, das Geschäft läuft wie immer. Selbst die Frauen und Männer hinter den Lufthansa-Schaltern, über denen „Umbuchung“ steht, sind die Ruhe selbst. Fast scheint es, als sei diese Arbeitsniederlegung der Lufthansa-Piloten eine Art minimalinvasiver Eingriff in den Flugverkehr. Auch und gerade in Stuttgart.

Der Airport mit dem internationalen Kenn-Kürzel STR wird von der Lufthansa nur als Zubringerflughafen zu den großen und größeren Drehkreuzen benutzt. Entsprechend wenig An- und Abflüge dieser Airline gibt es. Die Vereinigung Cockpit (VC) hatte angekündigt, dass ein Großteil der Verbindungen am Stuttgarter Flughafen ausfalle. Am Mittwoch standen gerade 18 Lufthansaflüge im Plan, davon fielen 12 aus – fünf Flüge von Frankfurt kommend und fünf Flüge dorthin sowie je einer von und nach München. Im Schnitt wird mit 100 Passagieren pro Flug gerechnet, dementsprechend dürften maximal rund 1200 Menschen betroffen gewesen sein. „Uns schmerzt jeder Flug, der nicht geht“, sagt Beate Schleicher, die stellvertretende Pressesprecherin des Flughafens. Doch sei der Takt im Winterflugverkehr reduziert. Bundesweit wurden allein am Mittwoch allerdings knapp 900 Flüge gestrichen. Stuttgart kam vergleichsweise glimpflich davon.

Dass sich an den Service-Schaltern der Lufthansa keine Trauben erboster Passagiere bildeten, hat einen einfachen Grund: Sie waren frühzeitig gewarnt und umgebucht worden. „Es sind relativ wenige heute Morgen gekommen“, berichtet Gabriele Dietrich. Es kämen ohnehin nur Leute, die nichts wüssten, weil sie bei der Buchung keine SMS-Nummer oder Mailadresse hinterlegt hätten.

Check-In-System schon Nerven

„Seit dem neuen Check-In-System läuft alles automatisch: Reisende, die von Streiks betroffen sind, werden benachrichtigt und sofort umgebucht. Meist auf Partnerfluggesellschaften der “Star Alliance“ – oder was eben geht: Germanwings, Eurowings, Air Dolomiti, Austrian Airlines, SWISS und Brussels Airlines. Probleme hätten meist nur jene Kunden, die im Internet den billigsten Flug buchten und sich die 30 Euro Servicegebühr sparten. „Da ist dann niemand mehr zuständig“, erklärt Dietrich. Probleme hatte am Flughafen Stuttgart indes auch ein Paar, das nach Indien weiterreisen wollte und schon zweimal umgebucht wurde. Dann heißt es telefonieren. Oder eine junge Frau, die mehr als zwei Stunden die Hotline zu erreichen versuchte. Das, sagt Lufthansa-Servicekraft Dietrich, sei ein „absoluter Extremfall“.

Am Donnerstag soll der Streik weitergehen, wieder sind inländische Zubringerstrecken betroffen. Dann werden etwas mehr Verbindungen von und nach Stuttgart gestrichen. So fallen erneut alle neun Lufthansa-Flüge von und nach Frankfurt aus, zudem jeweils zwei Flüge von und nach München. „Wir sind wieder da“, sagt Gabriele Dietrich und wendet sich dem Inder zu.

Noch weniger vom Streik ist am Regionalflughafen Friedrichshafen zu spüren. Die 7.05-Uhr-Maschine nach Frankfurt ist pünktlich am Bodensee-Airport gestartet. Somit war der Flugbetrieb in Friedrichshafen nicht direkt vom aktuellen Streik der Lufthansa-Piloten betroffen. Die vier Lufthansa-Maschinen, die Mittwochs am Bodensee-Airport starten, sowie auch die drei am heutigen Donnerstag fliegen in Richtung Frankfurt. Dort könnten allerdings streikbedingt Anschlussflüge betroffen sein. „Die Flüge ab und nach Friedrichshafen werden nach aktuellem Stand stattfinden“, sagte Flughafensprecher Andreas Humer-Hager auf SÜDKURIER-Anfrage gestern Nachmittag. Nach der Ankündigung eines Streiks werde bei Lufthansa meist relativ schnell ein Notflugplan erstellt. „Eine kleine Restunsicherheit besteht natürlich trotzdem“, so Humer-Hager. Er rät Flugpassagieren, sich vor der Fahrt zum Flughafen direkt bei der Lufthansa rückzuversichern.

In Grenzen halten sich die Behinderungen auch am Flughafen Zürich-Kloten, dem größten Airport in der Schweiz. Vom Streik waren gestern zwölf Flüge betroffen – jeweils sechs von und nach Frankfurt, erklärte auf Nachfrage Flughafensprecherin Sonja Zöchling. Sollte der Streik anhalten, sei es auch möglich, dass die Flüge am heutigen Donnerstag in einem entsprechenden Umfang ausfallen.

Von dem Streik nicht betroffen sind Flüge anderer Airlines, die zum Lufthansa-Konzern gehören, wie beispielsweise die Swiss, deren Sitz nach wie vor in der Schweiz ist und deren Piloten auch zumeist dort wohnen. Auch am Airport Genf fallen am Mittwoch acht Lufthansa-Flüge von und nach Frankfurt aus. Dagegen heben Flüge nach München und Hamburg ab. Diese Strecken werden von Swiss beziehungsweise Eurowings geflogen. Vom Streik ebenfalls nicht betroffen ist der Euro-Airport Basel.