Die letzten Schoko-Nikoläuse liegen noch im Süßigkeitenfach. Ihr einst so sattes Braun wird längst von einem gräulichen Schleier überzogen. Und doch waren sie nie so verführerisch wie an diesem heutigen Tag. Iss mich, rufen sie mit glockenheller Stimme. Schweigt, rüffelt der gute Wille düster. Sie ist gar nicht so einfach, diese Sache mit der Mäßigung. Wo doch alles, was man will, zu jeder Zeit verfügbar ist. Doch ab heute zählt die Völlerei wieder zu den sieben Todsünden. Der Aschermittwoch markiert den Beginn der Fastenzeit. Wer es zum Jahreswechsel nicht geschafft hat, gute Vorsätze umzusetzen, für den können die kommenden 40 Tage eine neue Chance bieten, den fleischlichen Wüstheiten Einhalt zu gebieten. Und obwohl sich die Deutschen zunehmend vom christlichen Glauben und dessen Grundsätzen entfernen, wächst die Zahl derer, die bewusst verzichten. Seit 2012 stieg die Zahl der Fasten-Fans um 15 Prozent auf jetzt 59 Prozent, zeigte im vergangenen Jahr eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK. Heilfasten, Entschlacken, Fastenkur: Unabhängig von Religion boomt in der Konsumgesellschaft der Wunsch nach Verzicht.

 

Fastenzeit

Die 40-tägige christliche Fastenzeit beginnt Aschermittwoch und endet Ostern. Seit dem 5. Jahrhundert rückte während der Vorbereitung auf Ostern das Fasten in den Mittelpunkt. Da an Sonntagen nicht gefastet werden sollte und sie deshalb nicht als Fastentage gezählt werden, wurde der Beginn der Fastenzeit offenbar im sechsten oder siebten Jahrhundert vom sechsten Sonntag vor Ostern auf den vorhergehenden Mittwoch, den Aschermittwoch, vorverlegt. Die Dauer der Fastenzeit leitet sich vom biblischen Bericht über eine 40-tägige Gebets- und Fastzeit her, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan auf sich nahm. Die vorösterliche Fastenzeit zielt aber nicht nur auf den Verzicht auf Genussmittel, sondern auch auf eine Unterbrechung von Gewohnheiten. Traditionell verpflichtende Bußtage für Katholiken sind in der Regel alle Freitage sowie der Aschermittwoch. An den Bußtagen soll der Katholik wegen des Abstinenzgebots kein Fleisch essen, an Aschermittwoch und Karfreitag soll aufgrund des Fastengebots nur eine Hauptmahlzeit erfolgen. In Deutschland dürfen Katholiken das Abstinenzgebot außer an Aschermittwoch und Karfreitag in einen anderen Verzicht oder ein Werk der Nächstenliebe oder der Frömmigkeit umwandeln. Die deutschen Bischöfe sehen den Sinn der Fastenzeit darin, sich selbst und seinen Lebensstil „so zu ändern, dass durch Besinnung und Gebet, heilsamen Verzicht und neue Sorge füreinander Christus wieder mehr Raum“ im Leben gewinnen kann. Die Fastenzeit ist nicht nur ein katholisches Phänomen. In der evangelischen Kirche ist die Fastenzeit nicht verpflichtend. (dpa)

 

Mal "richtig reinhauen", oder bewusster Verzicht? Es geht bei der Ernährung keineswegs nur um Kalorienzufuhr, sondern auch um Identität . Bild:dpa

 

 

Die Zahlen fügen sich ein in die wachsende Vielfalt unserer Vorstellungen von Essen und Trinken, von Gesundheit und Selbstverantwortung, von Moral und Lifestyle. In Buchhandlungen türmen sich Ratgeber wie „Fasten. Auszeit für Körper, Geist und Seele“ oder „Wie neugeboren durch Fasten“. „Früher haben die Menschen gefastet, um in den Himmel zu kommen, heute fasten sie, um gesund in den Himmel zu kommen“, witzelt der Psychologe Manfred Lütz. Die Ärztezeitung schreibt gar von einer „Radikalisierung der Ernährung“. Du bist, was du isst – nie schien dieser Sinnspruch aktueller. Das Essen wird zur Frage der Ehre erhoben: Sag, wie hältst du’s mit den Kohlehydraten? Fast scheint es, als ob die freiwillige Askese zu einem Massenphänomen auf der Suche nach Erlösung wird.

„Unser Umgang mit Essen und Trinken hat sich wesentlich verändert“, sagt Gunther Hirschfelder, Kulturwissenschaftler an der Universität Regensburg. „Durch die Brille von Essen und Trinken kann ich die Welt geordnet wahrnehmen.“ Veganer, Vegetarier, Flexitarier, Paleo, Superfood, Low-Carb, Eiweiß – es geht mehr als um die Zufuhr von Kalorien. Es ist Ausdruck eines allgemeinen Wertewandels, der sich in unserem Umgang mit Speis und Trank widerspiegelt. „Jede Gesellschaft braucht eine Ideologie, eine Idee, über die sie verhandeln kann“, sagt Hirschfelder. Lange waren das Religion und Politik – die Fragen waren „Bist du evangelisch oder katholisch“ oder „Bist du rechts oder links“. „Mit dem Ende der Ideologien und der Abkehr von der Religion haben wir Leitplanken verloren“, sagt Hirschfelder. Diese Funktion übernimmt nun – zumindest in bestimmten Kreisen – die Ernährung.

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„Goethe erkannte schon vor über 200 Jahren: Je mehr Freiheit ein Mensch hat, desto weniger kann er damit umgehen“, erklärt Hirschfelder. „Die grenzenlose Auswahl verwirrt uns eher.“ Der Mensch will Regeln. Fallen die alten weg, sucht er sich eben neue.

Dabei geht es aber längst nicht nur um moralische Grundsätze, sondern auch um Selbstoptimierung und den Versuch, sich in die Normen einer zunehmend visuell geprägten Gesellschaft einzufügen. „Wer in den 60er-Jahren studiert hat, konnte sicher sein, dass er einen guten Job bekommt, das gleiche gilt für Handwerker und Facharbeiter“, sagt Hirschfelder. „Diese Sicherheit ist uns verloren gegangen.“ Im Konkurrenzkampf wird auch der Körper zur Waffe, das Aussehen entscheidet über den Erfolg zumindest mit. Wer gut aussieht, bekommt bessere Jobs. Gut aussehende Verkäufer erzielen höhere Umsätze. Und auch in der Politik gilt: Wer attraktiv ist, gewinnt. Dass die Optik das Wahlergebnis beeinflussen kann, belegt inzwischen sogar eine Studie. Die Universität Düsseldorf hat 1786 Direkt- und Spitzenkandidaten analysiert, die bei der Bundestagswahl 2017 angetreten sind. Das Ergebnis: Im Extremfall kann ein Kandidat mit hoher Attraktivität fünf Prozentpunkte mehr bei den Erststimmen gewinnen, bei den Zweitstimmen bis zu drei Prozentpunkte. Selbst die Wahlbeteiligung in einem Wahlkreis erhöht sich, je attraktiver die Kandidaten im Durchschnitt sind. Der Völlerei nachzugeben, kann da schnell zur Charakterschwäche erklärt werden. Die Gesundheitsreligion hat inzwischen eben ihren eigenen Fundamentalismus entwickelt.

Wasser und Brot: In der Fastenzeit ist Mäßigung das oberste Gebot. Viele Religionen machen ihren Gläubigen Speisevorschriften.
Wasser und Brot: In der Fastenzeit ist Mäßigung das oberste Gebot. Viele Religionen machen ihren Gläubigen Speisevorschriften. | Bild: Jesus Cervantes

Und doch warnt Hirschfelder vor einer Annahme ganz ausdrücklich: Das Sprechen über Essen und Trinken hat nicht in jedem Fall etwas mit den tatsächlichen Verhaltensweisen zu tun. Der moralische Imperativ ist vielfach eher theoretischer Natur – die Magerkost taugt der Masse höchstens zur Wochenend-Beschäftigung. Auch das zeigen Umfragen und Studien: 23 Prozent der Bundesbürger holen sich mindestens einmal in der Woche unterwegs belegte Brötchen, Burger, Pizza oder andere Snacks. Die Folgen gibt es schwarz auf weiß: Selbst die Zahl extrem dicker Kinder und Jugendlicher hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten mehr als verzehnfacht. Während 1975 weltweit etwa elf Millionen 5- bis 19-Jährige fettleibig waren, waren es im vergangenen Jahr 124 Millionen, so die Weltgesundheitsorganisation. Weitere 213 Millionen Kinder seien übergewichtig.

Der nervöse Blick auf den Teller ist freilich nichts Neues. Schon um das Jahr 365 entwickelte der Mönch und Asket Euagrios Pontikos seine acht Gedanken, in denen er acht Dämonen zusammenfasst, die den Menschen schaden. Laut Pontikos versucht der Teufel, der Erhabenheit der Mönche entgegenzuwirken, die sich in die Wüstengebiete zurückgezogen hatten. Das erste Laster bezog sich auf die Völlerei, das zweite auf die Wollust: Das Wortpaar „Völlerei und Wollust“ war geboren. Die Wüsteneremiten erlegten sich ein strenges Fasten auf. In der Regel aßen sie nur einmal am Tag zur neunten Stunde.

Weit entfernt von gesunder Ernährung: In den Kantinen ist Currywurst eines der beliebtesten Essen der Deutschen.
Weit entfernt von gesunder Ernährung: In den Kantinen ist Currywurst eines der beliebtesten Essen der Deutschen. | Bild: dpa

„Neben der Sexualität ist das Essen der kulturell und religiös am stärksten regulierte Lebensbereich menschlicher Gesellschaften“, sagt der Theologe und Buchautor Kai Funkschmidt. „Essensbezogene kulturelle Bräuche und religiöse Gebote gehören dabei zu den zentralen Eigenarten, die eine Kultur von der anderen unterscheidet und ihr Selbstbild im Gegenüber zu anderen prägt.“ Es gibt kaum eine Religion, die sich nicht darum kümmert, was bei ihren Gläubigen auf dem Teller liegt. Muslime verbieten Schwein, Hindus Rind, Juden trennen Milch und Fleisch, Mormonen verzichten auf Tee und Kaffee. Der Glaube wird nach außen bezeugt. „So sollen die Israeliten Passah halten, damit die Kinder ,Warum?’ fragen und die Gründungsgeschichte ihres Volkes hören“, so Funkschmidt.

Es geht bei der Ernährung also keineswegs nur um Kalorienzufuhr, sondern um Identität – und damit um Abgrenzung. „Traditionell sind also Speisegebote Teil einer Identität und Lebenssinn stiftenden Religion“, sagt der Theologe Kai Funkschmidt. „In der modernen veganen Bewegung sehen wir etwas Neues: Essensregeln werden nun selbst sinnstiftend.“ Die säkulare Gesellschaft mag auf einen Gott verzichten können, auf ein Heilsversprechen hingegen nicht. Mit entsprechendem Eifer werden Debatten rund ums Essen geführt, bisweilen mit scheinbar höchst politischer Brisanz gewürzt. Als durch den Zuzug Tausender muslimischer Flüchtlinge nach Deutschland der Verdacht erwuchs, Kantinen könnten in Versuchung geraten, Schweinefleisch von ihrer Speisekarte zu streichen, löste das eine Welle der Empörung aus. Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) mahnte: „Ich nehme es mit Besorgnis wahr, dass Schweinefleisch in Schulen und Kantinen vom Speiseplan genommen wird.“

Selbst die als wenig emotional verschriene Kanzlerin Angela Merkel erklärte: „Die Toleranz gehört schon dazu, dass wir uns in unseren Essgewohnheiten jetzt nicht verändern müssen.“ Wirklich integriert erscheint ein Flüchtling erst dann, wenn er das Kotelett nicht mehr verschmäht.

Trend-Essen "Kale": Aus den USA schwappt die Begeisterung für Grünkohl anch Detuschland. In dem Wintergemüse stecken so viele Vitamine und Nährstoffe, dass es als das gesündeste überhaupt gilt. Die Kohlsorte enthält besonders viele C-, A-, und B-Vitamine. Bereits eine Tasse Grünkohl deckt mehr als 100 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin C ab. Dazu kommen zum Beispiel ein hoher Kalziumanteil und viel Folsäure.
Gemüse im Trend: Im Wintergemüse Grünkohl stecken so viele Vitamine und Nährstoffe, dass es als das gesündeste überhaupt gilt. Die Kohlsorte enthält besonders viele C-, A-, und B-Vitamine. Bereits eine Tasse Grünkohl deckt mehr als 100 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin C ab. Dazu kommen zum Beispiel ein hoher Kalziumanteil und viel Folsäure. | Bild: Rogge & Jankovic Fotografen (dpa)

Alles nur eine Modeerscheinung? Zumindest ein Phänomen, das eng mit dem Wohlstand zusammenhängt. Die Sehnsucht nach dem „Wahrhaftigen“ hängt eng mit der Überforderung durch ein Überangebot an Waren zusammen. „Das ist ein eindeutiges Luxusthema“, erklärt Kulturwissenschaftler Hirschfelder. In Süd- und Osteuropa, das deutlich stärker von Krisen gebeutelt wird, ist der Blick auf die Ernährung weniger missionarisch. Die Preis-Sensibilität ist größer. Doch Mehlschwitze und Buttercremetorte werden wohl auch bei uns so schnell kein Revival erleben. „Wenn wir keine schwerwiegende wirtschaftliche oder politische Krise haben, gehen wir nicht zurück zur Ernährung der 70er-Jahre“, sagt Hirschfelder. (mh)

 

Wachsen durch Verzicht – wie andere Religionen zum Fasten aufrufen

  • Islam

    Der Verzicht im Fastenmonat Ramadan ist eine der wichtigsten Pflichten im Islam. Das Wort ist vom arabischen „ramida“ abgeleitet, was brennende Hitze oder Trockenheit bedeutet. Von Sonnenaufgang bis -untergang nimmt der Fastende keine Nahrung zu sich. Auch Geschlechtsverkehr ist untersagt. Weiterhin sollen sich Gläubige bemühen, im Ramadan nichts Schlechtes zu reden und zu tun. Nur wer das Fasten ohne gesundheitlichen Schaden durchführen kann, ist dazu verpflichtet. Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. Pro Jahr verschiebt er sich zehn oder elf Tage nach vorne und durchwandert so alle Jahreszeiten.

  • Hinduismus

    Hindus sehen das Fasten nicht als Pflicht, sondern als einen moralischen und spirituellen Akt, der Körper und Geist reinigen und die Gunst der Gottheiten erwerben soll. Die von den meisten befolgte Fastenzeit ist Ekadashi. Aus dem altinidischen „der Elfte“, bezeichnet Ekadashi den elften Tag nach Neu- bzw. Vollmond. Für Hindus kann die Ankündigung eines Fastentags sogar Genuss verheißen. Modak ist zum Beispiel eine Süßigkeit aus Kokosnuss in Reis-teighülle, die für bestimmte Fastentage zur Feier des Gottes Ganesh zubereitet wird. Eine spezielle Form des Fastens, die durch einen Hindu an Bedeutung gewonnen hat, ist der Hungerstreik. Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi setzte den Verzicht auf Nahrung im Kampf um Indiens Unabhängigkeit als politisches Druckmittel ein.

  • Buddhismus

    Im Buddhismus gibt es keine einheitlichen Fastenzeiten. Buddhisten aller Strömungen verzichten aber aus praktischen Gründen immer dann auf größere Mahlzeiten, wenn sie sich besonders auf ihre Meditation konzentrieren möchten. Sie essen in dieser Zeit gerade so viel, dass sie gesund bleiben. Manche Nonnen und Mönche nehmen sogar das ganze Jahr über nach der Mittagszeit keine Speisen mehr zu sich. In der dreimonatigen Regenzeit Vassa meditieren Buddhisten besonders oft und intensiv. Weiterhin gibt es Buddhisten, die darauf schwören, eine längere Meditationszeit mit einer Fastenkur einzuleiten. Sie essen in dieser Phase nichts, trinken aber viel. Diese Praxis soll den Körper von innen reinigen und den Geist befreien.

  • Judentum

    Der bekannteste jüdische Fastentag ist Jom Kippur, der Versöhnungstag. An diesem Tag befiehlt Gott dem Volk Israel: „Ihr sollt eure Seelen kasteien.“ Deshalb ist es nicht nur verboten, zu essen und zu trinken, sondern auch zu baden und sich zu waschen. Ebenfalls nicht gestattet ist das Tragen von Lederbekleidung und -schuhen. Beides gilt als Luxus und widerspricht dem rabbinischen Gebot des Mitgefühls mit der Tierwelt. Außer Jom Kippur gibt es allgemeine Fastentage, an denen trauriger Ereignisse der jüdischen Geschichte gedacht wird, zum Beispiel der Verbannung der Israeliten ins babylonische Exil. Manche Juden fasten auch am Todestag von Angehörigen oder Lehrern. (das)

 

Dr. Eva Lischke – Fastenexpertin aus Überlingen
Dr. Eva Lischke – Fastenexpertin aus Überlingen | Bild: Buchinger-Wilhelmi-Klinik

"Der Körper isst sich selbst"

Eva Lischka ist Chefärztin bei der Buchinger-Wilhelmi-Klinik für Heilfasten, integrative Medizin und Inspiration in Überlingen

Frau Lischka, 40 Tage lang fasten: Geht so etwas überhaupt?

Wir hatten in unserer Klinik schon Patienten, die das gemacht haben. Unbeaufsichtigt ist es allerdings nicht zu empfehlen. Wer so lange fastet, muss von einem erfahrenen Arzt begleitet werden, der den Mineralienhaushalt kontrolliert und immer wieder ein EKG schreibt. Ein gesunder Mensch kann aber problemlos eine Woche lang alleine zu Hause fasten.

Auf was sollten Fastenanfänger achten?

Erst mal ist es wichtig, dass man die Fastenphase in eine Zeit legt, in der man Ruhe hat. Vielleicht auch eine Zeit, in der keine Geburtstagsfeiern anstehen. Schon am Tag vor Fastenbeginn sollte man weniger essen und auf Fleisch verzichten. Hat die Fastenphase begonnen, ist das Wichtigste: Viel trinken. Während des Fastens sollte man sich bewegen, aber nicht überanstrengen. Schwangeren und stillenden Müttern rate ich vom Fasten ab. Wer Medikamente nimmt, darf nur unter ärztlicher Aufsicht fasten.

Führt Fasten automatisch dazu, dass man abnimmt?

Am ersten Tag zehrt man noch von den gespeicherten Kohlenhydraten, dann von Eiweiß. Aber danach schaltet das Gehirn um und baut Bauchfett ab. Dieses Fett ist als Speicherorgan für schlechte Zeiten angelegt, in denen es nichts zu essen gibt. In frühen Zeiten gab es Phasen, wo es wochenlang nichts zu essen gab. Das haben die Menschen überlebt, weil wir in der Lage sind, von unseren eigenen Ressourcen zu zehren.

Und das ist gesund?

Wenn von außen keine Nahrung kommt, ist der Körper quasi dazu gezwungen, sich selbst zu essen. Das nennt man Autophagie. Mit diesem Prozess bauen unsere Körperzellen unbrauchbare und beschädigte Zellbestandteile ab. Die Zellen verwerten diese dann, um neue Bausteine zu generieren. Man muss sich Fasten wie ein Recyclingprogramm vorstellen, das die Zellen reinigt und entsorgt. Eine Art Aufräumen im Körper.

Fragen: Daniel Schottmüller