1. Brauche ich ein Testament?
Die Entscheidung, ob man einen letzten Willen verfasst oder nicht, ist natürlich jedem selbst überlassen. Man sollte wissen: Gibt es kein Testament, greift nach dem Tod die gesetzliche Erbfolge, die das Erbe unter den Hinterbliebenen aufteilt. Sind keine Kinder vorhanden, kommen bei der gesetzlichen Erbfolge möglicherweise auch Geschwister des Erblassers zum Zuge. Die Konstellation einer Erbengemeinschaft zwischen verwitwetem Ehepartner und Geschwistern des Verstorbenen ist besonders brisant, weiß Benjamin Schmidt, Fachanwalt für Erbrecht in Konstanz. Hier hilft die Erstellung eines Testaments dabei, Streit zu vermeiden. Aber auch wer beispielsweise jemandem etwas vermachen will, der nicht zur Familie gehört, wer ein bestimmtes Familienmitglied bevorzugen will oder sogar Geld einer Stiftung oder einem Verein hinterlassen möchte, braucht ein Testament. Und lassen Sie sich nicht täuschen: Seinen letzten Willen zu verfassen, lohnt sich nicht nur für Millionäre!
 
2. Wann sollte ich mein Testament verfassen?
Niemand beschäftigt sich gern freiwillig mit dem eigenen Tod zu – beim Testament geht es aber genau darum: Was passiert, wenn ich nicht mehr da bin? Deshalb ist es zwar verständlich, dass viele dieses Thema vor sich herschieben, aber irgendwann ist es dann vielleicht zu spät. Hinzu kommt, dass die Erleichterung meist groß ist, wenn man sich mit dem Thema einmal abschließend befasst hat und es dann zu den Akten legen kann.

Deshalb raten Experten dazu, sich so früh wie möglich Gedanken zu machen, auch, wenn man das Gefühl hat, gar nichts zu vererben zu haben. Ändert man später seine Meinung, kann man auch das Testament ändern.
 

SÜDKURIER-Serie "Erben und Vererben": Wann ist ein Testament sinnvoll? Was ist ein Erbvertrag? Wie verhindert man Streit unter Hinterbliebenen? Hier finden Sie die Antworten auf einen Blick. 

 

3. Wie verfasse ich mein Testament?
Man kann sein Testament entweder handschriftlich erstellen oder beim Notar beurkunden lassen. Ob Anwalt oder Notar, es empfiehlt sich in jedem Fall die Einholung eines Expertenrats, um keine folgenschweren Fehler zu begehen. Für Eheleute und Lebenspartner gibt es das sogenannte Berliner Testament: Das Paar hält dabei seinen letzten Willen in einem gemeinsamen Dokument fest – stirbt eine/r, erbt der/die andere alles. Auch was nach dem Tod des länger Lebenden mit den Vermögenswerten geschieht, sollte unbedingt festgelegt werden.
 
4. Wie sieht ein handschriftliches Testament aus?
Es muss, wie der Name deutlich sagt, von Hand geschrieben sein – im Zweifelsfall kann ein Gutachter die Echtheit überprüfen. Wurde ein Dokument am Computer oder mit der Schreibmaschine verfasst, ist es unwirksam. Auch wenn es selbstverständlich scheint, wird es immer wieder vergessen – deshalb: Das Schriftstück sollte einen Titel wie „Testament“ oder „Letzter Wille“ haben, damit klar ist, um was es sich bei dem Dokument handelt. Ort und Datum sollten nicht fehlen, das Wichtigste ist aber die Unterschrift des Verfassers.

 

Was drin steht, unterliegt keinen Vorgaben, allerdings sollte man sich so deutlich ausdrücken, dass der letzte Wille bei den Hinterbliebenen keine Fragen aufwirft. In der Praxis verwenden juristische Laien versehentlich oft Ausdrücke, hinter denen sich etwas ganz anderes verbirgt, als der Verfasser zu glauben meint. „Ein klassisches Beispiel sind die Begriffe Vorerbe und Nacherbe“, weiß Schmidt. Der Vorerbe unterliegt Beschränkungen, die bei Ehegatten häufig nicht gewollt sind. Tatsächlich meinen die Testierenden mit ihrer Wortwahl häufig etwas ganz anderes, nämlich die zunächst unbeschränkte Erbenstellung des länger Lebenden beim Berliner Testament und den späteren Übergang des Vermögens auf die Kinder.
 
5. Kann ich meinen Besitz vererben, an wen ich will?
Theoretisch gilt: Es ist jedem selbst überlassen, wen er/sie im Testament bedenkt. In der Praxis sieht es jedoch ein wenig anders aus. Ehepartner oder Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sowie Kinder haben das Recht auf einen Pflichtanteil. Diesen Anspruch kann man auch mit einem anderslautenden Testament nicht übergehen. Übrigens: Es ist unzulässig, das Erbe an sogenannte „sittenwidrige Bedingungen“ zu knüpfen, also zum Beispiel zu verlangen, dass das Enkelkind heiratet, um an sein Erbe zu kommen. Ein Sonderfall ist auch das Behinderten-Testament. Wer beispielsweise einem behinderten Kind etwas vererben will, sollte sich von einem Anwalt beraten lassen.
 
6. Ist es sinnvoll, mein Testament mit Hilfe eines Anwalts zu erstellen und beim Notar beglaubigen zu lassen?

Anwälte und Notare beantworten diese Frage natürlich mit ja. Fakt ist: Wer sein Testament mit Hilfe eines Fachanwalts erstellt oder vom Notar beurkunden lässt, kann davon ausgehen, dass das Dokument rechtlich einwandfrei ist. Dazu kommt, dass sich die Hinterbliebenen in vielen Fällen nicht erst einen Erbschein ausstellen lassen müssen, um als Erben anerkannt zu werden. Nachteil: Anwalt und Notar verlangen für ihre Dienste natürlich Geld. Die Notargebühren hängen vom Wert des Erbes ab – sie sind in einer Gebührenordnung festgelegt. Die Honorare der Anwälte variieren je nach Aufwand. Wer sein Testament beim Amtsgericht hinterlegt, muss das natürlich auch bezahlen (pauschal 75 Euro). Nur aufs Geld sollte man bei dem Thema aber nicht achten: Landet ein Erbstreit vor Gericht, wird das im Zweifelsfall viel teurer als ein wasserdichtes Testament vom Anwalt. Wer das Thema in die Hände von Fachleuten gibt, kann seine Erben zudem vor unangenehmen Überraschungen bewahren – denn auch die Erbschaftsteuer spielt bei der Wahl der Testamentsform eine Rolle. Beachten sollte man zudem: Wer später ein zweites handschriftliches Testament verfasst, sollte das erste Dokument vernichten, um Probleme zu vermeiden.
 
7. Kann ich mein Testament ändern?
Das ist jederzeit möglich, vorausgesetzt, man ist testierfähig.

Eine Ausnahme gibt es – wer durch ein sogenanntes Berliner Testament gebunden ist, kann das nicht einfach allein ändern. Denn bei dieser Form setzen sich Ehepartner (oder eingetragene Lebenspartner) gegenseitig als Alleinerben und ihre Kinder – falls vorhanden – als Schlusserben ein. Experten empfehlen, Änderungen nicht im vorhandenen Dokument nachzutragen, sondern das Testament noch einmal neu zu schreiben. Sind Anwalt oder Notar involviert, kümmern diese sich um die Rücknahme des früher hinterlegten Testamentes aus der Verwahrung.
 
8. Was bedeutet eigentlich testierfähig?
Das heißt, dass jemand aus rechtlicher Sicht in der Lage ist, sein Testament anzufertigen. Wer 16 Jahre alt ist, darf sein Testament beim Notar erstellen lassen – ab 18 Jahren darf man seinen letzten Willen auch handschriftlich aufsetzen. Schon so jung gilt man laut Gesetz als alt genug, um die Tragweite dieser Entscheidung abzuschätzen. Fortgeschrittene Demenz kann dazu führen, dass man seine Testierfähigkeit verliert. Im Zweifelsfall werde jedoch oft für den Verfasser entschieden, sagen Experten. Wer ein Testament anfechten möchte, sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass es Nachhinein schwer zu beweisen ist, dass jemand zum Zeitpunkt der Unterschrift unter das Testament nicht testierfähig war.

Wer ganz sicher gehen will, muss vor dem Verfassen eines Testaments die Testierfähigkeit von einem Neurologen nachweisen lassen.
 
9. Wo wird das Testament aufbewahrt?
Experten sind sich einig: Eine Schreibtischschublade ist kein geeigneter Ort. Denn theoretisch besteht in diesem Fall die Gefahr, dass der Finder des Dokuments es vernichtet. Am sichersten ist es, das Schriftstück beim Nachlassgericht (in Baden-Württemberg noch bis 2018 beim Notariat) zu hinterlegen, dann wird es im Zentralen Testamentsregister in Berlin vermerkt – oder es der Person anzuvertrauen, die am meisten erbt. Die wird es sicher nicht unterschlagen.
 
10. Und was passiert, wenn ich keinen Erben habe?
Wer keine Angehörigen mehr hat, kann natürlich den einfachen Weg wählen und einfach nichts tun – sein Vermögen geht dann an den Staat. Es sei denn, nach dem Tod werden möglicherweise doch noch lebende Angehörige gefunden. Hinterlässt jemand etwas, ohne in einem Testament verfügt zu haben, wer es erben soll, wird nach seinem Tod nach Verwandten gesucht. Hat der Erblasser zwar Verwandte, will ihnen aber nichts hinterlassen, ist das nur bedingt möglich: Denn unabhängig von seinem Willen wird den nächsten Verwandten, also im Normalfall dem Ehepartner und den Kindern, ein Pflichtteil gewährt. Eine Möglichkeit, seinen Besitz sinnvoll einzusetzen, besteht natürlich auch darin, das Erbe einer Stiftung oder einem gemeinnützigen Verein zu hinterlassen.

 

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