1. Deutscher Meister wird der FC Bayern München in dieser Saison – nicht!

Das hat gleich mehrere Gründe. Mit Julian Nagelsmann ist ein neuer Coach an der Säbener Straße, der sich und sein Selbstbewusstsein erst mal mit dem Selbstverständnis des größten deutschen Vereins auf eine Linie bringen muss. Dass das nicht einfach wird, hat die durchwachsene Vorbereitung gezeigt, in der das Talent auf der Trainerbank ohne viele EM-Fahrer auskommen und zudem einige Verletzte ersetzen musste.

Dieser Kader kann beim ersten Anpfiff der Bundesligasaison 2021/22 noch gar nicht eingespielt sein. Teure und namhafte Einkäufe hat sich der Rekordmeister in diesem Sommer auch verkniffen. Das freut zwar den Verwalter des Festgeldkontos, könnte sich aber auf dem Rasen rächen. Zudem muss in der Defensive nach dem Abgang von David Alaba zu Real Madrid erst noch eine neue Hierarchie entstehen.

Der alte Bayern-Trainer Trainer Hansi Flick (links) und sein Nachfolger Julian Nagelsmann.
Der alte Bayern-Trainer Trainer Hansi Flick (links) und sein Nachfolger Julian Nagelsmann. | Bild: MATTHIAS BALK

Das alles zusammen bringt die seit neun Jahren zementierten Machtverhältnisse an der Tabellenspitze in diesem Jahr zum Wackeln. Damit endlich wieder einmal ein neuer Name in die Meisterschale graviert werden darf, muss allerdings auch die Konkurrenz mitspielen und eine mögliche Schwächephase der Bayern nutzen, um Spannung ins Titelrennen zu bringen.

Am ehesten ist das Borussia Dortmund zuzutrauen. Die Schwarz-Gelben könnten unter ihrem neuen Trainer Marco Rose so richtig durchstarten – und wenn der Saisonauftakt doch misslingt, lauert ja noch der Rückrunden-Erfolgscoach Edin Terzic. Der sitzt als Technischer Direktor zwar nicht mehr auf der Bank, könnte jedoch jederzeit wieder einspringen.

2. Die Serie von Robert Lewandowski als Torschützenkönig reißt

Nach vier Jahren in Folge bekommt der Münchener Pole im kommenden Sommer nicht die Kanone des erfolgreichsten Bundesligastürmers überreicht. Die Europameisterschaft hat den 32-Jährigen einiges an Kraft gekostet. Außerdem gibt es kaum mehr etwas, das der Angreifer noch erreichen kann.

Gerd Müllers 40-Tore-Rekord? Pulverisiert. Die Trophäe des Weltfußballers? Gewonnen. Selbst ein Mentalitätsmonster von Lewandowskis Format wird einmal satt. Hinter dem Superstürmer scharren schon der Neu-Leipziger Andre Silva und der Dortmunder Erling Haaland mit den Hufen. Einer der beiden wird der Münchener Nummer 9 die Krone entreißen.

Robert Lewandowski zuckt im Testspiel gegen den SSC Neapel mit den Schultern.
Robert Lewandowski zuckt im Testspiel gegen den SSC Neapel mit den Schultern. | Bild: Sven Hoppe

Erst im Sommer 2023 zieht Lewandowski dann als sechsmaliger Torschützenkönig mit Gerd Müller gleich. Ganz ohne Ausrufezeichen geht bei ihm aber nicht. Der Pole knackt zur Abwechslung einen anderen Müller-Rekord. Den von Dieter Müller, der bisher als einziger sechs Tore in einem Bundesligaspiel erzielt hat.

3. Der SC Freiburg schafft die Qualifikation zur Europa League

Die Breisgauer haben mit Christian Streich den dienstältesten Trainer der Liga, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Alle Leistungsträger sind an Bord geblieben, die Mannschaft ist eingespielt und hat mit dem Abstieg auch in dieser Saison nichts zu tun. Mit der Euphorie der zurückgekehrten Fans und dank des neuen Stadions ist sogar noch mehr drin.

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Während die üblichen Verdächtigen im vorderen Tabellendrittel damit zu kämpfen haben, dass sie mit neuen Trainern in die Runde starten, schleicht sich das Streich-Team aus dem Süden heimlich, still und leise nach oben.

4. Die beim Thema Abstieg meistgenannten Teams bleiben wieder drin, der nächste Traditionsverein steigt ab

Während sich an der Tabellenspitze seit langem mal wieder etwas ändert, bleiben sich die Bundesligisten im Abstiegskampf treu.

2018 schaffte Aufsteiger Hannover 96 den Klassenverbleib, überraschend stiegen der HSV und Köln ab. Im Jahr darauf blieb Neuling Fortuna Düsseldorf in der Liga, ganz unten erwischte es den VfB Stuttgart. Vor der vergangenen Saison war Arminia Bielefeld Abstiegskandidat Nummer eins. Und wer stieg ab? Der FC Schalke 04 und Werder Bremen.

Jubel bei Aufsteiger VfL Bochum (von links Raman Chibsah, Milos Pantovic und Simon Zoller).
Jubel bei Aufsteiger VfL Bochum (von links Raman Chibsah, Milos Pantovic und Simon Zoller). | Bild: Tim Rehbein

In diesem Jahr gibt es für die Wettanbieter nur zwei logische Kellerkinder: Bochum und Fürth – aber auch diese Außenseiter bleiben erstklassig, weil sie in Ruhe ohne Druck und große Erwartungen am Klassenerhalt arbeiten können.

Stattdessen muss ein weiterer großer Name, mit dem niemand rechnet, bis zuletzt im Tabellenkeller zittern. Die wahrscheinlichsten Kandidaten: der 1. FC Köln, Hertha BSC und VfL Wolfsburg.

5. Am letzten Hinrunden-Spieltag tritt der VfB Stuttgart mit einer Rumpftruppe in Köln an

Wenige Tage vor dem Saisonstart haben die Rheinländer bekanntgegeben, dass ab dem zweiten Spieltag nur noch geimpfte und genesene Fans ins Stadion dürfen. Da ist es nur konsequent, dass sie im Lauf der Hinrunde ihre Regeln nochmals verschärfen.

Was das für die Schwaben bedeutet, hat sich im Testspiel gegen den FC Barcelona gezeigt. Da liefen nur acht Spieler aus dem VfB-Profikader auf, mehr als 20 fehlten aufgrund von Verletzungen, positiver Corona-Tests oder noch ausstehender Impfungen.

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Gut, dieses Szenario ist nicht sehr wahrscheinlich, aber vor einem Jahr hätte auch jeder mitleidsvolle Blicke geerntet, der behauptet hätte, dass im Sommer 2021 Bremen, Schalke und der HSV in der Zweiten Liga spielen, während es im Oberhaus zu Duellen zwischen Bielefeld, Fürth und Bochum kommt.