Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gleich mehrere Leipziger ihren Führungstreffer als Dosenöffner bezeichneten. Die Partie des von einem Brauseimperium stattlich alimentierten Tabellenzweiten beim SC Freiburg verlief lange auf Augenhöhe.

„Wir haben total gut verteidigt, haben total gut die Räume zugestellt. Wir haben super gearbeitet, es gab keine Torchancen“, sagte Trainer Christian Streich, dessen Team die Bullenherde tatsächlich fast eine Halbzeit lang gut in Schach hielt.

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Vier Minuten vor dem Pausenpfiff wurden die energisch pressenden Sachsen dann aber doch belohnt. Nach einem riskanten Pass von SC-Torhüter Florian Müller war der überragende Kevin Kampl schneller am Ball als Baptiste Santamaria und passte auf Yussuf Poulsen, der Christopher Nkunku bediente. 0:1 (41.). „Darauf habe ich gelauert“, sagte Kampl, „es freut mich, dass das der Dosenöffner war.“

Die Freiburger sind eine der effektivsten Mannschaften der Bundesliga. 71 Prozent ihrer Großchancen führten bislang zu einem Tor. Wenn sie aber gar nicht vor dem gegnerischen Kasten auftauchen, dann nützt auch die beste Quote nichts.

Immer wieder Kampl

Erst recht, wenn individuelle Fehler wie der von Müller vor dem 0:1 die eigene Disziplin sabotieren. Oder wie beim 0:2 (64.), als erneut Kampl die Füße im Spiel hatte. Dieses Mal nahm er Nicolas Höfler im Mittelfeld den Ball ab, passte auf Nkunku, der Torschütze Alexander Sörloth bediente. „Es ist eine meiner Stärken, die Passwege zu antizipieren“, erklärte Vorbereiter Kampl zufrieden.

Eine der Stärken des SC Freiburg ist in der Regel das gepflegte Aufbauspiel. Es ehrt die Breisgauer, dass sie auch gegen Spitzenmannschaften nicht auf Zerstörung aus sind. Dementsprechend fielen die Rechtfertigungen der Unglücksraben aus.

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„Es bringt ja nichts, wenn man den Ball nur nach vorne bolzt“, sagte Torhüter Müller, auf das 0:1 angesprochen. Ähnlich hörte sich Höfler an. „Wir wollen Fußball spielen“, erklärte der gebürtige Überlinger, „heute ist es in die Hose gegangen, weil wir es selber nicht gut gemacht haben, Leipzig aber auch extrem gut im Pressing ist.“

Die große Qualität im Kader der roten Bullen, die in einem gewagten Outfit aus Lila und Neonorange mit grellgelben Rückennummern auftraten, war im Wesentlichen auch der ausschlaggebende Grund dafür, dass die Sachsen nach zuletzt drei Niederlagen im Schwarzwaldstadion mal wieder beim SC Freiburg gewannen. „Wenn Leipzig so spielt, ist es schwierig, was zu holen. Das muss man einfach anerkennen“, gab Streich zu. „Daher bin ich auch relativ wenig enttäuscht.“

Sechster RB-Sieg in Serie

In der aktuellen Form sieht er die Sachsen gar als ernsthaften Konkurrenten für Rekordmeister Bayern München. „Am Ende haben wir, glaube ich, verdient gewonnen. Auch wenn es eine Geduldsfrage war, gerade in der ersten Halbzeit“, sagte RB-Trainer Julian Nagelsmann.

„So oft haben wir hier noch nicht gewonnen. Von daher sind wir glücklich.“ Beim sechsten Sieg seiner Mannschaft in Serie machte Emil Forsberg dann mit dem 3:0 in der 79. Minute alles klar.

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Ein bisschen könnte man sich an den Saisonstart erinnern, als den Freiburgern nach dem Auftakterfolg gegen Stuttgart neun Spiele lang kein Sieg gelang und sie selbst mit individuellen Fehlern Anteil an der Negativserie hatten. Inzwischen ist die Streich-Elf aber wesentlich gefestigter und belegt einen Platz im sicheren Mittelfeld.

Besser, ihnen unterlaufen solche Patzer gegen die beste Liga-Defensive als gegen Tabellennachbarn. Also Deckel drauf auf die Niederlage gegen die Brause-Elf aus Leipzig. Sie sind ja trotz der beiden Aussetzer keine Flaschen, die Freiburger.