Tennis könnte die erste Sportart sein, die wieder aus der Corona-Krise erwacht. Profi-Spieler dürfen wieder trainieren, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern erlauben seit montag auch Amateuren das Tennisspielen. Und am 1. Mai ist ein Show-Turnier mit Profi-Spielern im beschaulichen Höhr-Grenzhausen im Westerwaldkreis geplant – ohne Zuschauer versteht sich, dafür aber live im Internet zu sehen.

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Das soll aber nur der anfang sein, denn der Deutsche Tennis Bund (DTB) wartet nun mit einem Konzept einer Profi-Tennis-Serie auf. Einer der Macher ist DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff, der betont: „Wir wollen keine Sonderrechte, die Gesundheit steht im Vordergrund.“ Ihm gehe es vor allem darum, in der Zeit, in der es keine internationalen Profiturniere geben wird, den deutschen Tennis-Profis die Chance für Wettkampfpraxis zu geben. „Unter Berücksichtigung der Regeln wie Abstandhalten haben wir eine kreative Lösung gefunden“, erklärt Hordorff.

Hat sich für die Austragung einer Vor- oder Zwischenrunde der DTB-Turnierserie im Juni in Überlingen beworben: Markus Dufner von MCD Sportmarketing.
Hat sich für die Austragung einer Vor- oder Zwischenrunde der DTB-Turnierserie im Juni in Überlingen beworben: Markus Dufner von MCD Sportmarketing. | Bild: Reiner Jäckle

Eingeladen werden 32 Männer und 24 Frauen. Gespielt wird in Vierer-Gruppen jeweils jeder gegen jeden. In der Vorrunde spielen zwei Gruppen an einem Ort. Die Serie solle sechs Wochen lang dauern und nur wenige Reisen nötig machen. Bei den Partien stehen lediglich die jeweiligen Kontrahenten auf den Plätzen plus Schiedsrichter. Es gibt weder Zuschauer noch Ballkinder und Linienrichter. Dafür stellt der Verband pro Gruppe 10 000 Euro Preisgeld zur Verfügung, was den finanziell stark gebeutelten Tennis-Profis helfen soll. „Mit Jan-Lennard Struff und Philipp Kohlschreiber haben wir gesprochen, sie sind interessiert und haben ihre Bereitschaft bekundet“, berichtet Hordorff. Bei den Frauen sind Andrea Petkovic und Julia Görges ebenfalls bereits im Gespräch.

Es geht auch um den guten Zweck

„Die Spieler sollen Trainingsmatches auf hohem Niveau ohne Zuschauer und für den guten Zweck absolvieren können“, sagt der DTB-Vizepräsident weiter. Deshalb für den guten Zweck, weil die jeweiligen Veranstalter der Turniere in der Vor- und Zwischenrunde 5000 Euro sowie in der Endrunde 10 000 Euro an einen karitativen Zweck spenden müssen. Und auf der deutschen Landkarte der internationalen Tennisveranstalter taucht auch jedes Jahr Überlingen auf. Seit zwölf Jahren gibt es dort das Weltranglisten-Tennisturnier Überlingen Open. Turnierdirektor Markus Dufner von MCD Sportmarketing hat natürlich von den Plänen des DTB erfahren und bestätigte ein Telefonat mit Hordorff: „Natürlich ist für uns eine Austragung einer Vor- oder Zwischenrunde eine Alternative.“

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Nach ersten Gesprächen mit der Stadt, dem TC Überlingen und Sponsoren hat er sich für eine Bewerbung als Austragungsort entschieden. „Ein solches Turnier wäre für Überlingen eine große Chance, sich deutschlandweit zu präsentieren“, so Dufner und legt nach. „Ich bin sogar sicher, dass die Serie auch international intensiv verfolgt werden wird.“ Für ihn stehe aber der Gesundheitsaspekt auch ganz weit oben. „Allein die Chance, deutsche Spitzenspieler wie Kohlschreiber, Struff oder Dustin Brown an den Bodensee zu bekommen, macht die Austragung schon attraktiv“, so der Überlinger Turnierdirektor, der sich außerordentlich freuen würde, wenn es 16 Spiele an vier Tagen auf absoluten Top-Niveau geben würde.

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Die Überlinger Bewerbung ist jedenfalls fristgerecht beim DTB eingegangen. Insgesamt werden 17 Austragungsorte benötigt. Dufner rechnet sich realistische Chancen aus, einen Zuschlag zu bekommen. Allerdings sei das Interesse an Veranstaltern recht groß. Auch wenn die Partien lediglich im Internet gestreamt werden und eventuell sogar das Fernsehen mit einsteigen wird, wäre es sportlich sicherlich ein unvergessliches Ereignis, wenn Kohlschreiber, Struff oder Brown auf der Anlage des TC Überlingen aufschlagen würden.