Auch im zweiten Jahr will sich der etwas andere Verein aus Berlin in der Bundesliga behaupten. Mit der Verpflichtung von Max Kruse von Fenerbahce Istanbul gelang ein Transfercoup – der Ex-Nationalspieler bringt neben sportlicher Qualität auch Glamour in die Hauptstadt.

  • Passt Max Kruse zu Union Berlin?

    Vieles spricht dafür. Weder Verein noch Spieler passen in die üblichen Schubladen. Er habe sich für einen Verein entschieden, der für eine gewisse Kultur stehe, sagt der Stürmer. Dass der 32-Jährige trotz der beschränkten finanziellen Möglichkeiten bei den Eisernen gelandet ist, dürfte aber auch der Attraktivität der Metropole Berlin geschuldet sein.

    Das nicht immer wohlmeinende Presse-Echo zu seiner Verpflichtung („schnöseliger Ruf“, „Exzentriker“, Reizfigur“, „nicht immer solider Lebenswandel“, „wechselnde Lebensgefährtinnen“) schreckte die Union-Verantwortlichen ebenso wenig ab, wie Kruses allseits bekannte Vorlieben für Nussnougatcreme und lange Pokernächte – sie gaben Kruse das Trikot mit der Nummer 10. Das ist auch eine Verpflichtung. Mitspieler Florian Hübner sagt: „Er ist natürlich ein verrückter Vogel, aber das tut uns, glaube ich, auch mal gut.“ Und Kruse hat versprochen: „Ich bin nicht hier, um mich um das Nachtleben in Berlin zu kümmern. Ich bin hier, um Fußball zu spielen.“ Tun können wird er das aber frühestens im Oktober, weil ihn noch die Nachwirkungen einer Fußverletzung behindern.
Neuzugang Max Kruse
Neuzugang Max Kruse | Bild: dpa
  • Wie lief die Vorbereitung?

    Durchwachsen, vorsichtig gesagt. Beim Trainingslager in Bad Wörishofen kämpften die Spieler mit einem wenig tauglichen Trainingsplatz, von 30 Spielern waren zeitweise nur 18 einsatzfähig. Es klemmte vor allem im Angriff, weil neben Kruse auch Anthony Ujah und Akaki Gogia verletzt fehlten. So sind auch die Testspielergebnisse wie das 0:3 gegen den österreichischen Bundesliga-Letzten Swarovski Tirol und das 1:2 gegen den FC Köln zu erklären. Dass bei der 150 Kilometer langen Fahrt zum Test gegen Tirol bei 35 Grad Außentemperatur auch noch die Klimaanlage im Bus streikte, war ebenfalls nicht hilfreich. Offene Fragen um die lange fragliche Freigabe für Kruse oder einen möglichen Abgang von Neven Subotic waren weitere Störfaktoren.
  • Wer ist Gewinner des Torhüter-Tausches zwischen Union Berlin und Augsburg?

    Erste Hinweise bringt der erste Bundesliga-Spieltag, wenn Augsburg bei Union spielt. In Sachen Exzentrik gewinnt Augsburg, weil Rafael Gikiewicz den größeren Paradiesvogel-Faktor hat – er redet gerne viel und laut. Augsburgs Andreas Luthe wurde zuletzt nur einmal kurz laut, um Gerüchte zurückzuweisen, er habe bei den Diskussionen um Gehaltsverzicht in der Corina-Krise in Augsburg quergeschossen. Beide Keeper waren bei den Fans sehr beliebt, dennoch wollten beide Clubs sie nicht mit aller Macht halten. Sportlich könnte der Tausch unentschieden enden.
Wechselte von Augsburg zu den Eisernen: Andreas Luthe.
Wechselte von Augsburg zu den Eisernen: Andreas Luthe. | Bild: dpa
  • Was gibt es bei Union sportlich Neues?

    Der dritte große personelle Umbruch in drei Jahren – da bleibt sich Union treu. Max Kruse könnte auf der Zehnerposition oder als hängende Spitze das Spiel der Köpenicker grundlegend verändern.

    Vor allem aber soll er für Tore sorgen – vergangene Saison erzielten nur die beiden Absteiger und Schalke weniger Treffer als die Eisernen. Der lange Ball wird aber auch weiterhin in der Alten Försterei gepflegt. „Wir werden uns den nicht verkneifen, er wird auch in der neuen Saison ein Mittel bleiben. Wir waren damit erfolgreich und wären blöd, wen wir das nicht machen würden“, sagt Kapitän Christoph Trimmel, der wie kein anderer im Team die Spieleröffnung mit präzisen langen Bällen pflegt.
Bild: Bernhardt, Alexander
  • Spielt Union tatsächlich zu Saisonbeginn vor einem vollen Stadion?

    Was die Politik in den letzten Tagen verkündete, macht wenig Hoffnung, auch wenn die Eisernen eisern darum kämpfen, eigene Coronatests anzubieten, um in der Alten Försterei vor 20 000 Zuschauern spielen zu können. Aber die Menschen werden sich zu Recht fragen, ob Tausende Tests für Berufsgruppen wie Pfleger, Lehrer und Busfahrer nicht wichtiger sind als für Fußballfans.

Zugänge: Max Kruse (Fenerbahce Istanbul/ablösefrei), Robin Knoche (VfL Wolfsburg/ablösefrei), Andreas Luthe (FC Augsburg/ablösefrei), Cedric Teuchert (FC Schalke 04/Ablöse unbekannt), Nico Schlotterbeck (SC Freiburg, Leihe), Keita Endo (Yokohama F. Marinos, Leihe), Niko Gießelmann (Fort. Düsseldorf/ablösefrei), Sebastian Griesbeck (FC Heidenheim/ablösefrei), Marius Bülter (SC Magdeburg/1,5 Mio Euro/nach Leihe), Lars Dietz (Viktoria Köln, Leihe beendet), Tim Maciejewski (eigene U19), Lennart Moser (Cercle Brügge, Leihe beendet), Nicolai Rapp (SV Darmstadt 98, Leihe beendet), Berkan Taz (Energie Cottbus, Leihe beendet).

Abgänge: Rafal Gikiewicz (FC Augsburg/ablösefrei), Suleiman Abdullahi (Eintr. Braunschweig, Leihe), Moritz Nicolas (Bor. Mönchengladbach, Leihe vorzeitig beendet), Florian Flecker (Würzburger Kickers/Ablöse unbekannt), Lennard Maloney (Bor. Dortmund U23), Julius Kade (Dynamo Dresden), Laurenz Dehl (Hallescher FC, Leihe), Maurice Opfermann (vereinslos), Yunus Malli (VfL Wolfsburg, Leihe beendet), Michael Parensen (Karriereende), Sebastian Polter (Fortuna Sittard/ ablösefrei), Ken Reichel (VfL Osnabrück/ablösefrei), Keven Schlotterbeck (SC Freiburg, Leihe beendet), Manuel Schmiedebach (vereinslos)