Vor etwa 8000 Besuchern – darunter etwa 1000 geladenen Gästen und Bundeskanzler Olaf Scholz – würdigten Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher, DFB-Präsident Bernd Neuendorf, HSV-Sportvorstand Jonas Boldt und Schauspieler und Seeler-Freund Olli Dittrich „Uns Uwe“ am Mittwoch in ihren Reden im Hamburger Volksparkstation.

Auch Schleswig-Holstein Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nehmen im Volksparkstadion Abschied ...
Auch Schleswig-Holstein Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nehmen im Volksparkstadion Abschied von Uwe Seeler. | Bild: Christian Charisius/dpa

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Jazz-Pianist Joja Wendt und dem Seemannschor Hamburg. Neben zwei riesigen gesprühten Bildnissen Seelers auf dem Rasen des Volksparkstadions, die ihn als Torjäger in Aktion mit der Unterschrift „Uns Uwe“ zeigten, war ein Podium für die Redner aufgebaut.

Vor dem Stadion haben Fans Blumen und Kerzen um Uwe Seelers Bronzefuß herum aufgestellt.
Vor dem Stadion haben Fans Blumen und Kerzen um Uwe Seelers Bronzefuß herum aufgestellt. | Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

Neben HSV-Altstars wie Willi Schulz, Felix Magath oder Uli Stein waren unter anderen auch Bundestrainer Hansi Flick, DFB-Direktor Oliver Bierhoff, Bayern Münchens Vorstandschef Oliver Kahn sowie die ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel nach Hamburg gekommen.

HSV-Trainer Tim Walter (vorn r.) sitzt mit seinem Trainerstab und der Mannschaft vor der Trauerfeier auf der Tribüne.
HSV-Trainer Tim Walter (vorn r.) sitzt mit seinem Trainerstab und der Mannschaft vor der Trauerfeier auf der Tribüne. | Bild: Christian Charisius, dpa

Gäste würdigen Uwe Seeler

Bürgermeister Peter Tschentscher würdigte Hamburgs Fußball-Idol Uwe Seeler als sportliches und menschliches Vorbild. Er hob neben Seelers sportlichen Erfolgen dessen Heimatverbundenheit, Bodenständigkeit und karitatives Engagement hervor.

Peter Tschentscher (Zweiter von links), Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, kommt zu der Trauerfeier.
Peter Tschentscher (Zweiter von links), Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, kommt zu der Trauerfeier. | Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

„Uwe Seeler trug die Raute und seine Heimat im Herzen“, sagte Tschentscher. „Als Identifikationsfigur hat er den Sport in unserer Stadt geprägt und Generationen junger Leute inspiriert. Er engagierte sich in karitativen Projekten und zahlreichen Ehrenämtern.“

Oliver Kahn, Vorstandsvorsitzender von FC Bayern München, im Stadion.
Oliver Kahn, Vorstandsvorsitzender von FC Bayern München, im Stadion. | Bild: Christian Charisius, dpa

Seeler sei zur „Legende des Fußballsports“ geworden. „Sein Andenken geht aber weit über den Fußball hinaus. Mit seiner Bodenständigkeit, mit seiner Nahbarkeit und Ehrlichkeit war er auch menschlich ein großes Vorbild“, sagte der Bürgermeister. „Er verkörpert die besten und wichtigsten Werte, als Sportler und als Mensch.“

Am Rande der Trauerfeier nannte auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff Seeler einen besonderen Menschen. Er hatte den einstigen Weltklassestürmer des Hamburger SV häufiger als Mitglied in der Delegation der Nationalmannschaft dabei, erzählte Bierhoff vor der Veranstaltung im NDR-Fernsehen.

Musiker Joja Wendt und der Seemannschor Hamburg spielen das Lied „Hammonia“.
Musiker Joja Wendt und der Seemannschor Hamburg spielen das Lied „Hammonia“. | Bild: Christian Charisius/dpa

„Er war immer ein Sonnenschein. Er war nie schlecht gelaunt. Es war unglaublich, wie er immer positiven Geist hereingebracht hat“, berichtete der 54-Jährige. Der frühere HSV-Torjäger und heutige Nachwuchschef Horst Hrubesch meinte über Seeler: „Er war auch als Mensch Weltklasse.“

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Laut DFB-Präsident Bernd Neuendorf ist die heutige Bedeutung und das internationale Ansehen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ohne Uwe Seeler kaum vorstellbar gewesen. „Uwe Seeler, Ehrenspielführer des Nationalteams, schlug die Brücke zwischen den weltmeisterlichen Generationen von 1954 und 1974, zwischen Fritz Walter und Franz Beckenbauer“, sagte Neuendorf bei der Trauerfeier.

„Bescheiden, bodenständig und nahbar“

Der frühere Torjäger habe keinen großen Titel im Trikot der Nationalmannschaft geholt, aber: „Uwe Seeler brauchte keinen Titel, um zu einem Idol zu werden“, sagte Neuendorf. „Uwe Seeler ist dennoch einer der Größten, er hätte jede Trophäe verdient gehabt.“ Den größten Titel von allen könne man überhaupt nicht gewinnen, er werde einem verliehen.

Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB) würdigte Uwe Seeler im Stadion.
Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB) würdigte Uwe Seeler im Stadion. | Bild: Christian Charisius/dpa

„Von den Menschen, von den Fans, und er kommt von Herzen und er verblasst nicht“, sagte Neuendorf. Dieser Titel sei „Uns Uwe“. Er habe ihn mit Stolz getragen und sei für ihn eine Bestätigung gewesen, so zu bleiben, wie er war. „Bescheiden, bodenständig und nahbar – ohne Allüren und Kapriolen.“

Dabei erwähnte Neuendorf auch Seelers faires Verhalten nach der bitteren Niederlage im Wembley-Finale von 1966. „Uwe Seeler und seine Mannschaftskameraden haben (...) mit ihrem Verhalten und Auftreten das Bild unseres Landes in England und vielleicht auch darüber hinaus verändert“, sagte der DFB-Boss.

Olli Dittrich, Comedian und Freund der Familie Seeler, hält seine Trauerrede.
Olli Dittrich, Comedian und Freund der Familie Seeler, hält seine Trauerrede. | Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

Der Komiker und Freund der Familie Seeler, Olli Dittrich, hielt auf Wunsch der Familie im Stadion die Trauerrede. Sie wurde vom Pianisten Joja Wendt und dem Hamburger Seemannschor musikalisch umrahmt.

Kanzler Scholz von Trauer gerührt

Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich „ganz gerührt“ vom Abschied von Uwe Seeler auf der Trauerfeier zum Tod der Fußball-Legende im Hamburger Volksparkstadion. „Für mich ist das Tollste an Uwe Seeler, dass er so normal geblieben ist und so geerdet. Das ‚Uns Uwe‘, das kommt nicht von ungefähr. Das ist tief aus ihm heraus gewachsen“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch. Er habe gerne mit Seeler „geschnackt“. Seeler sei jemand gewesen, „den ich gern getroffen habe“, meinte Scholz.

Fans verfolgen die Trauerfeier auf der Tribüne.
Fans verfolgen die Trauerfeier auf der Tribüne. | Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

Seeler war am 21. Juli im Alter von 85 Jahren gestorben. Der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft und Hamburger Ehrenbürger war bereits am vergangenen Donnerstag auf dem Ohlsdorfer Friedhof im engsten Familienkreis beigesetzt worden. Seeler gilt als größter Spieler des Hamburger SV. Er war zu seiner Zeit einer der weltbesten Stürmer. (dpa)