Oft haben Gastspiele von Top-Clubs in der Provinz ein „Gschmäckle“, erweisen sich die Teams, die auflaufen, als Mogelpackungen. Zwar war dies am Samstag beim Auftritt der Münchner Bayern gegen den 1. FC Köln in der Villinger MS-Technologie-Arena ebenfalls der Fall, doch der neue Star beim Rekordmeister sitzt ja ohnehin auf der Bank: Julian Nagelsmann. Mit einer Ablöse von geschätzten 25 Millionen Euro setzte der FC Bayern auch auf dem Trainermarkt eine Topmarke.

Stets schwingt bei solch einer Personalie die Frage mit, ob der Auserwählte der Richtige für das sensible Münchner Starensemble ist. Beim FC Bayern ist der Druck immer groß, erwartet man stets Titel und – klar ins Aufgabenheft des Chef-Coaches diktiert – die Entwicklung junger Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Ein frommer, aber logischer Wunsch in Zeiten, in denen Scheich- und Oligarchen-Millionen den Transfermarkt dominieren.

Für Xaver Zembrod (Dritter von rechts) war das Gastspiel des FC Bayern München in Villingen fast ein Heimspiel. Der gebürtige Pfullendorfer und Ex-Spieler des SCP wechselte als Assistent von Cheftrainer Julian Nagelsmann (rechts) von RB Leipzig zum Rekordmeister.
Für Xaver Zembrod (Dritter von rechts) war das Gastspiel des FC Bayern München in Villingen fast ein Heimspiel. Der gebürtige Pfullendorfer und Ex-Spieler des SCP wechselte als Assistent von Cheftrainer Julian Nagelsmann (rechts) von RB Leipzig zum Rekordmeister. | Bild: Jürgen Rössler

Samstag, 16 Uhr in der Villinger MS-Technologie-Arena: Debüt für Nagelsmann auf der Bayern-Trainerbank. Und für seinen aus Leipzig mitgekommenen Co-Trainer, den Pfullendorfer Xaver Zembrod. Gibt es hier schon erste Zeichen zu entdecken, wie Nagelsmann agiert? Über seinen Umgang mit den Stars kann noch gar nichts gesagt werden. Sie fehlten – EM-bedingt nicht überraschend. Da konnte sich der Shootingstar der Trainerszene, der einst bei den Münchner Löwen kickte und 2016 bei der TSG Hoffenheim als jüngster Bundesligatrainer durchstartete, vor allem als Förderer des Nachwuchses präsentieren.

Zweikampf im Testspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Bayern München in Villingen.
Zweikampf im Testspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Bayern München in Villingen. | Bild: Hahne, Joachim

„Ich habe einige gesehen, die sich Hoffnungen machen dürfen“, fasste Nagelsmann seine Eindrücke nach der 2:3 (2:2)-Niederlage gegen den „Gerade-Noch-Bundesligisten“ 1.FC Köln zusammen. Und schob gleich nach: „Aber bald wird die Konkurrenz im Kader eine andere sein!“ Schaut man auf das Personal, das dem 33-Jährigen in Villingen zur Verfügung stand, dann gab es neben Neuzugang Dayot Upamecano nur wenige illustre Namen. Wenn Maxim Choupo-Moting vor und Bouna Sarr nach der Pause die Spielführerbinde tragen, ist schon viel gesagt.

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann gibt kurz vor dem Anpfiff noch ein Interview.
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann gibt kurz vor dem Anpfiff noch ein Interview. | Bild: Feißt, Werner

Offen blieb daher, wie Nagelsmann eine Schlüsselaufgabe angehen wird, die Stabilisierung der Abwehr. Im Vorjahr schon Sorgenkind, durch die Abgänge von Alaba, Boateng und Martinez nochmals deutlich geschwächt, kommen nun noch die Verletzungen von Alphonso Davies und Lucas Hernandez sowie die Formschwäche von Niklas Süle hinzu. Zumindest die ersten 15 Minuten in Villingen zeigten einen Ansatz: den Ball durch frühes Pressing vom eigenen Tor fernhalten. „Höher, Armindo, Druck!“, war der erste Nagelsmann-Zuruf. Der so angetriebene 18-jährige Armindo Sieb ließ dann auch das frühe 1:0 (6.) folgen. Dass es nach den Kölner Treffern von Jan Thielmann (20.) und Mark Uth (27./56.) trotz des 2:2 von Joshua Zirkzee (34.) am Ende mit dem erfolgreichen Debüt nichts wurde, nahm Nagelsmann gelassen: „Natürlich will man beim FC Bayern jedes Spiel gewinnen, aber man muss eben auch sehen, welchen Kader man hat. Das ist daher verschmerzbar.“

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Der Stimmung in Villingen tat das Fehlen der Bayern-Stars keinen Abbruch, zumal es bei den 6000 Zuschauern ohnehin eher nach einem Heimspiel der Kölner Geißböcke aussah. Und die boten mit Timo Horn, Jonas Hector sowie Rückkehrer und Doppeltorschütze Uth das volle Programm.

Marc Roca im Pech

Nicht mit dabei in Villingen war übrigens Marc Roca. Nach einem Jahr beim Deutschen Meister, das alles andere als glücklich verlief, scheint das Pech dem als hochbegabt eingestuften Bayern-Spieler weiter am Kickschuh zu kleben. Nach seinem Wechsel von Espanyol Barcelona zum FC Bayern vor einem Jahr hatte der 24-jährige Mittelfeldspieler immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und tat sich danach schwer, sich einen Platz im Team zu erkämpfen.

Er nahm seine Rolle im Starensemble ohne Murren an, trainierte nun aber in der Sommerpause in seiner Freizeit und wollte die Vorbereitungsphase ohne Stars nutzen, um sich präsentieren zu können. Doch dann, kurz vor dem Bayern-Gastspiel in Villingen, verletzte sich der Spanier im Training. Diagnose: Außenbandriss am Sprunggelenk, mindestens sechs bis acht Wochen Pause. Und dann sind die Bayern-Asse auch wieder präsent.