„Hier im Europapark-Stadion ist es viel besser“, zeigt sich Alexander hochzufrieden mit dem Umzug seines Lieblingsvereins von der Schwarzwaldstraße in die Nachbarschaft des Freiburger Flughafens. Denn in der neuen Heimstätte des SC Freiburgs kommt er ohne Stufen zu seinem Platz, von wo aus er einen hervorragenden Überblick über das Spielgeschehen hat. Der stufenfreie Zugang ist für Alexander wichtig, denn er ist Rollstuhlfahrer.

Freie Sicht und unter Dach: Früher waren die SC-Fans, die auf einen Rollstuhl angewiesen waren, direkt hinter die Spielfeldabgrenzung ...
Freie Sicht und unter Dach: Früher waren die SC-Fans, die auf einen Rollstuhl angewiesen waren, direkt hinter die Spielfeldabgrenzung platziert. Im neuen Europa-Park-Stadion kommen sie ohne Stufen direkt an Plätze mit guter Sicht auf das Feld. | Bild: Jürgen Rössler

Früher, im Stadion an der Dreisam, war es viel enger im Bereich für Rollstuhlfahrer – und bei Regen nass. „Man hat eine sehr gute Sicht und man sitzt trocken“, schätzt auch Dani die neuen Plätze für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Eine deutliche Verbesserung

Auf halber Höhe der Ränge zieht sich der Umlauf durch das Stadionrund und dort sind nun die unkompliziert zu erreichenden Plätze für Rollstuhlfahrer, 144 an der Zahl. Und – ebenfalls eine deutliche Verbesserung – nun sind auch Sitzplätze für Begleitpersonen vorhanden. So kann Dani mit ihrem Mann und ihrem Sohn gemeinsam das Stadion besuchen, was früher nicht immer funktionierte, denn bei Topspielen wurde es auch mal eng.

Am vergangenen Samstag, rund um das SC-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, veranstaltete der SC einen Aktionstag rund um das Thema Inklusion. Aber braucht es dazu einen Aktionstag, sollte das nicht Stadionalltag sein? „Grundsätzlich schon“, bestätigt auch Tobias Rauber, beim Bundesligisten für gesellschaftliches Engagement zuständig.

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Schon allein die Tatsache, dass es solch eine Position gibt, zeigt, dass man beim detailverliebten Club nicht nur einen Blick für die optimierte Punktausbeute der Bundesligaprofis hat, sondern sich auch um gesellschaftliche Belange kümmert.

Die beiden Blinden-Reporter Mario Ködel (links) und Michael Späth kommentieren sehr detailliert jede Situation einer Partie und aus ...
Die beiden Blinden-Reporter Mario Ködel (links) und Michael Späth kommentieren sehr detailliert jede Situation einer Partie und aus Fanperspektive. | Bild: Jürgen Rössler

Der Radioservice für Sehbehinderte ist von der DFL vorgeschrieben, beim SC wird er aber mit viel Herzblut umgesetzt. Mario Ködel und Stefan Späth schildern jede Ballbewegung, sodass auch sehbehinderte Fans mitfiebern können. „Das ist viel mehr, als zu Hause am Radio zu sitzen“, umschreiben die beiden ihr Angebot: „Auch wenn man nicht alles vom Spiel sieht, kann man hier die Atmosphäre genießen, die Energie im Stadion fühlen und mitjubeln!“ Kein gewöhnliches Radio also und über das Streaming-Angebot auch außerhalb des Stadions abrufbar.

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Auch in Sachen Rollstuhlfreundlichkeit ist der SC Freiburg hier nicht unbedingt als Pionier zu sehen, doch während es beim schrittweisen Ausbau des alten Stadions vorwiegend um die Steigerung der Kapazität ging, konnte man beim Neubau die Belange für Menschen mit Handicap von Anfang an einplanen. „Sie haben sich hier viel Mühe gegeben“, lobt auch Dani die neue Umgebung, auch wenn sie einräumt, dass das Dreisam-Stadion durchaus Charme hatte. „Das Thema wurde von Anfang an mitgedacht“, bestätigt Rauber, dass man dies fest im Blick hatte.

Sportangebote für Kinder und Jugendliche

Im Breisgau geht das Engagement im Bereich Inklusion auch über Stadion und Spieltag hinaus, mit Bewegungs- und Sportangeboten für Kinder und Jugendliche mit Behinderung etwa. Und schon bald braucht man keinen Aktionstag, um auf das Angebot aufmerksam zu machen – da ist das selbstverständlich. „Denn auch für uns als Verein“, weiß Rauber, „ist ein solcher Aktionsspieltag eine hervorragende Möglichkeit zu testen, wie wir das Thema Inklusion in Spieltagsabläufe und in unsere internen Strukturen noch besser implementieren können.“