Manchmal wird ein Fußballspiel auf eine einzige Szene reduziert. Zum Beispiel am Samstag in Freiburg. Die vierte und letzte Minute der von Schiedsrichter Frank Willenborg verfügten Nachspielzeit ist gerade angebrochen, als im Mittelfeld Hoffenheims Kevin Vogt den Freiburger Lucas Höler bei der Ballannahme stört. Allerdings nicht fair, sondern mit einem kräftigen Zug am Trikot. Höler verliert die Kontrolle über die Kugel, klarer Fall, Foul, Freistoß für Freiburg. Nicht aber für Willenborg, der Unparteiische lässt weiterspielen, pfeift Sekunden später Freistoß für Hoffenheim, nachdem Janik Haberer gegen Sebastian Rudy gehakelt hatte. Aus diesem Freistoß entsteht dann ein Eckball und aus diesem Eckball das entscheidende Tor zum 2:1 für die Nordbadener durch Chris Richards.

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Wenig später ist Schluss mit Kicken, dafür Zeit für Diskussionen. Christian Streich baut sich auf dem Rasen vor dem Schiedsrichtergespann auf, zupft mehrfach an seiner dunkelblauen Jacke. Da, schaut her, so hat der Vogt den Höler bearbeitet, klares Foul, Freistoß für uns. Es ist im Prinzip eine sinnlose Aktion, weil sie am schlechten Ergebnis nichts ändern kann, allenfalls fürs eigene, in Wallung geratene Gemüt mag sie als Möglichkeit des Dampfablassens hilfreich sein. Die Auskunft, die er vom Sportsfreund Willenborg erhält, ist denn auch nicht geeignet, die Empörung des Freiburger Trainers auch nur ein wenig abzumildern. „Der Lucas Höler wird runtergerissen, er steht daneben und sagt, er hat‘s nicht gesehen“, berichtet Streich und ergänzt: „Alles was recht ist, das ist Wahnsinn, eine Katastrophe. Es muss Freistoß geben für uns und dann geht‘s unentschieden aus, was gerecht gewesen wäre.“ Nun kommt es ja immer wieder mal vor, dass der Fußball nichts übrig hat für Gerechtigkeitsgefühle, aber wenn der Schiedsrichter dafür die Verantwortung trägt, ist es am unschönsten. „Er hat‘s nicht gesehen“, wiederholt Streich, „und wenn er‘s nicht gesehen hat, dann hat er‘s nicht gesehen.“ Das ist Sarkasmus pur, weil für den SC-Coach nicht nachvollziehbar ist, dass selbst draußen am Spielfeldrand alle das Foul von Vogt erkannt hatten, nur der nicht, der freie Sicht hatte aus gerade mal drei Metern Entfernung. Blackout? Sekundenschlaf? Müdigkeit? Augenprobleme? Um eine Freiburger Wahrnehmungsstörung handelt es sich jedenfalls nicht. Wie meinte doch Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß: „Ich muss da Christian Streich Recht geben.“

Viele vergebene Chancen

Ein 1:1 wäre also das richtige Ergebnis gewesen am Ende eines zwar nicht hochklassigen, aber doch unterhaltsamen Fußballspiels. Unabhängig vom aus Freiburger Sicht negativen Aufreger des Tages bleibt festzuhalten, dass die Mannschaft von Christian Streich die Partie aus eigener Kraft für sich hätte entscheiden können. Dann nämlich, wenn sie aus drei hochkarätigen Chancen wenigstens einen Treffer gemacht hätte. Die erste: Kevin Schade schießt in Minute 25 aus fünf Metern Entfernung Hoffenheims Torwart Oliver Baumann gegen den rechten Fuß. Die zweite: Vincenzo Grifo scheitert nach einer Stunde mit einem Foulelfmeter an Baumann. Und die dritte, die finale: Lukas Kübler bringt fünf Minuten vor Schluss den Ball aus fünf Metern auch nicht an Baumann vorbei. Jeder für sich aus diesem Trio hätte den Sportclub mit 2:1 in Führung bringen und dafür sorgen können, dass der Fußballnachmittag ein gutes statt bitteres Ende nimmt.

Bitteres Ende

„Wenn wir das 2:1 geschafft hätten“, glaubt Kapitän Christian Günter, der in seinem 250. Bundesligaspiel natürlich gerne als Sieger vom Platz gegangen wäre, „dann hätten wir sicher nicht mehr verloren.“ Ja, womöglich oder wahrscheinlich sogar gewonnen. So aber kamen Vogt und Willenborg. Und der Wahnsinn.