Ein blau-weißes Trikot und ein blaues Polo-Shirt, beide mit dem markanten S-Logo: Dass Patrick Leisinger und Bastian Hirling in den vergangenen Wochen wenig Freude an der Bundesliga hatten, verrät auf den ersten Blick das Outfit der beiden. Als Fans des FC Schalke 04 blieb ihnen in turbulenten Zeiten auch sportlich nichts erspart. „Das tat einfach nur weh“, sagt Hirling über die Bundesliga-Rückrunde und schüttelt den Kopf.

Derby-Niederlage zur Rückkehr aus der Pause

Auch Leisinger kann nichts Positives finden, hat der Einstieg seines Vereins nach der Corona-Zwangspause doch doppelt weh getan: 0:4-Derbyniederlage gegen Dortmund – das hat Schmerzen in der Schalker Fan-Seele hinterlassen. „Dass nicht gekämpft wurde, war schlimmer als die hohe Niederlage“, sagt Leisinger. Stumm pflichtet ihm Hirling bei.

Schalke Fans aus Süddeutschland

Dass beide nicht nur blau-weiße Fan-Kleidung, sondern auch Blau-Weiß im Herzen tragen, spürt man schnell. Doch wie kommt es, dass zwei Vollblut-Schalke-Fans in Radolfzell gelandet sind? „Keine Besonderheit“, meint Hirling. „In Süddeutschland gibt es viele Schalke-Fans“, sagt er und verweist dabei auf Fanclubs im Schwarzwald oder auf der anderen Seeseite.

Die Gründungsurkunde der „Schalke Freunde Blau-Weiß Bodensee“ in der Pinte, dem Fan-Treffpunkt der Schalke Fans.
Die Gründungsurkunde der „Schalke Freunde Blau-Weiß Bodensee“ in der Pinte, dem Fan-Treffpunkt der Schalke Fans. | Bild: privat

Er selbst ist Vorstand des Radolfzeller Fanclubs „Schalke Freunde Blau-Weiß Bodensee„. Patrick Leisinger ist Organisator des Clubs und Gründungsmitglied. Er war dabei, als am 4. April 2004 der Fanclub im Hotel „Zur Schmiede“ in Radolfzell ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile zählt der Verein 63 Mitglieder – immer wieder stoßen neue dazu, erklärt Hirling: „Die meisten finden uns über Facebook„.

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Alles Exil-Gelsenkirchener? Mitnichten, betonen beide. Doch warum Schalke, wenn vor der Haustüre die Vereine Stuttgart und Freiburg liegen? „Ich war als Jugendlicher bei einem Spiel auf Schalke mit dabei. Das hat alles verändert“, erklärt Hirling. In Gelsenkirchen, „da wird der Fußball ganz anders gelebt“, schwärmt der 34-Jährige. Wer aus Süddeutschland kommt und im Pott ein Fußball-Spiel anschaut, der muss einfach Fan werden – da sind sich Leisinger und Hirling einig.

Eingang zur Pinte des Schalker Fanclubs „Schalke Freunde Blau-Weiß Bodensee“ in Radolfzell. In der umgebauten Garage treffen sich die Vereinsmitglieder.
Eingang zur Pinte des Schalker Fanclubs „Schalke Freunde Blau-Weiß Bodensee“ in Radolfzell. In der umgebauten Garage treffen sich die Vereinsmitglieder. | Bild: privat
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Ein ausgeschnittener Zeitungsartikel über die Hilfe von Rudi Assauer für „Blau-Weißen Jungs vom Bodensee“.
Ein ausgeschnittener Zeitungsartikel über die Hilfe von Rudi Assauer für „Blau-Weißen Jungs vom Bodensee“. | Bild: privat

Dass ein anderer Ruhrpott-Verein, der mit dem schwarz-gelben Trikot, dessen Namen Hirling und Leisinger nicht in ihren kühnsten Träumen aussprechen würden, derzeit besser dasteht? Geschenkt. Blau-Weiß ist die Farbe ihrer Wahl. Mit Dortmund hat man da nichts zu tun.

Keine Rufnummer mit 09

Das geht soweit, dass die 09, die im Logo von Dortmund verankert ist, nichts im Leben der Schalke-Fans zu suchen hat. So bekam Hirling mal eine Handynummer zugewiesen, die die Kombination 09 enthielt. „Da hab ich gleich gesagt, dass das nicht geht“, sagt Hirling und lacht.

Dass es derzeit nicht so gut läuft, ist also zu verschmerzen. Schließlich haben beide auch schöne Zeiten erlebt, wie sie sich erinnern. Das 4:4 im Ruhrpott-Derby 2017 zum Beispiel, in dem Schalke sich ins Spiel zurückgekämpft hatte. Oder der 5:2-Sieg gegen Inter Mailand im Viertelfinale der Champions League 2011., wie sich Leisinger an einen seiner persönlichen Höhepunkte mit dem Verein erinnert.

Alle Auswärtsspiele mitgemacht

Auch Hirling kann da von schönen Zeiten berichten. So hat er in der Saison 2007/2008 alle Auswärtsspiele der Königsblauen live im Stadion begleitet. Als Belohnung bekam er wie alle Fans ein exklusives T-Shirt, das nur diejenigen bekommen haben, die die Mannschaft komplett durch die Republik begleitet haben.

Unterstützung vor Ort oder in der Garage

Unterstützen werden sie ihren Verein also auch weiterhin, das sei schließlich keine Frage. Sei es in der zu einem Fan-Treffpunkt umgebauten Garage, ihrer Pinte.

Nicole Erbes hinter der Theke in der Pinte.
Nicole Erbes hinter der Theke in der Pinte. | Bild: privat

Oder eben einmal in der Saison direkt vor Ort, in Gelsenkirchen, wenn der Fanclub sich gemeinsam mit dem Bus auf die Reise begibt. Vielleicht schon wieder im nächsten Jahr, wenn tatsächlich wieder Zuschauer in den Stadien zugelassen werden. Und der FC Schalke 04 sich wieder über die Unterstützung seiner Fans freuen darf – wie die der Schalke Freunde vom knapp 600 Kilometer entfernten Radolfzell am Bodensee.