Auch im 17. Anlauf gelang es dem SC Freiburg nicht, das Auftaktspiel einer Bundesliga-Saison zu gewinnen. Wird diese schwarze Serie langsam zum Fluch?

Ich habe, ehrlich gesagt, erst nach dem Spiel von dieser Serie gehört und weiß auch nicht, woran es liegt. Aber das ist schon heftig, wenn man das liest. Wir haben gegen Frankfurt sicherlich ein gutes Spiel gemacht, aber leider unsere vielen Chancen nicht genutzt.

Was hat gegen Frankfurt noch gefehlt, um erfolgreich zu sein?

Läuferisch haben wir eine gute Leistung gezeigt und auch spielerisch vieles richtig gemacht. Gerade bei den beiden Gegentoren hat aber beim Verteidigen die letzte Konsequenz gefehlt. Wir haben es der Eintracht zu leicht gemacht und uns mit drei, vier Pässen ausspielen lassen. Das müssen wir abstellen. Unser nächster Gegner Hoffenheim ist ein noch größeres Kaliber als Frankfurt.

Mit Dominique Heintz, Jerome Gondorf und Luca Waldschmidt hat Freiburg im Sommer gleich drei Spieler geholt, die den Durchbruch in der Bundesliga bereits geschafft haben. Was ist mit dieser Mannschaft möglich?

Unser oberstes Ziel ist es natürlich, die Klasse zu halten. Ich gehe davon aus, dass es auch in dieser Saison wieder ein harter Kampf bis zum Schluss wird. Die Liga ist sehr ausgeglichen.

In der letzten Saison haben Sie in 39 Pflichtspielen keine Minute verpasst. Waren Sie nie überspielt?

Um ehrlich zu sein, gab es schon auch Phasen, in denen ich müde war, gerade unter der Woche. Ich habe es jedoch immer wieder geschafft, zu den Spielen wieder fit und spritzig zu sein. Jeder Fußballer freut sich, wenn er viele Spiele machen darf, aber am Ende habe ich die Pause schon herbeigesehnt.

Im Sommer haben Sie Ihren Vertrag beim Sport-Club verlängert. Auch andere Vereine, wie der FC Schalke 04, sollen an Ihnen interessiert gewesen sein. Was gab den Ausschlag, in Freiburg zu bleiben?

Das Gesamtpaket stimmt hier schon seit Jahren. Ich habe früh gesehen, dass wir für die neue Saison wieder eine schlagkräftige Truppe zusammenbekommen, mit der in der Liga viel möglich ist. Außerdem brauche ich von Freiburg aus nicht lange nach Hause. Das ist ein großes Gut, das nicht viele Spieler haben. Was die Zukunft bringt, wird man sehen. Ich habe zwar einen längerfristigen Vertrag unterschrieben, aber im Fußball weiß man nie, was passieren wird. Ich habe jedoch das Gefühl, dass ich mich hier noch weiterentwickeln kann.

Sie haben die Kapitänsbinde schon ein paar Mal getragen und wurden wieder zum stellvertretenden Spielführer gewählt. Was bedeutet es für Sie, Verantwortung zu übernehmen?

Es geht darum, in schwierigen Situationen kühlen Kopf zu bewahren. Auch wenn ich selbst noch nicht so alt bin, will ich den jungen Spielern helfen, sich in die Mannschaft zu integrieren. Ich möchte meinen Mitspielern helfen, auf und neben dem Platz. Für mich ist es von Vorteil, dass ich schon länger hier bin und alles kenne. Wir haben in Freiburg aber nicht nur einen Spieler, der Verantwortung übernimmt, sondern einen sehr guten Mannschaftsrat.

Inwieweit ist das Thema Nationalmannschaft für Sie noch aktuell?

Damit beschäftige ich mich nicht. Wenn der Bundestrainer Bedarf und das Gefühl hat, dass ich der Mannschaft helfen kann, würde ich mich natürlich freuen. Ich durfte bereits einmal für die Nationalmannschaft auflaufen. Das war ein tolles Erlebnis, das ich gerne noch einmal genießen würde. Ich kann es aber nur insofern beeinflussen, als dass ich in Freiburg gute Leistungen bringe.

Steigen wir von der Bundesliga sieben Klassen tiefer in die Bezirksliga: Inwiefern verfolgen Sie noch die Spiele Ihres Heimatvereins FV Tennenbronn?

Wenn es passt, fahre ich nach Hause, um die Spiele vor Ort zu verfolgen. Viele meiner Freunde und Cousins spielen noch dort. Wenn ich nicht persönlich hin kann, beauftrage ich immer jemanden, dass er mir einen Liveticker schickt und will stets wissen, was passiert und wer die Tore schießt. Dann ist es noch so, als ob ich daheim wohnen würde.

Erst kürzlich sollen Sie sich ein neues Hobby zugelegt haben, das etwas mit Hühnern zu tun hat. Was genau hat es damit auf sich?

(lacht) Das war eher mal ein Spaß mit meinen Tennenbronner Kumpels. Wir haben einem örtlichen Hühnerzüchter mal einen Besuch abgestattet, weil wir uns für das Thema interessieren.

Sie steigen also nicht in die Hühnerzucht ein?

Nein, aber wir unternehmen oft gemeinsam solche Sachen, gehen wandern und sitzen danach noch zusammen.

Noch mal zurück zum Tagesgeschäft: Gegen den nächsten Gegner, TSG Hoffenheim, hat der SC Freiburg eine positive Bilanz. In 19 Spielen gab es sechs Siege und nur vier Niederlagen. Wie zuversichtlich sind Sie mit Blick auf den Samstag?

Wir haben in den vergangenen Jahren gegen die TSG viele gute Spiele gemacht und gezeigt, dass wir sogar gegen diese Mannschaft bestehen können. Wir müssen defensiv noch aggressiver sein. Wir haben gesehen, wie Hoffenheim in der zweiten Halbzeit selbst den FC Bayern München phasenweise hinterher laufen ließ. Das müssen wir unterbinden.

Fragen: Marius Faller