Herr Cortina, Sie haben soeben Ihren neuen Anzug mit dem Emblem der Wild Wings in Empfang genommen. Ist die Konfektionsgröße noch die gleiche wie in der vergangenen Saison?

(lacht) Ja, zum Glück. Allerdings sitzt alles etwas eng. Ich muss wohl noch ein bisschen an mir arbeiten.

In den nächsten acht Monaten besteht Ihr Leben vor allem aus Eishockey. Ist der Akku wieder voll, um diese Herausforderung zu meistern?

Ich denke schon. Ich habe mich gut erholt. Ich hatte in den vergangenen Monaten zwar auch Stress, aber es war ein positive Art von Stress. Ich habe viel Zeit mit meiner Familie verbracht.

Sind Sie zufrieden mit dem Kader?

Es ist noch zu früh, um das endgültig zu beurteilen, denn ich habe die Mannschaft noch nicht auf dem Eis gesehen. Wir haben starke Spieler verloren, aber auch gute Profis hinzugewonnen.

Die Spieler haben in den vergangenen Wochen entweder zuhause oder in der Helios-Arena trainiert. Werden alle mit der notwendigen Fitness zum ersten Eistraining erscheinen?

Dessen bin ich mir 100-prozentig sicher. Unser Athletik-Trainer Hendrik Kolbert hat ausgezeichnete Arbeit geleistet. Außerdem sind die Eishockey-Spieler ohnehin viel athletischer als noch vor zehn Jahren. Sie wissen genau, was sie für ihren Körper tun müssen.

Der Kader umfasst 15 Stürmer und sieben Verteidiger – warum nicht 14 Angreifer und acht Abwehrspieler?

Es hätten unter Umständen auch 14 Stürmer und acht Verteidigter sein können. So etwas entscheidet häufig allein der Spielermarkt. Als wir die Chance hatten, Rihards Bukarts zu verpflichten, haben wir uns für diesen Mann und damit für einen Stürmer entschieden. In diesem Fall haben wir mehr Wert auf die Person als auf eine bestimmte Position gelegt. Bukarts kann in unseren mittelfristigen Planungen eine wichtige Rolle spielen. Außerdem waren zum Ende der vergangenen Saison einige Stürmer angeschlagen. Da wussten wir nicht genau, ob zu Saisonbeginn alle wieder völlig fit sind. Wir wollen in jedem Spiel 13 Stürmer zur Verfügung haben. Andererseits können wir ohne Weiteres mit sechs Verteidigern spielen.

Da wäre auch noch der 19-jährige Boaz Bassen. Er ist Abwehrspieler und erhält bei den Wild Wings einen Fördervertrag. Kann er auf Anhieb den Sprung in die DEL-Mannschaft schaffen?

Das dürfte schwierig werden. Ich betrachte die kommenden Monate für Boaz Bassen eher als Lehrjahr. Aber er ist ein sehr guter Schlittschuhläufer und könnte durchaus für eine Überraschung sorgen.

In der vergangenen Saison starteten die Wild Wings mit acht Ausländern in die Saison. Nun sind es zehn. Ein Kontingentspieler muss nach aktuellem Stand der Dinge immer auf die Tribüne. Welchen Sinn macht ein zehnter Ausländer zu diesem frühen Saisonzeitpunkt?

Solch ein Luxusproblem hatten wir noch nie. Und ich hoffe, es bleibt auch ein Luxusproblem. In den vergangenen Jahren haben sich immer wieder wichtige Spieler bereits in der Vorbereitungsphase schwer verletzt. Sollte das wieder passieren, hätten wir plötzlich kein Luxusproblem mehr, sondern gerade noch so viele Ausländer, wie wir pro Partie auch einsetzen dürfen. Außerdem ist ein zehnter Kontingentspieler gut für den Konkurrenzkampf. Das macht die Mannschaft besser, denn keiner kann darauf bauen, dass er seinen Platz sicher hat.

In der kommenden Saison wollen die Wild Wings mehr Tore schießen als zuletzt. Wie kann das funktionieren?

Wir werden deshalb unsere Defensivarbeit auf keinen Fall vernachlässigen. Aber wir werden versuchen, bei Puckbesitz noch dynamischer nach vorn zu spielen. Außerdem wollen wir uns beim Bully und im Powerplay verbessern. Gelingt uns das, haben wir mehr Scheibenbesitz und somit die Chance, mehr Tore zu erzielen.

Es gab mit vier Neuzugängen und fünf Abgängen vergleichsweise wenige Wechsel innerhalb der Mannschaft. Inwiefern ist das für Sie als Trainer von Vorteil?

Es gab zwar nur wenige Veränderungen, dafür aber gravierende. Wir haben mit Will Acton unseren Kapitän und mit Uli Maurer einen Führungsspieler verloren. Auch Damien Fleury und Tim Bender waren wertvoll für das Team. Für diese Profis haben wir keinen adäquaten Ersatz verpflichtet. Wir können sie nicht Eins zu Eins ersetzen. Deshalb wird die aktuelle Mannschaft trotz der geringen Zahl an Wechsel eine völlig andere sein. Das wiederum macht die Aufgabe nicht einfacher.

Am Montag beginnt die Mannschaft mit dem Eistraining. Das erste Testspiel findet am Samstag, 11. August, beim EHC Freiburg statt. Was erwarten sie von diesem Duell?

Wenn wir in Freiburg spielen, werden wir fünf Trainingseinheiten in den Beinen haben. Da kommt solch eine Partie genau richtig, um den Alltags-Rhythmus zu unterbrechen. Für mich ist das nur ein Testspiel, auch wenn ich sehr wohl um die Rivalität der beiden Fanlager weiß.

Worauf legen Sie den Trainingsschwerpunkt in den kommenden Wochen sechseinhalb Wochen?

Wir brauchen einen guten Mix aus Fitness sowie technischen und taktischen Elementen. Es kommt mir nicht so sehr darauf an, was wir tun, sondern wie wir die Aufgaben angehen. Die ersten zwei Wochen sind entscheidend für die Arbeitsmoral und Einstellung in den kommenden acht Monaten. Wenn wir von Anfang an mit der nötigen Leidenschaft ans Werk gehen, können wir die Basis schaffen für die gesamte Saison. Deshalb lege ich großen Wert auf die erste Trainingsphase.

Fragen: Werner Feisst