Eishockey: Ernüchterung bei den Wild Wings: Die Schwenninger unterlagen vor 3421 Zuschauern im Testspiel gegen die Adler Mannheim mit 2:5 (0:3, 0:1, 2:1). Nach einem 0:5-Rückstand sorgten die Gastgeber in der Schlussphase für ein halbwegs versöhnliches Ende.

Simon Danner führte die Wild Wings als Kapitän aufs Eis. Der 31-Jährige war am Samstag aus einer mannschaftsinternen Wahl als Sieger hervorgegangen. Damit trägt der Stürmer in dieser Saison das "C" auf der Brust. Seine Stellvertreter sind Kalle Kaijomaa und Tobias Wörle. "Ich freue mich sehr über die Wahl und übernehme die Aufgabe gerne", sagte Danner. In der vergangenen Spielzeit war Will Acton Kapitän der Schwenninger, ehe er im Frühjahr aus seinem laufenden Vertrag ausstieg und bei DEL-Konkurrent Nürnberg anheuerte.

Beide Mannschaften bestritten das Derby mit schweren Beinen. Die Wild Wings hatten zwei harte Trainingswochen hinter sich und am Donnerstag ein Testspiel in Kreuzlingen gegen den Schweizer A-Ligisten EHC Biel mit 1:5 verloren. Die Mannheimer hatten eine Woche zuvor im Rahmen ihrer Vorbereitung ein elftägiges Trainingslager in der Schweiz absolviert und am Freitag ebenfalls gegen Biel mit 3:4 nach Verlängerung den Kürzeren gezogen.

Die Schwenninger mussten erneut auf die verletzten Verteidiger Kyle Sonnenburg und Dominik Bittner sowie auf Angreifer István Bartalis verzichten. Auch Julian Kornelli zählte nicht zum Kader. Da auf beiden Seiten etliche Strafzeiten verhängt wurden, hatten beide Mannschaften reichlich Gelegenheit, ihre "special teams" zu testen. Die drei Tore in Abschnitt eins fielen allerdings beim Spiel fünf gegen fünf. Dreimal jubelten die Mannheimer. Zunächst tanzte Luke Adam die Schwenninger Abwehr samt Torhüter Marco Wölfl aus und zirkelte die Scheibe zum 0:1 (13.) unter die Latte. In Minute 16 folgte der große Auftritt von Ben Smith. Der Mannheimer Königstransfer zog von links nach innen und ließ sich beim 0:2 auch von der vielbeinigen Abwehr der Wild Wings nicht aufhalten. 27 Sekunden vor der Pausensirene erhöhte Garrett Festerling durch einen abgefälschten Schuss auf 0:3. Die Schwenninger hatten zwar auch Chancen, die Ville Korhonen, Markus Poukkula und Simon Danner jedoch nicht zu nutzen wussten. Dennis Endras im Tor der Gäste gab sich keine Blöße. Es sah nicht gut aus. Die Schwarzwälder drohten gegen die Kurpfälzer in eine empfindliche Derby-Niederlage zu schlittern.

Auch in Abschnitt zwei schien das Desaster kein Ende zu nehmen, denn in Minute 28 fiel das 0:4. Ben Smith hielt seinen Schläger in den Schuss von Matthias Plachta und ließ Wölfl keine Chance. Damit erzielte der 30-jährige US-Amerikaner seinen zweiten Treffer und zugleich das erste Powerplay-Tor in dieser Partie. SERC-Verteidiger Dominik Bohac saß auf der Strafbank. Von den Wild Wings war kaum etwas zu sehen. Sie leisteten kaum Gegenwehr und wirkten völlig platt. Die Beine schienen tatsächlich müde zu sein, schwer wie Blei. Zu allem Übel musste auch noch Markus Poukkula sieben Minuten vor der zweiten Pause mit einer Schulterverletzung vom Eis. Ausgerechnet in dieser Phase kamen die Schwenninger zu ihrer bis dahin besten Gelegenheit, eine Chance wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Plachta vertändelte bei eigener Überzahl in der neutralen Zone den Puck. Plötzlich stand Mirko Höfflin frei vor Endras, scheiterte aber am Gästekeeper (39.).

Als Mannheims Kapitän Marcus Kink im letzten Abschnitt das 0:5 (46.) markierte, schien das Debakel seinen Lauf zu nehmen. Gänzlich ohne Gegenwehr wollten sich die Schwenninger allerdings nicht geschlagen geben. Und siehe da: In Minute 52 gelang ihnen der erste Treffer. Anthony Rech nutzte ein Powerplay der Wild Wings zum 1:5. Sechs Sekunden vor Schluss verkürzte Stefano Giliati gar noch auf 2:5. Somit verließen die Schwenninger Fans wenigsten halbwegs zufrieden die Helios Arena. Strafen: Schwenningen 14, Mannheim 14.

Trainerstimmen

Pat Cortina (Schwenningen): "Wir waren im ersten Drittel gut, haben dann aber zu wenig gemacht und im zweiten Drittel zu viele Zweikämpfe verloren. Müdigkeit ist für mich kein Argument. Das war vielmehr eine Frage der Einstellung. Unser Ziel war es, 60 Minuten zu kämpfen. Das haben wir nicht gemacht. Die Jungs wollten nur schön spielen. Ich hatte von meiner Mannschaft mehr erwartet."

Pavel Gross (Mannheim): "Wir waren am Freitag beim Spiel gegen Biel müde und die Wild Wings heute gegen uns. Die Schwenninger sind eine unangenehme Mannschaft und kommen über den Kampf. Aber wir haben sie unter Druck gesetzt und das Spiel beherrscht. Allerdings müssen wir die Kirche im Dorf lassen, denn es war nur ein Testspiel."