Wie ist Ihre Stimmungslage kurz vor dem Start in die neue Saison?

Ich bin gespannt und freue mich zugleich. Wir haben im letzten Testspiel gegen Ambri-Piotta viele gute Sachen gesehen. Es war ein Schritt in die richtige Richtung.

Vor elf Tagen waren Sie nach der 2:5-Niederlage gegen Mannheim richtig sauer und enttäuscht von Ihren Spielern. Ist das Lächeln inzwischen wieder zurückgekehrt?

Ja, ich war enttäuscht. Wir haben nach dem 0:3-Rückstand aufgehört zu spielen. Mittlerweile ist das Lächeln wieder zurück. Ich reite nicht zu lange auf solchen Dingen herum. Ich sage den Spielern klar meine Meinung und dann ist es für mich wieder gut.

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Welche Erkenntnisse hat das Derby gegen Mannheim noch gebracht?

Mannheim war ein wichtiges Spiel für uns, denn es hat gezeigt, wo wir mit unseren Köpfen waren. Alle Spieler wissen, dass die Erwartungen in der kommenden Saison noch höher sind. Werden diese Erwartungen allerdings zu hochgeschraubt, liegt der Fokus nicht mehr auf dem Entwicklungsprozess der Mannschaft. Alle schauen nur auf das Ergebnis. Das ist gefährlich, denn man vergisst schnell, was zu tun ist. Die Spieler wollten gegen Mannheim auf dem Eis alles besser machen. Dabei haben sie den Blick für das Wesentliche verloren.

Wie bereit ist Ihre Mannschaft für den Saisonstart gegen Nürnberg?

Die Verletzung von Markus Poukkula tut uns richtig weh. Außerdem haben wir noch einige Spieler, die krank sind. Ich kann nicht sagen, dass wir schon da sind, wo ich uns gerne sehen würde. Aber wir sind auf einem guten Weg.

Spaghetti oder Hamburger? Im Videointerview verrät Pat Cortina, was er am liebsten mag:

Video: Feißt, Werner

Wie lange fällt Poukkula aus?

Sehr lange. Ich hoffe, dass er bis zum Ende des Jahres wieder zurückkehrt.

Zuletzt belegten die Wild Wings Platz zehn und erreichten die Pre-Playoffs. Sie hatten immer wieder betont, die Mannschaft dürfe sich nicht auf dem Erfolg der vergangenen Saison ausruhen. Sehen Sie die Gefahr, dass die Spieler in Selbstzufriedenheit versinken?

Ob es mit Selbstzufriedenheit zu tun hat, weiß ich nicht. Aber man vergisst schnell, wie hart der Erfolg erarbeitet werden muss und hält gewisse Dinge plötzlich für selbstverständlich.

Schwenningens Coach Pat Cortina (Mitte) im Gespräch mit den SÜDKURIER-Redakteuren Christof Kaltenbach (links) und Werner Feißt. Bild: Hendrik Kolbert
Schwenningens Coach Pat Cortina (Mitte) im Gespräch mit den SÜDKURIER-Redakteuren Christof Kaltenbach (links) und Werner Feißt. Bild: Hendrik Kolbert | Bild: Hendrik Kolbert

Wie die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der WM in Russland?

Ja, das kann sein.

Mit Will Acton und Damien Fleury haben die Wild Wings zwei Top-Scorer verloren. Wie kann die Mannschaft diesen Verlust kompensieren?

Das ist ein Teil des mentalen Problems, was wir derzeit haben. Die Spieler glauben, dass sie nun mehr tun müssen, um die zwei zu ersetzen. Jeder will noch mehr zum Erfolg beitragen und glaubt, er müsse sich noch stärker in die Offensive einschalten. Deshalb machen wir derzeit oft den zweiten Schritt vor dem ersten. Natürlich muss jeder ein bisschen mehr leisten, doch in erster Linie müssen die Jungs den gleichen Job machen wie in der vergangenen Saison. Das ist unsere Basis. Wir dürfen bestimmte Entwicklungsschritte nicht einfach abkürzen.

Was denken Sie über den Wechsel von Will Acton nach Nürnberg ein Jahr vor seinem Vertragsende in Schwenningen?

Natürlich war ich enttäuscht, aber das ist eben Teil des Geschäfts. Acton und auch Fleury sind Spieler, die wir nicht eins-zu-eins ersetzen können. Deshalb haben wir in diesem Jahr ein etwas anderes Team, das eine größere Tiefe hat – wenn alle gesund sind. Das war der Plan, aber jetzt haben wir längere Zeit keinen Markus Poukkula mehr und momentan auch keinen István Bartalis.

Neben Acton und Fleury ging mit Uli Maurer ein weiterer Führungsspieler. Hat sich bereits eine neue Hierarchie innerhalb des Teams gebildet?

Ja, es gibt eine neue Hierarchie. Aber auch hier glaubt jeder, dass er mehr tun muss als früher. Das birgt wieder die Gefahr, dass einige nur auf das Ergebnis schauen und nicht auf den Prozess. Manche Spieler wollen fünf, sechs Tore mehr schießen als vergangene Saison und denken deshalb vielleicht zu offensiv. Ein großer Teil unseres Erfolgs vergangene Saison beruhte auf der Spielstruktur, einer großen Intensität und stabilen Defensive. Bevor man sich Gedanken macht, was man mit dem Puck macht, muss man zuerst daran denken, wie man ihn bekommt.

Sie sprachen über die neue Hierarchie im Team: Ist Simon Danner Ihr Wunschkapitän?

Er war definitiv einer meiner Wunschkandidaten. Simon ist ein wichtiger Spieler und ein wichtiger Bestandteil des Klubs. Er spielt mit viel Leidenschaft und denkt viel über die Mannschaft nach. Simon Danner ist ein großer Kapitän.

Sie hatten im Frühjahr angekündigt, dass die Wild Wings in der neuen Saison offensiver spielen und mehr Torchancen kreieren wollen. Gefährdet das aber nicht die Balance zwischen Abwehr und Angriff?

Genau das ist momentan das größte Problem in unserem Team. Auch meine Erwartungen sind höher. Es kann gut sein, dass auch ich mit dieser Ankündigung den zweiten Schritt vor dem ersten machen wollte. Das ist nicht nur ein Fehler der Spieler, sondern auch von mir, wenn ich zu ihnen sage: Hört mal alle her, wir müssen mehr für die Offensive tun und mehr Tore schießen.

Haben Sie damit falsche Erwartungen geweckt?

Er waren vielleicht nicht die falschen Erwartungen, weil wir ja tatsächlich in diese Richtung wollen. Aber der Weg dazu muss der gleiche sein wie im vergangenen Jahr.

Wo sind die Wild Wings stärker als vergangene Saison?

Ich glaube, wir sind vielseitiger, weil mehr Spieler verschiedene Rollen übernehmen können. Mit Rihards Bukarts haben wir zudem einen sehr kreativen Spieler neu im Team.

Auf welchen Spieler in der DEL freuen Sie sich in der neuen Saison besonders?

Auf Ben Smith, der von Toronto nach Mannheim wechselte. Schon im Testspiel gegen uns deutete er sein enormes Potenzial an. Aber ich mag auch die Spielweise von Markus Eisenschmid, der ebenfalls bei den Adlern unter Vertrag steht. Ich kenne ihn noch von der Nationalmannschaft.

Die Schwenninger Fans wollen natürlich Grund zur Freude haben, Ihre Erwartungen sind ebenfalls hoch. Warum stehen die Wild Wings am Ende der Hauptrunde erneut unter den besten zehn und somit in den Playoffs?

Weil wir nun wissen, was zu tun ist, um dieses Ziel zu erreichen. Jeder Einzelne darf das aber nie vergessen.

Fragen: Christof Kaltenbach und Werner Feißt

Die Deutsche Eishockey Liga startet in ihre Jubiläumssaison

Am Freitag beginnt die 25. Spielzeit in der
Deutschen Eishockey Liga (DEL). Mit einigen Neuerungen, aber wohl den alten Namen an der Tabellenspitze

 

  • Das sind die Favoriten: In der Diskussion um Herausforderer Nummer eins für Serienmeister EHC Red Bull München kommt die Sprache immer wieder auf die Adler Mannheim. Und der neue Trainer Pavel Gross kennt die hohen Ansprüche genau. „Wir sind geholt worden, um etwas zu gewinnen“, sagte der 50-Jährige. „Wir wollen ein Wort mitreden, wenn es um die Meisterschaft geht.“ In einer Umfrage unter den 14 Clubs wurden die Adler als schärfster Konkurrent für das bayrische Team genannt. Mit einem geschätzten Etat von 13 Millionen Euro sind die Adler neben München das finanzkräftigste Team. Auch den Eisbären Berlin wird einiges zugetraut. Seit Mittwoch ist auch der wiedereingeführte Auf- und Abstieg offiziell besiegelt. DEL und DEL2 unterschrieben den Vertrag. Von der Saison 2020/21 an wird der DEL-Letzte wieder absteigen.
  • Die Änderungen: Vor allem auffälig wird die Änderung am Torraum sein. Der Halbkreis vor den Toren wird rechts und links abgeschnitten. Der geschützte Bereich für die Torhüter ist damit nur noch 2,44 Meter statt bislang 3,60 Meter breit. Dafür wird er um drei Zentimeter länger. Gibt es während der Partie einen Penalty, musste bislang der gefoulte Spieler antreten. In der neuen Saison kann der Trainer einen Akteur seiner Wahl bestimmen.
  • Die ersten Spiele: Am Freitag geht es gleich mit einem echten Top-Spiel los, wenn die beiden Finalisten der vergangenen Saison aufeinandertreffen. Die Eisbären Berlin erwarten Meister München zur Revanche. Die Schwenninger Wild Wings beginnen morgen mit einer Heimpartie gegen Nürnberg (19.30 Uhr). Die weiteren Partien des ersten Spieltags: Krefeld – Bremerhaven, Köln – Augsburg, Straubing – Ingolstadt, Iserlohn – Wolfsburg und Mannheim – Düsseldorf. Am Sonntag geht es für Schwenningen in Wolfsburg (16.30 Uhr) weiter. Im zweiten Saisonheimspiel erwarten die Wild Wings am Freitag, 21. September, die Düsseldorfer EG (19.30 Uhr), ehe es am Freitag, 28. September, nach Ingolstadt (19.30 Uhr) geht. (dpa/sk)