Marcel Kurth, die vergangene Saison endete bereits Anfang März. Wie haben Sie die Monate seither verbracht?

Ich habe erst einmal zwei Wochen lang nichts gemacht, nachdem wir zuvor noch gemeinsam Skifahren waren. Schon Anfang April aber habe ich mit einem leichten Sommertraining begonnen. Im Mai war ich zwei Wochen im Urlaub in Dubai. Das war wirklich fantastisch und hat gut getan. Ich habe Abstand gewonnen und mich neu motiviert.

Abstand gewinnen war sicher nötig, denn Ihre Saison 17/18 war nicht ganz so erfolgreich. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Zufrieden kann ich nicht sein, eigentlich bin ich überhaupt nicht zufrieden. Es wäre schlimm, wenn ich es wäre. Aber inzwischen glaube ich, dass es vielleicht gar nicht so schlecht war, mal einen Dämpfer zu bekommen. Die beiden Saisons vorher waren quasi Selbstläufer. Insofern war es gut zu merken, dass ich wieder dahin muss, wo ich einmal war. Das wurde mir auch in den Abschlussgesprächen mit den Trainern klar gemacht.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum es letzte Saison nicht so lief?

Einerseits habe ich eine andere Position im Team gespielt. In den Jahren zuvor wurde ich auch in Überzahl eingesetzt und war wesentlich offensiver. In der letzten Saison waren wir sehr viel ausgeglichener, da war ich im Powerplay eben nicht mehr gesetzt. Ich hatte eine deutlich defensivere Rolle, da macht man eben weniger Punkte. Aber ich muss mir schon selbst vorwerfen, dass meine Leistung nicht gereicht hat, um mich für das Powerplay oder eine offensivere Rolle aufzudrängen. Ich kann aber nicht sagen, woran es gelegen hat. Vielleicht habe ich mir selbst zu viel Druck gemacht. Wenn man relativ schnell merkt, dass es nicht so läuft, setzt man sich noch mehr unter Druck. Und dann geht gar nichts mehr.

Wann haben Sie für sich persönlich einen Strich unter diese letzte Saison gezogen?

Es hat schon ein bisschen gedauert, das hat an mir genagt. Aber Anfang April, mit dem Start in das Training für die neue Saison, war das Thema durch. Es ist passiert, es war schlecht, aber ich kann es nicht mehr ändern.

Was macht so eine Situation mit dem Selbstbewusstsein?

Während der Saison hat es mich schon sehr beschäftigt. Gerade um Weihnachten herum war es wirklich schlimm. Nach der Olympia-Pause war es etwas besser, auch nach einem Gespräch mit den Trainern. Sie haben mir gut zugeredet, was sehr wichtig war. Ich habe gespürt, dass sie trotzdem noch an mich glauben.

Wer hilft sonst noch bei der Bewältigung eines solchen Tiefs?

Ich bin leider jemand, der viel in sich hineinfrisst. Das ist vielleicht nicht gerade das Cleverste. Aber ich habe doch ab und zu mit meinem Vater geredet, meine Mutter war da und meine Freundin steht natürlich auch immer hinter mir. Das tut schon gut, wenn man wieder etwas Positives hört. Es war dennoch schwierig, da mein Weg vorher immer steil bergauf geführt hatte. Diese Situation war für mich völlig neu.

Haben Sie für diesen Sommer etwas geändert?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe lediglich die Ausdauereinheiten nicht mehr auf dem Fahrrad absolviert, sondern auf dem Laufband oder draußen. Das war sicher gut.

Hat sich in Ihrem Kopf etwas verändert?

Ich fühle mich stärker. Früher habe ich über Kritik mehr nachgedacht, heute kann ich das ausblenden. Ich habe diese Erfahrung jetzt gemacht und die macht mich stärker.

Welche Ambitionen haben sie für die kommende Saison?

Erste Priorität ist, einen Platz im Team zu bekommen. Wir haben 15 Stürmer in der Mannschaft, da wird der Konkurrenzkampf noch härter. Aber das ist gut so für alle. Jeder muss sich neu beweisen, es geht bei null los. Super wäre für mich, wenn ich wieder dort anknüpfen könnte, wo ich vor zwei Jahren schon einmal war. Ich glaube daran und arbeite hart dafür.

Wenn Sie für die nächste Saison einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Wieder Pre-Playoffs!

Fragen: Tina Fröhlich