Eishockey: Vor dem Auftaktbully gegen die Eisbären Berlin hatte Pat Cortina seinen Wunsch klar und deutlich formuliert: „Wir wollen mit einem guten Gefühl in die Pause.“ Die Hoffnung des Schwenninger Trainers erfüllte sich nicht. Die 1:2-Niederlage dürfte noch ein Weilchen am Gemüt der SERC-Profis nagen. „Wir gehen leider mit keinem guten Gefühl in die Pause“, räumte Cortina ein.

Dabei wäre Berlin am vergangenen Freitag zu schlagen gewesen, wenn, ja wenn die Schwenninger nur einen Bruchteil ihrer Möglichkeiten genutzt hätten. „Wir hatten allein in den sieben Powerplay-Situationen 14 Chancen“, zählte Cortina auf. Keine einzige wurde genutzt. Chancen sind das eine, Tore das andere. Und da hapert es bei den Schwenningern im Powerplay. Mit einer Quote von 13,61 Prozent liegen die Wild Wings in dieser Disziplin an vorletzter Stelle aller 14 DEL-Klubs. Nur Ingolstadt (12,06) ist bei nummerischer Überlegenheit auf dem Eis noch schlechter. „An solchen Dingen wie dem Powerplay zeigt sich der Unterschied zu anderen Mannschaften. Die Eisbären haben nur das Nötigste getan und durch ihr undiszipliniertes Verhalten auf dem Eis viele Geschenke verteilt, doch Schwenningen hat sie nicht angenommen. Die Chancenauswertung war katastrophal“, sagte Eishockey-Experte Matthias Hoppe.

Da nur Stefano Giliati nach 71 Sekunden für die Schwarzwälder traf, genügten den Gästen zwei Tore, um nach drei Niederlagen wieder einen Sieg einzufahren, begünstigt durch Nachlässigkeiten in der Schwenninger Abwehr. Cortina: „Die beiden Gegentore haben mir nicht gefallen. Da haben wir schlampig gespielt.“ Was die Einstellung betraf, wollte der 53-Jährige seinen Spielern keinen Vorwurf machen. „Leidenschaft und Arbeitsmoral haben gestimmt, aber vor dem gegnerischen Kasten waren wir nicht effektiv genug.“

Da Düsseldorf zur gleichen Zeit die Kölner Haie mit 3:2 nach Verlängerung bezwang, schmolz der Vorsprung der Wild Wings als Tabellenzehnter auf Rang elf auf drei Punkte. Bei dieser Konstellation könnte das Torverhältnis noch von Bedeutung sein. Hier sind die Wild Wings mit Minus zehn gegenüber dem rheinischen Rivalen (Minus 20) im Vorteil. Ausschlaggebend werden jedoch die drei Hauptrundenspiele sein, die jede Mannschaft noch vor der Brust hat. Schwenningen hat gegen Mannheim (28. Februar) und Wolfsburg (4. März) noch zweimal Heimvorteil. Am 2. März müssen die Schwäne in Iserlohn ran. Auch die Düsseldorfer haben neben dem Auswärtsspiel in Nürnberg noch zweimal Heimvorteil gegen Berlin und Krefeld. Wobei vor allem letztere Partie so manchem schon jetzt bitter aufstößt, denn die Pinguine haben inzwischen etliche Schlüsselspieler vorzeitig abgegeben. Das riecht nach Wettbewerbsverzerrung.

Obwohl sie es versäumt hatten, mit einem Erfolg gegen Berlin die Tür zu den Pre-Playoffs weit aufzustoßen, sind die Wild Wings zuversichtlich, das angestrebte Ziel noch zu erreichen. „Meine Hoffnung ist ungetrübt. Gute Arbeit und Einstellung werden am Ende entscheiden“, sagt Cortina. Auch der Kapitän gibt sich kämpferisch: „Wir haben noch drei extrem wichtige Spiele vor uns. Wir hoffen, dass bis dahin die Verteidiger Jussi Timonen und Mirko Sacher wieder dabei sind“, sagt Will Acton. Ausgerechnet in der heißen Phase trifft der Mittelstürmer nicht mehr. Seit fünf Spielen ist der Schwenninger Topscorer (17 Tore/29 Assist) ohne Torerfolg. Cortinas Einwand, dass Acton „ein bisschen verletzt“ sei, ließ der Spieler selbst nicht gelten. „Alle haben das ein oder andere kleine Wehwehchen.“

Nun will Acton die zehn trainingsfreien Tage während der dreieinhalbwöchigen Olympiapause nutzen, um in Hochemmingen den Akku wieder aufzuladen. Die Freizeit kommt dem 30-Jährigen auch deshalb gelegen, weil die Familie Acton seit kurzem Zuwachs hat. „Ich versuche, meine Frau Tara mit unserem vier Wochen alten Sohn Cody und unserer zwei Jahre alten Tochter Macey etwas zu entlasten.“ Während der bevorstehenden Nachtschichten kann er sich im Fernsehen nebenbei sicher auch noch einige Eishockey-Spiele bei Olympia anschauen.