Eishockey: Den ersten „Zweikampf“ hat er bereits erfolgreich bestritten. Ville Korhonen war auf diesen gut vorbereitet. Der Neuzugang der Schwenninger Wild Wings hat sich in den vergangenen Tagen durch Formulare und Behördengänge gearbeitet und sich nur ein klein wenig gewundert. „Ich wusste schon von den anderen Finnen, dass eine Menge auf mich wartet und man solche Dinge in Deutschland nicht online erledigen kann“, lächelt der nunmehr sechste Finne in SERC-Diensten. Überhaupt war der Stürmer vermutlich so gut auf seinen neuen Arbeitsort vorbereitet wie vor ihm kaum ein anderer Neu-Schwenninger.

Nicht nur, dass eben bereits fünf Landsmänner schon für ordentlich Informationen sorgten, auch zwei weitere Teamkollegen sind „alte“ Bekannte. In der vergangenen Saison spielte Korhonen in der finnischen SM-Liiga mit Philip McRae (ebenfalls Neuzugang bei den Wild Wings) bei Ässät Pori und vor vier Jahren war Stefano Giliati bei den Espoo Blues sein Mannschaftskamerad. Zudem ist Verteidiger Kalle Kaijomaa ein sehr guter Freund und Co-Trainer Petteri Väkiparta coachte Korhonen bereits in Finnland. „Das macht die Sache etwas einfacher. Man hat immer jemanden, den man fragen kann. Zum Beispiel bei Dingen des täglichen Lebens oder aber eben auch im Training, wenn eine Übung neu für mich ist“, erklärt der Flügelstürmer.

So einiges ist trotz der guten Informationquellen eben doch neu. Schon zu Beginn dieser ersten Woche Eistraining bei den Neckarstädtern musste sich der strohblonde Mann aus Tampere umstellen. In Finnland wird meist nur einmal am Tag trainiert, den Weg in die Helios Arena hingegen tritt er nun zweimal täglich an. „Es ist eine gewisse Umstellung. Gerade wenn man sich nachmittags etwas entspannt hat, geht es noch mal los“, grinst Korhonen. „Das ist schon etwas hart, aber es macht viel Spaß.“ Den hatte er in den letzten Tagen reichlich. Schließlich hat sich für ihn eine weitere Vorabinformation bestätigt: „Die Chemie im Team ist super“, findet der 31-Jährige. „Die Kollegen haben mir erzählt, dass der Zusammenhalt letzte Saison eines der Erfolgsrezepte im Team war. Jeder Spieler kann er selbst sein und man ist trotzdem gerne zusammen. Das ist genau die Mannschaft, in der ich spielen möchte.“

Aufgrund dieser Vorkenntnisse entschied sich Korhonen bereits im April im doch schon etwas fortgeschrittenen Eishockey-Alter, mit Ehefrau Elina für den erstmaligen Wechsel ins Ausland. Seine bisherige Karriere fand bislang ausschließlich in Finnland statt. Er hegte den Wunsch, mal in einer anderen Liga zu spielen, allerdings schon seit längerer Zeit. Die Deutsche Eishockey Liga stand dabei im Fokus. „Es gibt hier viele gute Spieler, manche kommen direkt aus der NHL zu einem deutschen Klub. Das macht die DEL sehr stark“, berichtet der Linksschütze, der vor drei Jahren mit Espoo in der Champions Hockey League gegen die Adler Mannheim erfolgreich war. Für einen Wechsel nach Schwenningen sprach letztlich die Vielzahl an Landsleuten.

Und so haben die Korhonens inklusive französischer Bulldogge vor zwei Wochen ihre Wohnung in der Nähe der Helios Arena bezogen und sich bereits bestens eingelebt. Was unter anderem auch daran liegen mag, dass der junge Ville in der Schule einst mehrere Jahre Deutsch lernte. „Ich habe so viel vergessen“, winkt er lachend ab. „Ich versuche es ein bisschen beim Einkaufen oder spreche ein paar Worte mit den Jungs in der Kabine. Vielleicht sollte ich mich einfach mehr trauen.“ Zumindest könnte die Sprache hilfreich sein beim weiteren Erkunden der neuen Heimat. Bisher haben sich die Neuankömmlinge den Titisee angesehen, freuen sich aber auf mehr Naturerlebnisse, sobald die nächsten freien Tage anstehen.

Freizeit wird es aber zunächst eher nicht geben. Umso mehr fiebert der Mann mit der Rückennummer elf der anstehenden Saison entgegen. Und hat sich dafür doch ein großes Ziel gesetzt. „Ich schaue nicht mehr so sehr auf meine Punkte. Je mehr ich spiele, desto mehr werden Tore und Assits von selbst kommen“, erklärt Korhonen. „Meine Erwartung an mich ist, dass ich ein Schlüsselspieler für das Team sein kann.“ Mit Schwenningen will er am liebsten die Playoffs erreichen. „Das sollte unser erstes Ziel sein. Wir haben eine sehr gute Mannschaft. Es könnte sogar ein bisschen mehr werden.“