Ein Brite als Chefcoach in der Deutschen Eishockey-Liga – diese Nachricht sorgte am vergangenen Donnerstag nicht nur in Schwenningen für Staunen. Die Wild Wings trafen mit der Verpflichtung von Paul Thompson eine mutige Entscheidung. Ein Trainer, der noch nie in der DEL tätig war, soll die Schwarzwälder vom Tabellenende wegführen. Am Montag wurde der Nachfolger des vor zwei Wochen entlassenen Pat Cortina in Schwenningen offiziell vorgestellt.

Nachfolger von Pat Cortina

Bestens gelaunt und voller Zuversicht präsentierte sich Thompson den Journalisten: „Unser Ziel sind die Playoffs. Es wird durch den schleppenden Start schwer, aber es ist machbar“, sagte der Mann aus der Nähe von Birmingham. Doch schon seine selbst aufgestellte Rechnung zeigt, wie schwer es wird, dass es die Schwenninger doch noch in die Finalrunde schaffen. Thompson: „Man benötigte die vergangenen fünf, sechs Jahre im Schnitt 74 Punkte für die Playoffs. Wir haben 7 Punkte und noch 35 Spiele.“ Wahrlich eine Herkulesaufgabe. Doch was soll der Brite auch anderes sagen, wenn es um seine Saisonziele mit den Wild Wings geht? Zugleich bezeichnet er seine neue Aufgabe „als die bislang schwerste in meiner Zeit als Trainer“. Diese Zeit dauert immerhin schon über 20 Jahre.

Erfolgstrainer in England

In welchen Bereichen der neue Hoffnungsträger ansetzen wird, um die Trendwende zu schaffen, war für ihn schnell klar: „Man muss nicht Albert Einstein sein, um zu sehen, wo wir zulegen müssen. Gerademal 1,5 erzielte Tore pro Spiel und eine Powerplay-Erfolgsquote von nur zehn Prozent sind eindeutig. Der Druck durch die schlechten Ergebnisse wirkte sich natürlich auf das Selbstvertrauen der Spieler aus. Ich will dafür sorgen, dass die Mannschaft neuen Schwung bekommt.“ Die defensive Grundausrichtung von Ex-Trainer Cortina wird der 53-Jährige zwar nicht völlig umkrempeln. Dennoch kündigt er an, „dass wir offensiver spielen werden und aggressiver beim Forechecking sein müssen“. Außerdem müsse das Powerplay auf eine Quote von 15,16 Prozent gesteigert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Ziel sind die Playoffs

Thompson selbst kennt die Höhen und Tiefen des Trainerjobs bestens. Er gewann mehrfach die britische Meisterschaft und wurde in seinem Heimatland auch schon einige Male als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erlitt er jedoch das gleiche Schicksal wie sein Vorgänger in Schwenningen. Vor wenigen Wochen wurde Thompson in Sheffield entlassen. Wild Wings-Manager Jürgen Rumrich ist dennoch voll des Lobes über den neuen Mann: „Egal, wo ich mich erkundigt habe: Es gab nur positive Rückmeldungen. Ich bin überzeugt, dass wir mit ihm erfolgreich sein werden“. Nach einer recht kurzen Bedenkzeit („drei, vier Tage“) machte sich Thompson von der Insel auf in Richtung Festland und direkt an die Arbeit. Das vergangene Wochenende verbrachte er größtenteils vor dem Fernseher. „Zwölf Spiele der Wild Wings habe ich mir angeschaut“. Das macht rund 24 Stunden Video-Material. Dabei sah er sicherlich auch die knappe Niederlage Mitte Oktober beim EHC RB München. Ausgerechnet gegen die beste DEL-Mannschaft der vergangenen Jahre gibt Paul Thompson sein Debüt in Deutschland. Die Wild Wings empfangen am Donnerstag um 19.30 Uhr den amtierenden Meister. An diesem Abend soll sich erstmals zeigen, ob Paul Thompson für den neuen Impuls sorgen kann, den man in Schwenningen von ihm erwartet.