Ski alpin: Exakt zehn Tage sind es noch, dann fällt der Startschuss für die weltbesten Slalomspezialisten. Im finnischen Levi steigt am 18. November das erste Weltcup-Rennen der Winter-Saison 2018/19. An dem Ort, an dem sich David Ketterer aktuell befindet. Knapp 2500 Kilometer entfernt vom heimischen Hochemmingen. Mit dem kleinen Skidorf nördlich des Polarkreises verbindet Ketterer gemischte Gefühle. Vor einem Jahr war er in Levi beim Weltcup-Slalom im ersten Lauf hervorragend unterwegs in Richtung Spitzenplatz, schied jedoch kurz vor dem Ziel unglücklich aus.

David Ketterer gehört zu den Typen, die im Stangenwald das Risiko meistens dem Sicherheitsgang vorziehen. Sein aggressiver Fahrstil kostete ihn allerdings in den Weltcup-Rennen schon manche Zielankunft. Deshalb hat sich der 25-Jährige für den bevorstehenden Winter fest vorgenommen, „dass ich cleverer fahren muss“.

Um noch cleverer, noch besser und noch erfolgreicher zu sein, entschied sich David Ketterer im Frühjahr für einen Schritt, „der für mich sehr schwer war“. Der Physik-Student verließ die Universität of Colorado in Boulder (nahe Denver) und kehrte aus Übersee zurück nach Deutschland. „Es war keine leichte Entscheidung, denn das Studium in Boulder hat viel Spaß gemacht“. Zudem war er mit dem Universitäts-Skiteam auf den nordamerikanischen Pisten sehr erfolgreich unterwegs. Der Aufwand von Studium und Leistungssport in Verbindung mit den Flugreisen zu den Rennen nach Europa wurde zu groß. „Ich habe mich mit den Trainern unterhalten, wie weit es Sinn macht, diese Strapazen auf mich zu nehmen.“ Auch Ketterer weiß, dass die Zeit als Profi-Sportler begrenzt ist. „Deshalb will ich mich die nächsten Jahre voll und ganz dem Skisport widmen“, sagt der 26-Jährige, der seit seiner USA-Rückkehr in München wohnt.

Aus seiner Entscheidung abzuleiten, Ketterer will von nun an voll angreifen, wäre wohl falsch, denn volle Pulle war bei ihm schon zuvor immer angesagt. Mehr Zeit für Training und weniger Reisestrapazen sollen aber jetzt dazu beitragen, dass „Kette“ seine anvisierten Ziele erreicht. Für diesen Winter lautet das erste Ziel: „Im Weltcup in die Top 30 kommen.“ Die Weltmeisterschaften im Februar 2019 im schwedischen Are spielen für den 25-Jährigen (noch) keine Rolle. „Ich konzentriere mich von Rennen zu Rennen.“ Was die Disziplin betrifft, gilt seine Konzentration einzig und allein dem Slalom. Ob er noch Riesenslaloms fahren wird, lässt Ketterer offen.

In den vergangenen Monaten hat der Vorzeigefahrer vom SSC Schwenningen kräftig geschuftet, damit der bevorstehende Winter nach Wunsch verläuft. „Hin und wieder hatte ich Rückenschmerzen. Ansonsten verlief die Vorbereitung gut“, sagt der 25-Jährige. Der Hochemminger ist bereit, innerlich zählt er wohl schon die Tage, bis zum Auftakt: „Ich freue mich, wenn es bald los geht. Es wird Zeit.“ Ketterer will im Vergleich mit den weltbesten Slalom-Fahrern mithalten und endlich zeigen, was er schon einige Mal angedeutet, aber oft nicht bis ins Ziel gebracht hat. Levi könnte dafür ein guter Ort sein.