Bundesliga Gruppe Süd

Das erhoffte sportliche Wunder ist ausgeblieben. Die Sportschützenvereinigung Brigachtal muss nach den 2:3-Niederlagen am Samstag gegen Saltendorf und dem 1:4 am Sonntag gegen Königsbach erstmals nach 18 Jahren aus der Bundesliga absteigen. Vor rund 500 Zuschauern, die an beiden Wettkampftagen die Daumen drückten, war bereits am Samstag gegen 17.40 Uhr, und damit zehn Minuten vor Wettkampfende klar, dass der dringend benötigte Sieg nicht mehr machbar ist. Somit war die Partie am Sonntag sportlich bedeutungslos.

Als am Samstagabend der Abstieg perfekt und der letzte Schütze vom Stand gegangen war, kannte Brigachtals Trainer Alain Guignard nur einen Weg: Ab in die Kabine, um seinen Schützlingen Trost zuzusprechen. "Auch ich bin als Trainer noch nie abgestiegen. Ich muss aber richtigen Worte finden, denn ich kann mir gut vorstellen, was in den Sportlern vorgeht", sagte Guignard auf dem Weg in die Kabine. Rund eine halbe Stunde dauerte es, bevor der Schweizer wieder zurückkam. "Alle haben gut gekämpft. Wir haben mannschaftlich eine tolle Ringzahl geschossen, doch das hilft uns nicht weiter. Ich bin überzeigt, dass wir mit dieser Mannschaft den sofortigen Wiederaufstieg schaffen. Zu seiner eigenen Zukunft in Brigachtal fügte Guignard an: "Wenn mich der Verein weiter will, stehe ich natürlich zur Verfügung. Da muss ich keine Sekunde überlegen."

Realistisch ging auch Vorstandsmitglied und Teambetreuer Hans-Joachim Effinger mit dem Abstieg um. "Wir wissen alle, dass in dieser Saison das nötige Glück einen großen Bogen um Brigachtal gemacht hat. So viel Pech kannst du in einer so kurzen Saison eigentlich nicht haben." Für Effinger war bereits am Samstag klar, "dass alle Schützen bei uns bleiben werden". Bezüglich des Trainers sieht Effinger "nullkommanull Handlungsbedarf". Brigachtal werde in einer starken 2. Bundesliga wieder angreifen. Der Wiederaufstieg sei kein Selbstläufer, doch, so Effinger: "Wir werden die Köpfe wieder hochnehmen und es schaffen."

Sowohl Guignard als auch Effinger hatten vor dem finalen Wochenende Hoffnungen, dass der Abstieg noch vermieden werden könne. Die Brigachtaler mussten im Saisonverlauf erkennen, dass auch die anderen Erstligisten personell gewaltig aufgerüstet hatten. Vor allem die unnötige Niederlage gegen Schlusslicht Kronau schmerzte im Nachhinein sehr, auch die gegen Aufsteiger Buch. "Da haben wir es verpasst, uns eine bessere Ausgangslage zu verschaffen", so Guignard.

SSVg Brigachtal – Eichenlaub Saltendorf 2:3.

Mit zwei Top-Leistungen punkten an den Positionen eins und zwei Peter Sidi und Selina Gschwandtner. Sidi (398:392) ließ Julia Simon ebenso keine Chance wie Gschwandtner, die sich Alexcander Schmirl mit dem gleichen Resultat durchsetzte. Die Schnellschusseinlage von Eva Rösken auf Position drei gegen Helmut Kächerle brachte hingegen nichts ein (391:396).

Nah am möglichen Punktgewinn war Silvia Rachl, bevor sie sich Claudia Brunner mit 394:395-Ringen knapp geschlagen geben musste. Frühzeitig zeichnete sich hingen die 389:392-Niederlage von Brigachtals Nummer fünf, Kerstin Kohler, gegen Benjamin Moser ab.

SSVg Brigachtal – KKS Königsbach 1:4.

Personell unverändert ging Brigachtal am Sonntag an die Stände. Den einzigen Punkt sicherte im Top-Duell Peter Sidi (397:393) gegen Anton Rizov. Es folgten drei Duelle, in denen Brigachtal mit einem Ring Unterschied unterlag. Gschwandtner (396:397) gegen Andre Link, Rösken (394:395) gegen Christian Brenneisen und Rachl (392:393) gegen Sarah Würz hatten einmal mehr das Quäntchen Glück nicht auf ihrer Seite. Kohler (385:390) war gegen Mario Nittel eher chancenlos.

 

Stimmen zum Abstieg

Peter Sidi: "Verletzungen und fehlendes Glück kamen in der Saison zusammen. Wir haben eine gute Mannschaft, wahrscheinlich sogar die beste, seit ich in Brigachtal bin. Mit dieser Mannschaft darfst du nicht absteigen, aber das Pech hatte diesmal Kurs auf uns genommen. Ich habe keinerlei Interesse oder Ambitionen, den Verein zu wechseln. Ich werde auch in der 2. Liga bleiben, weil ich an den sofortigen Wiederaufstieg glaube. Allein kann ich es aber nicht schaffen. Ich habe in Brigachtal viele Freunde gefunden, die ich nicht enttäuschen möchte. Wenn das Team zusammenbleibt, werden wir wiederkommen."

Selina Gschwandtner: "Mit den Resultaten in meinen beiden Wettkämpfen bin ich zufrieden. Gleich im ersten Jahr in Brigachtal abzusteigen, ist nicht schön. Wir wissen jedoch, dass es keine sportlichen Gründe waren. Auch ich musste zwei Wettkämpfe wegen des Weltcups auslassen. Ich werde auf jeden Fall in Brigachtal bleiben. Für ein Mitglied der deutschen Nationalmannschaft ist das kein Makel. Mit der Mannschaft werden wir den sofortigen Wiederaufstieg schaffen. Da will und werde ich mithelfen."

Silvia Rachl: "Nach meiner Ellenbogen-Operation war ich noch nicht ganz fit. Ich wollte aber die Mannschaft in den wichtigen Wettkämpfen nicht im Stich lassen. Ich wollte helfen. Was meine Zukunft betrifft, so werden die Ärzte entscheiden. Noch belastet mich der Ellenbogen. Die Gesundheit ist wichtig. Davon hängt auch ab, ob sich weiterschießen kann. Ich bin jetzt zwei Jahre in Brigachtal und möchte gern ein drittes anhängen."

Ehrenvorsitzender Max Hirt: "Es ist bitter, dass wir nach 18 Jahren kein Erstligist mehr sind. Wir haben Brigachtal in unserer schönen Sportart bundesweit bekannt gemacht. Einige Jahre waren wir die einzige Mannschaft aus Baden-Württemberg, die der Liga angehörte. Das war für einen so kleinen Verein wie unseren gigantisch. Es wird weitergehen und ich wünsche mir, dass wir nach einem Zweitligajahr gestärkt zurückkommen."