Eishockey: Spätestens am Ende dieser Woche wollte Jürgen Rumrich einen neuen Trainer präsentieren. Der Manager der Wild Wings hat den Zeitplan eingehalten. Seit Donnerstag ist es offiziell: Paul Thompson tritt in Schwenningen die Nachfolge von Pat Cortina an, der vor eineinhalb Wochen entlassen wurde.

Wie etliche andere Kandidaten auch, hatte sich der 53-jährige Brite in den vergangenen Tagen bei den Wild Wings um den Job beworben und sofort die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen geweckt. Rumrich: „Er wollte unbedingt in die DEL und ist hoch motiviert. Paul Thompson ist ein erfahrener Trainer und fleißiger Arbeiter, der uns in einem persönlichen Gespräch auf Anhieb überzeugt hat. Er ist international erfahren und hat sich bereits intensiv mit den Wild Wings und der Deutschen Eishockey Liga auseinandergesetzt.“

Thompson wird am Wochenende in Schwenningen eintreffen und am Montagvormittag das erste Training bei den Wild Wings leiten. Er unterschrieb einen Vertrag bis Saisonende mit einer vereinsseitigen Option auf eine weitere Spielzeit. Thompson ist verheiratet und Vater von zwei Kindern, wird aber alleine am Neckarursprung wohnen. Der deutschen Sprache ist der Brite noch nicht mächtig, will Rumrich zufolge aber so schnell wie möglich Deutsch lernen. Bis Ende März hat der neue Mann an der Bande Zeit, sich zu bewähren und für eine Verlängerung des Kontrakts zu empfehlen. Den Wild Wings hilft in der aktuellen Situation ohnehin nur eines: Erfolg in Form von Siegen. Genau dafür soll der neue Coach sorgen. Rumrich: „Thompson hat klare Vorstellungen und weiß, dass wir mit dem Toreschießen ein Problem haben und will offensiver spielen lassen.“

Thompson übernahm im Jahr 2000 als Chefcoach die Coventry Blaze und war dort 13 Jahre unter Vertrag. Viermal gewann er mit der Mannschaft die englische Meisterschaft. Zudem stand der 53-Jährige bei der englischen Nationalmannschaft hinter der Bande, von 2000 bis 2002 als Co-Trainer, von 2006 bis 2011 als Cheftrainer. Zuletzt war Thompson für die Sheffield Steelers in der englischen Elite IceHockey League tätig. Drei Jahre coachte er die Steelers und führte sie einmal zur Meisterschaft. Zuvor stand er auch in Dänemark (Aalborg) und in Schweden (Ljungby) unter Vertrag. Er ist einer der erfolgreichsten Trainer der englischen Liga und wurde in seiner Laufbahn schon mehrfach zum Trainer des Jahres gekürt.

Was seine berufliche Erfahrung betrifft, ist die DEL für Thompson allerdings Neuland. Auch von den Profis der Wild Wings kennt der Brite, der am 5. April 1965 in Singapur geboren wurde, bislang lediglich einen Spieler: István Bartalis. Als Thompson in Ljungby als Coach arbeitete, spielte auch der ungarische Stürmer in seiner Mannschaft. Diese Einschränkungen sind für Rumrich kein Problem: „Paul Thompson wird bei uns zwar ins kalte Wasser geworfen, ist aber nicht alleine. Schließlich hat er Co-Trainer Petteri Väkiparta an seiner Seite.“ Auch die Tatsache, dass Thompson zuletzt hauptsächlich in England tätig war, sieht Rumrich nicht als Handicap. „Die englische Liga ist nicht so schlecht, wie viele meinen. Vor allem die vier, fünf Top-Klubs sind enorm stark.“

Auch wenn Thompson jahrelang im englischen Eishockey zuhause war, ist nicht zwangsläufig damit zu rechnen, dass der neue Spieler, den die Wild Wings demnächst verpflichten wollen, ebenfalls von der Insel stammt. „Unser neuer Trainer ist sehr gut nach Nordamerika vernetzt“, sagt Rumrich. Ehe ein Transfer perfekt gemacht wird, wolle sich Thompson jedoch erst ein Bild von der Schwenninger Mannschaft machen.

Eine im Netz viel diskutierte Rückhol-Aktion von Will Acton schließt der Wild Wings-Manager kategorisch aus. „Das ist für uns kein Thema“, stellt Rumrich klar. Acton, der die Schwenninger in der vergangenen Saison fast im Alleingang in die Playoffs geschossen hatte, stieg im Frühjahr aus seinem laufenden Vertrag aus und wechselte zu den Nürnberg Ice Tigers. Dort wird der Stürmer von den Nürnberger Fans bereits als größter Fehleinkauf seit Jahren gehandelt. Rumrich weiß jedoch anderes zu berichten: „Die Offiziellen in Nürnberg sind mit Acton zufrieden.“