Eishockey: „Mein Hauptziel ist es, hier Spaß zu haben“, sagt Rihards Bukarts mit einem leichten Lächeln. Und wird dann sofort wieder ernst. Keinesfalls möchte der Neuzugang der Schwenninger Wild Wings missverstanden werden oder einen falschen Eindruck erwecken. „Spaß ist für mich Eishockey zu spielen. Das ist mein Beruf und es gibt vermutlich nicht so viele Menschen, die jeden Tag Spaß an ihrem Beruf haben.“ Und vermutlich auch nicht viele Menschen, die diesen Satz im Alter von 22 Jahren so ruhig und gelassen aussprechen können.

Der Lette in Diensten der Wild Wings hat schon so einiges erlebt in seiner doch erst kurzen Karriere. Bereits mit 17 Jahren verließ er seine Heimat, um nach Kanada zu wechseln. Ein durchaus normaler Schritt für einen talentierten jungen Spieler. Der Traum war klar, das Ziel auch: Die NHL, die beste Liga der Welt, sollte es werden. Doch es reichte nicht. Der Einstieg über die West Coast Hockey League (WCHL) bei den Brandon Wheat Kings gelang noch prima, es folgte der Aufstieg in die American Hockey League (AHL). Doch da geriet der Weg des Rihards Bukarts ins Stocken. Von den Experten noch im NHL-Auswahlverfahren gesetzt, wollte sich kein NHL-Club aus Nordamerika seine Dienste sichern.

Vor einem Jahr trat Bukarts den Rückweg nach Europa an, heuerte beim tschechischen Club HC Zlin an. Dort spielte auch sein älterer Bruder Roberts. Dennoch passte es für den Jüngeren nicht, es folgte noch während der Saison der Wechsel ins Heimatland nach Riga. Zuletzt spielte Bukarts noch für die Eisbären Berlin die DEL-Playoffs, schaffte mit den Hauptstädtern den Finaleinzug und zeigte insgesamt eine starke Leistung. „Ich hatte schon viele Hochs und Tiefs in meiner Karriere“, analysiert der Flügelstürmer. „Aber jeder Schritt – nach vorne oder zurück – hat mich stärker werden lassen. Es hat mich zu einem besseren Menschen und einem besseren Spieler gemacht.“

Auch den Wechsel an den Neckarursprung sieht der Lette beileibe nicht als Rückschritt an, was sich manch einer angesichts seines vorherigen Clubs denken könnte. Für Bukarts war Schwenningen eine logische Wahl. „Es war eine Entscheidung für meine Zukunft“, erklärt der Rechtsschütze. „Pat Cortina ist ein sehr guter Trainer. Er hat gezeigt, dass er Spieler besser machen kann. Und genau das möchte ich erreichen.“ Schon in den Gesprächen vor dem Wechsel hatte der SERC-Coach ihm ein gutes Gefühl gegeben. „Mir hat gefallen, wie er mich behandelt hat“, berichtet Bukarts. „Auch die Worte von Manager Jürgen Rumrich haben sich einfach gut angefühlt. Ich wusste, ich möchte Teil der Schwenninger Familie werden.“

Seit gut zwei Wochen ist der 1,79 m große Angreifer Teil dieser Schwenninger Familie. Der nächste Neuanfang in einer neuen Stadt mit einer neuen Mannschaft. Doch daran hat er sich mittlerweile ein bisschen gewöhnt. „Natürlich ist es nicht ganz einfach, immer wieder bei Null anzufangen. Es wäre sicher schön, für drei oder vier Jahre mal am selben Ort zu leben“, meint der Mann aus Jurmala, einem mittelgroßen Badeort an der Ostsee in der Nähe von Riga. „Aber ich bin hier, um Eishockey zu spielen und mich zu verbessern. Und dafür ist Schwenningen die perfekte Stadt.“

Den Fokus legt der 22-jährige Rechtsschütze klar auf dem Sportlichen, weshalb er sich an seine neue Umgebung auch noch mehr oder weniger herantastet. Sein neuer Wohnort? „Äh, das ist jetzt schon etwas peinlich. Ich weiß gar nicht genau wie der Ort heißt. Ich weiß nur wie ich mit dem Auto dahin komme“, sagt Bukarts verlegen lachend. „Ich glaube der Ort heißt Bad Dürrheim. Wichtig ist aber für mich, dass es in der Nähe der Helios Arena ist. So bin ich schnell beim Training und bekomme auch mehr Schlaf.“

Auch die Freizeit ist beim Letten komplett dem Beruf angepasst, beinahe untergeordnet, denn für den Neu-Schwenninger, der künftig die Rückennummer acht tragen wird, gibt es eigentlich keine Freizeit. „Als Profi steht man morgens auf, frühstückt, geht zum Training, schläft etwas und hat dann vielleicht noch drei oder vier Stunden frei. Oder es geht eben ein zweites Mal zum Training“, erklärt er seinen Tagesablauf.

Rihards Bukarts möchte das Beste aus sich herausholen. „Ich will nicht mit 40 Jahren irgendwo sitzen und mir vorwerfen müssen, dass ich nicht alles gegeben, alles versucht habe“, sagt er. Der Lette hat klare Ziele. Und dazu gehört sicherlich auch, dass er Spaß an seinem Beruf hat.