Ringen, Bundesliga: Kaum ein Jahr vergeht, ohne dass es bei den Ringern irgendwelche Änderungen gibt. Ein Punktesystem sorgt in diesen Tagen für Verwirrung und Diskussionsstoff. Der Deutsche Ringerbund (DRB) gab am Wochenende bei der Bundesliga-Tagung in Darmstadt eine Regelung für die Saison 2018 bekannt, die auch beim SV Triberg großen Einfluss auf die Kader-Planung haben dürfte. Mit dem neuen System sollen die finanzschwächeren Mannschaften konkurrenzfähiger und die Kosten bei den Vereinen niedriger werden. „Ich hoffe beides tritt auch in der Realität ein. Aber das wird sich erst nächste Saison richtig zeigen“, sagt Mike Pfaff, der Vorsitzende des SV Triberg. Die Änderung soll zudem die aktuelle Budget-Grenze der Bundesligisten (150.000 Euro) ersetzen. „Diese Grenze war ohnehin nicht kontrollierbar“, so Pfaff.

Künftig bekommt jeder Ringer vor Saisonbeginn eine Punktzahl zwischen Plus acht und Minus zwei zugewiesen. Dabei werden Faktoren wie Nationalität, Erfolge und Jugendarbeit berücksichtigt. Vorgeschrieben ist die Maximalpunktzahl von 28 pro Mannschaftskampf. Für den SV Triberg bedeutet diese Vorgabe, dass sich im Kader einiges tun muss, denn mit der Aufstellung beim 19:5-Sieg am vergangenen Samstag in Urloffen käme das Team von Trainer Kai Rotter auf 39 Punkte.

Jeder ausländische Ringer bekommt mindestens fünf Punkte. Hat er einen Erfolg bei internationalen Großereignissen vorzuweisen, kommen weitere Zähler hinzu. Der Serbe Kristian bekäme insgesamt acht Punkte, da er 2017 Europameister wurde. Allein die vier ausländischen Ringer im Triberger Team beim Kampf in Urloffen erreichen zusammen 25 der 28 erlaubten Punkte (Fris 8, Khinzigaliev 7, Roman Dermenji 5 und Rares Chintoan 5)

Bei den deutschen Ringern gibt es ebenfalls „Strafpunkte“ für internationale Erfolge. Schwergewichtler Oliver Hassler bekäme eine Vier zugewiesen, da er 2014 Vize-Weltmeister wurde. Vladislav Wagner, Benedikt Rebholz und Sohayb Musa wären jeweils „Zweier“, da sie bei den deutschen Meisterschaften auf dem Treppchen stand. Adrian Wolny und Ahmed Dudarov werden ebenfalls mit einer Zwei eingestuft, da sie einem Nationalkader des Deutschen Ringerbundes angehören.

Das Punkte-System soll Nachwuchsarbeit besonders belohnen. Ein Eigengewächs hat den Wert Minus zwei. Somit hätten Jan Rotter und Marius Weiss eine besondere Bedeutung für ihren Heimatverein. In diesem Punkt sieht Mike Pfaff allerdings auch einen Nachteil: „Verletzt sich ein Eigengewächs, hat dies größere Auswirkungen auf die Aufstellung als bisher. Gut möglich, dass sich die finanzkräftigen Mannschaften deshalb größere Kader zulegen.“

Tennenbronns Trainer Matthias Brenn, der ebenfalls die Bundesliga-Tagung verfolgte, kann über die 28-Punkte-Marke nur Schmunzeln: „Wir wären derzeit bei minus zwei.“ Brenn hofft, dass die neue Regelung „auch wirklich Sinn macht“, überzeugt ist er jedoch nicht, zumindest noch nicht: „Inwieweit die gewünschte Gerechtigkeit wirklich eintritt, muss man abwarten“, sagt der Tennenbronner Coach.

Laut offizieller Mitteilung des Ringerbundes fand das neue Konzept „die überwiegende Zustimmung der anwesenden Vereine“. In Darmstadt wurde auch festgelegt, dass es zumindest in der kommenden Saison keine 2. Bundesliga geben wird.