Eishockey: Mit einem Grinsen im Gesicht sagt Philip McRae: „Maultaschen könnte ich jeden Tag essen, die schmecken so gut.“ Nach einer kurzen Pause fügt der 28-Jährige an: „Schnitzel mit Spätzle auch.“ Auf diese regionalen Köstlichkeiten wird der Neuzugang der Schwenninger Wild Wings in den nächsten Wochen jedoch verzichten müssen. In der Vorbereitung und auch während der kommenden DEL-Saison ist gesunde Ernährung angesagt. „Das ist mir sehr wichtig“, erklärt McRae. „Es fällt mir allerdings nicht so leicht, denn ich liebe gutes Essen. Aber es ist Teil des Jobs.“

Schwenningens neue Nummer vier lässt keinen Zweifel daran, dass er seinen Job ernst nimmt. Ruckzuck hat er sich bei den Wild Wings eingelebt und am vergangenen Samstag beim Testspiel in Freiburg bereits seinen ersten Treffer für sein neues Team erzielt. „Die Jungs haben es mir sehr, sehr leicht gemacht“, berichtet der US-kanadische Doppelbürger. „Schon nach einer Woche haben wir eine super Gemeinschaft und verstehen uns sehr gut.“ Geholfen haben dabei die ihm schon bekannten Kollegen in der neuen Mannschaft. Mit Ville Korhonen spielte McRae in der vergangenen Saison gemeinsam in Finnland bei Ässät Pori und vor fünf Jahren mit Kalle Kaijomaa bei den Espoo Blues. Auch mit Co-Trainer Petteri Väkiparta hat er bereits in Finnland gearbeitet. Zudem spielen etliche Profis aus seinem Geburtsland USA in der DEL, einige davon gar aus seiner Heimatstadt St. Louis. „Sie haben mir nur Positives berichtet“, so McRae. „Dass die DEL eine sehr gute Liga ist und es tolle Fans gibt.“

Einen kleinen Vorgeschmack darauf erhielt der 1,90 m große Angreifer bereits am Freitag beim öffentlichen Eistraining in der Helios-Arena. Natürlich hatten ihm die Kollegen auch davon erzählt, die Überraschung war dennoch groß. „Das hatte ich nicht erwartet. So eine Stimmung und so viele Fans, das hat unheimlich viel Spaß gemacht und motiviert zusätzlich. Es war vermutlich die Trainingseinheit, die mir bisher in meinem Leben am meisten Spaß gemacht hat“, meint der 28-Jährige. Der Spaß wird in Zukunft sicherlich auch weiterhin nicht ganz zu kurz kommen, doch der Fokus liegt ganz klar darauf, sich weiter einzugewöhnen und für die anstehende Spielzeit parat zu sein.

Die meiste Zeit in seiner bisherigen Eishockey-Profikarriere verbachte McRae in den USA, wo er auch 15 NHL-Spiele für die St. Louis Blues absolvierte. Zwei Spielzeiten blieb er beim ehemaligen Club seines Vaters Basil, einer absoluten NHL-Legende mit über 600 Spielen in der besten Liga der Welt. Der Papa ist mittlerweile bei den Columbus Blue Jackets engagiert und der größte Unterstützer, Kritiker und Ratgeber seines Sohnes. „Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern und freue mich schon darauf, dass sie uns hier besuchen werden und ein paar Spiele von mir sehen“, erklärt der Angreifer. Bis dahin wird auch Ehefrau Shannon im Schwarzwald angekommen sein.

Gemeinsam will das Paar Deutsch lernen. „Wir haben uns vor einigen Wochen ein Softwareprogramm gekauft, um die Sprache zu lernen, aber bisher kann ich nur die wirklich einfachen Dinge“, berichtet McRae lachend. Immerhin hat Shannon McRae deutsche Wurzeln. Ihre Großmutter stammt aus der Nähe von Karlsruhe und ein Besuch bei der dortigen Verwandtschaft steht jetzt schon auf dem Programm. „Die Oma und auch die Großtanten meiner Frau sind total begeistert, dass wir künftig in Deutschland leben“, erzählt der Ehemann. Ein paar mehr Worte Deutsch könnten da sicher hilfreich sein. Derzeit helfen in diesem Punkt auch seine Teamkollegen. Am neuen Wohnort in Donaueschingen hat er deren gleich drei an seiner Seite, die ihm bei den alltäglichen Dingen diverse Tipps geben. Doch die Umgebung erkundet McRae auch gerne alleine. „Es gefällt mir extrem gut, die Leute sind unheimlich nett. Es ist sehr entspannt.“

Entspannung wird Philip McRae bis zum Saisonstart Mitte September ab und an brauchen können. Bis dahin steht vor allem harte Arbeit an. Etwas, das der Linksschütze durchaus gerne mag. „Wir motivieren uns alle gegenseitig, wollen gemeinsam das Fortsetzen, was in den letzten Jahren hier aufgebaut wurde“, sagt McRae, der zuversichtlich seine neue Aufgabe angeht. „Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass es für die Wild Wings einen weiteren Schritt nach vorne geht. Unser Ziel sind ganz klar die Playoffs.“ Dafür verzichtet er dann auch gerne auf Maultaschen und Schnitzel.