Eishockey: Sommer in Schwenningen. Der Parkplatz hinter der Helios Arena ist naturgemäß zu dieser Jahreszeit nicht gerade überfüllt. Nur wenige Spieler der Schwenninger Wild Wings verbringen die warmen Wochen des Jahres an ihrem Arbeitsort. Einer von ihnen kommt auf seinem knallroten Roller gerade angesaust. Kai Herpich genießt die heiße Jahreszeit in seiner Heimat auf seine Weise. Allerdings kommt das Genießen eher an zweiter Stelle.

Seit Ende März ist der Stürmer bereits wieder im Training. „Ich habe lediglich zwei Wochen nichts gemacht, um den Körper etwas herunterzufahren. Danach ging es wieder los mit Radfahren“, erzählt der gebürtige Schwenninger. Immerhin hat Herpich noch eine Woche Urlaub auf der griechischen Insel Kos eingeschoben. „Leider etwas zu kurz“, meint er grinsend. Gerade lang genug, um etwas Abstand vom Eishockey zu gewinnen. Neben dem Körper braucht auch der Kopf seine Erholungszeit nach einer nervenaufreibenden und anstrengenden Saison, die mit Platz zehn und der Teilnahme an den Playoffs zwar sehr erfolgreich war, letztlich aber doch abrupt mit dem schnellen Aus gegen Wolfsburg endete. Herpich: „Wir waren anschließend alle zufrieden, auch wenn die Enttäuschung zunächst groß war. Es war insgesamt eine gute Saison von uns.“

Besonders aber auch für ihn selbst. Der 23-Jährige hatte vor der letzten Spielzeit ziemlich auf der Kippe gestanden. Die Wild Wings zögerten einige Zeit, dem Eigengewächs einen neuen Vertrag zu geben. Die sportlich Verantwortlichen waren nicht ganz einverstanden mit seinem Arbeitswillen und sprachen das auch deutlich an. Die Reaktion kam prompt und ebenso deutlich. Der junge Offensivspieler arbeitete im vergangenen Sommer extrem hart, speckte sieben Kilogramm ab und präsentierte sich in der Saison stark verbessert. SERC-Trainer Pat Cortina lobte Herpich mehrere Male ausdrücklich und gab ihm ordentlich Eiszeit. Herpich: „Ich selbst bin ganz zufrieden mit meiner letzten Saison. Ich habe mich für die Mannschaft gut eingesetzt, auch wenn ich mir ein paar Scorerpunkte mehr erhofft hatte.“

Immerhin machte der Angreifer einen derart großen Schritt nach vorne, dass die Vertragsverlängerung diesmal viel schneller vonstatten ging. Ein Vertrauensbeweis seitens des Clubs, den der Schwenninger Profi durchaus zu schätzen weiß. Generell hatte seine Leistungssteigerung auch viel mit Vertrauen zu tun. Schon während der Spielzeit hatte ihm das Trainerteam immer wieder genau das vermittelt. „Das tut richtig gut“, erklärt Kai Herpich. „Man traut sich dann selbst mehr zu und fängt nicht ständig an zu zweifeln. Wenn ein Spieler dieses Vertrauen spürt, entwickelt er automatisch mehr Selbstvertrauen.“

Dieses gestärkte Selbstwertgefühl will der Stürmer mit in die anstehende Saison nehmen und auf dem Eis zur Geltung bringen. Nachdem sich die harte Arbeit vor einem Jahr so gut ausbezahlt hatte, ist auch dieser Sommer vor allem eines: hart. So findet sich Herpich seit Monaten beinahe täglich im Fitnessraum des Stadions ein. Gemeinsam mit einigen Kollegen wurde zunächst an der Grundlagenausdauer gearbeitet, in den letzten Wochen verstärkt im Bereich Athletik. „Es wird Zeit, dass es wieder aufs Eis geht und wir wieder richtig anfangen können, zu arbeiten. Irgendwann wird es doch vom Kopf her anstrengend, immer nur auf dem Trockenen zu trainieren“, sagt Kai Herpich lachend. Die Vorfreude ist ihm anzumerken. Knapp vier Wochen muss er allerdings noch warten, bis die Wild Wings wieder auf Schlittschuhen stehen.

Und dann? „Ich will mich im Training anbieten, mir wieder einen Platz im Team verdienen und so viel Eiszeit wie möglich bekommen“, kommt die bescheidene Antwort. Unter Druck setzen lassen möchte er sich hingegen von der guten letzten Saison nicht. Der Mann mit der Rückennummer 13 weiß, was man von ihm erwartet. „Ich bin der harte Arbeiter und werde jetzt sicher nicht plötzlich versuchen, fünf Gegenspieler auf einmal abzuzocken. Von mir wird erwartet, die Checks zu Ende zu fahren und geradlinig zu spielen. Das ist mein Spiel und wenn ich das so durchziehe, werde ich die Erwartungen auch erfüllen.“

Sicherlich wird Kai Herpich unter verstärkter Beobachtung stehen, denn auch die Anhänger der Schwenninger Wild Wings haben die Entwicklung des Spielers sehr wohl zur Kenntnis genommen. Das kann auch leistungsfördernd sein. „Es hat durchaus etwas Positives, wenn die Leute mehr auf einen schauen“, sagt der 135-fache DEL-Spieler. „Diese vermutlich höheren Erwartungen der Fans motivieren mich, den nächsten Schritt zu machen.“ Spricht’s und entschwindet in den Fitnessraum der Helios Arena.